Vor dem Spitzenduell gegen Verfolger Leipzig

Zehn Freunde müsst ihr sein: FCB putzt Stuttgart in Unterzahl und zeigt Machtdemonstration

Mit dem 4:0-Sieg gegen Stuttgart zeigte der FC Bayern am Samstag eine Machtdemonstration besonderer Art. Das Flick-Team ließ sich auch vom Platzverweis für Alphonso Davies nicht aufhalten - im Gegenteil.

Was sich in anderthalb Jahren alles ändern kann! So manch einer dürfte sich vergangenen Samstag an einen düsteren Herbstabend in Hessen zurückversetzt gefühlt haben. Die Rede ist vom 2. November 2019 in Frankfurt, wo die Bayern genauso wie gegen Stuttgart am Wochenende einen frühen Platzverweis verbuchen mussten. Damals flog Jerome Boateng nach einer Notbremse gegen Gonçalo Paciência vom Platz, die dezimierten Münchner gingen mit 1:5 baden und ein gewisser Niko Kovac wurde im Anschluss an die Partie beurlaubt. Rund 16 Monate später ist besagte Mannschaft Sixtuple-Sieger, das Maß aller Dinge im Weltfußball und lässt sich auch von frühen Platzverweisen nicht aus der Erfolsspur bringen. Kaum hatte der Unparteiische Daniel Schlager Alphonso Davies am Samstag nach einem übereifrigen Einsteigen gegen Wataru Endo vom Platz gestellt, drehten die Münchner auf und fegten den VfB in Unterzahl mit 4:0 vom Feld. Ganz nach dem Motto: Zehn Freunde müsst ihr sein!

FC Bayern siegt 4:0 in Stuttgart: Nach roter Karte für Davies wurde der VfB filetiert

Dabei sah es bis zu besagter Roten Karte für den jungen Kanadier ganz danach aus, als würden sich die Bayern* die Zähne an den Schwaben ausbeißen. Immer wieder kombinierten sich die Schützlinge von Pellegrino Matarazzo gegen passive Bayern vor Manuel Neuers Gehäuse – kaum hatte Davies jedoch den Gang in die Kabine angetreten, fühlte sich die Mannschaft von Cheftrainer Hansi Flick scheinbar derart gekränkt in ihrer Ehre, dass sie den VfB in Unterzahl in gut 20 Minuten filetierte. Robert Lewandowski* und Serge Gnabry stellten in sechs (!) Minuten auf 3:0, kurz vor dem Pausentee machte der Pole den Dreierpack schließlich perfekt und die zweiten 45 Minuten damit mehr als überflüssig.

Drehten alle auf: Alaba, Müller (verdeckt), Sané, Gnabry und Goretzka (v.li.)

FC Bayern jubelt: Sieg gegen Stuttgart setzt ein Ausrufezeichen

Die ausgelassenen Jubelszenen auf der Bayern-Bank nach jedem Treffer – auch Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic klatschten miteinander ab – machten deutlich, dass es sich um einen Prestigesieg handelte. Um eine erneute Demonstration der Stärke, mit der man Verfolger Leipzig wieder auf vier Punkte distanziert hatte. Um ein Ausrufezeichen, das auch aufgrund der Aussichtslosigkeit der Situation nach dem Platzverweis möglich gewesen war. „Wir sind erst nach der Roten Karte aufgewacht. Es war eine Herausforderung für uns, mit zehn Spielern Torchancen zu kreieren“, erklärte Dreierpacker Lewandowski hinterher bei Sky, einer, der bekanntlich Herausforderungen dieser Art liebt. Flick selbst kam ob der erneuten Mammutleistung seiner Truppe wie die meisten TV-Zuschauer nicht mehr aus dem Staunen heraus. „Ich muss meiner Mannschaft ein riesiges Kompliment machen“, sagte er bei der Pressekonferenz. „Nach dem berechtigten Platzverweis haben wir in der Defensive die Räume eng gemacht und in Ballbesitz gut agiert. Die Tore waren herausragend herausgespielt.“

Der einzige Makel an einem perfekten Nachmittag: Nach einem bösen Foul gegen Stuttgarts Endo wurde Davies in der 12. Minute vom Platz gestellt.

Und jetzt? Ist erst einmal zwei Wochen Stillstand angesagt. Die Nationalspieler gehen geschlossen auf Länderspielreise, was angesichts der Dynamik an der Säbener Straße bei sechs Siegen in Folge zur Unzeit kommt. Zumal unmittelbar nach der internationalen Zäsur der entscheidende Ligagipfel bei RB Leipzig ansteht. „Wir haben jetzt erst mal die Pause bei der Nationalmannschaft“, erklärte Serge Gnabry. „Danach freuen wir uns auf das Spiel gegen Leipzig. Das Spiel heute gibt uns sehr viel Selbstvertrauen.“ Und wer diese Bayern kennt, dürfte mittlerweile wissen, dass sie sich auch nicht von Länderspielpausen aufhalten lassen.

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Rubriklistenbild: © dpa/Matthias Balk

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