Stürmer „hatte damals Angst!“

Vor dem Duell seiner Ex-Klubs FC Bayern und VfB Stuttgart: „Herr Elber, zu wem halten Sie eigentlich?“

Giovane Elber stand beim VfB Stuttgart unter Vertrag, ehe er zum FC Bayern wechselte
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Giovane Elber stand beim VfB Stuttgart unter Vertrag, ehe er zum FC Bayern wechselte.

In Stuttgart gehörte er zum „magischen Dreieck“, beim FC Bayern hat er viele Erfolge gefeiert: Giovane Elber. Vor dem Bundesliga-Duell verrät er, dass er gar nicht nach München wollte.

  • Giovane Elber hat als aktiver Fußballer für den FC Bayern viele Tore geschossen. Heute ist er Markenbotschafter.
  • Am Samstag trifft München auf einen weiteren Ex-Klub des Brasilianers, den VfB Stuttgart.
  • Im Interview spricht er über seinen damaligen Transfer zum FCB - und wem er bei dem Duell die Daumen drückt.

München/Stuttgart - Giovane Elber ging für den VfB Stuttgart (94–97) und den FC Bayern (97–03) auf Torejagd. Wem der 48-jährige Ex-Stürmer am Samstag (hier geht‘s zum Live-Ticker) die Daumen drückt, verrät er im tz-Interview:

Herr Elber, für wen schlägt dieses Wochenende Ihr Herz?
Giovane Elber: Für Bayern – so schön die drei Jahre in Stuttgart mit dem magischen Dreieck auch waren. Ich bin heute als Markenbotschafter Angestellter des FC Bayern und habe als Spieler sehr viele Erfolge mit diesem Verein gefeiert. Der FC Bayern ist mir daher noch näher.
Dabei wollten Sie anfangs gar nicht von Stuttgart zu Bayern.
Elber: Das stimmt. Ich wäre gerne in Stuttgart geblieben. Der damalige Präsident, Herr Mayer-Vorfelder, hatte die Verträge mit Fredi Bobic und Krassimir Balakov schon verlängert, bevor es in die Winterpause ging. Ich bin dann nach Brasilien geflogen und dachte, dass mein Vertrag danach verlängert wird. Aber als ich zurückkam, hat man mir gesagt, dass ich nach München wechseln soll. Bayern hatte eine sehr hohe Ablösesumme angeboten.
Ruft der FC Bayern, gibt es doch nichts zu überlegen…
Elber: Die Stimmung beim VfB war sehr familiär. Ich habe das sehr genossen. Zum Beispiel hat uns Herr Mayer-Vorfelder einmal im Monat immer zum Essen eingeladen – mit unserer ganzen Familie. Das waren sehr schöne Abende. Wir haben ein, zwei Gläser Wein getrunken, aber nicht gesoffen. Diese Treffen haben den Zusammenhalt ungemein gefördert.

FC Bayern: Giovane Elber „hatte wirklich Zweifel und Angst“ vor seinem Wechsel

Und beim FC Bayern?
Elber: Der FC Bayern, das war ja der FC Hollywood. Ich hatte wirklich Zweifel und Angst, ob ich in München Fuß fassen kann. Es gab vor mir viele Spieler mit großen Namen, die den Verein nach zwei Jahren schon wieder verlassen haben. Sie waren in München gescheitert. Meine Frau meinte: Giovane, du willst Nationalspieler werden. Dann musst du zu Bayern gehen. Beim VfB gut zu spielen, hat dafür offenbar nicht ausgereicht. Okay, dann mache ich das halt, habe ich schließlich gesagt.
Heute stürmt Robert Lewandowski bei den Bayern.
Elber: Lewy ist für mich der derzeit beste Stürmer auf der Welt. Als er von Dortmund zu Bayern kam, dachte er noch: Es reicht aus, wenn ich hier meine Tore schieße. Aber er hat gemerkt, dass er beim FC Bayern auch nach hinten, für die Mannschaft arbeiten muss. Wenn du das tust, bekommst du von den anderen den Ball. Lewy hat das verstanden.
Mit 32 ist er eigentlich aus dem besten Stürmeralter raus.
Elber: Ich bin mir sicher, dass er noch eine paar Jahre auf diesem Niveau spielen wird. Lewy ist kaum verletzt, obwohl er keinen Zweikampf scheut. Er hat gute Muskeln und verhält sich einfach extrem professionell – auch abseits des Fußballplatzes. Er achtet zum Beispiel sehr auf seine Ernährung. Und Lewy trainiert sogar im Urlaub. (Lacht) So ein Spieler war ich nicht. Ich wollte den Urlaub genießen – kein Lauftraining, nicht einmal zehn Minuten. Einfach Beine hochlegen.

Giovane Elber über Lewandowski: „Gegen Ende der Saison nicht mehr so oft getroffen“

Trauen Sie ihm zu, Gerd Müllers ewige 40 zu knacken?
Elber: Wenn das einer schaffen kann, dann er. Er hat jetzt nach acht spielen schon elf Tore geschossen. Wenn man das auf 34 Spieltage hochrechnet, dann würde es reichen. Aber in den vergangenen Jahren hat Lewy gegen Ende der Saison nicht mehr so oft getroffen. Mal schauen, wie es läuft.
Dortmunds Erling Haaland ist ihm mit zehn Bundesliga-Toren dicht auf den Fersen.
Elber: Unglaublich dieser Junge! Er setzt seine Schnelligkeit perfekt ein. Aber er ist vor dem Tor noch nicht so eiskalt wie Lewy. Der ist für mich momentan einfach der kompletteste Stürmer. Ein super Kopfballspieler, der rechts und links schießen kann. Haaland hat nur einen starken linken Fuß. Aber er ist ja noch jung und entwicklungsfähig.
Könnte er Lewys Nachfolger bei Bayern werden?
Elber: Das ist schwer zu sagen. Kann durchaus mal sein. Aber ich bin mir sicher, dass Robert noch viele Jahre spielt und Tore für Bayern schießen wird.

Interview: Roland Wiedemann

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