Interview zum Südschlager

FC Bayern schlagbar? VfB-Abwehr-Star verrät Geheimplan - und schickt gleich Kampfansage hinterher

Marc-Oliver Kempf (r.) im Zweikampf mit Robert Lewandowski
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Marc-Oliver Kempf (r.) will mit dem VfB Stuttgart beim FC Bayern etwas mitnehmen.

Marc-Oliver Kempf ist der Abwehrchef des VfB Stuttgart. Im Interview mit tz.de spricht er über den Bundesliga-Südschlager beim FC Bayern, Zwei-Meter-Mann Sasa Kalajdzic und verfrühte Träume von der Europa League.

München/Stuttgart - Es ist der Südschlager der Bundesliga. Und: Der FC Bayern München tut sich traditionell schwer gegen den VfB Stuttgart. Im Hinspiel gab es ein 3:1 für den deutschen Rekordmeister, nach Führung und starker Halbzeit des Aufsteigers.

In Erinnerung geblieben ist auch ein 4:1 der Stuttgarter in München am 12. Mai 2018, als die Bayern jedoch längst als Bundesliga-Meister feststanden. FCB gegen VfB - an diesem Samstag (15.30 Uhr bei tz.de im Live-Ticker) ist es wieder so weit. tz.de sprach vor der Partie mit Stuttgarts Abwehrchef Marc-Oliver Kempf über Mittel gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner.

Herr Kempf, wissen Sie, was den VfB mit Lazio Rom verbindet und ziemlich genau auf den Tag acht Jahre her ist?

Marc-Oliver Kempf: Nein, da müsste ich lügen.

Am 14. März 2013 bestritt Stuttgart sein bisher letztes Europa-League-Spiel, ein 1:3 gegen die Römer im Achtelfinale. Nach den jüngsten Ergebnissen ist der Wettbewerb rund um den VfB wieder ein Thema. Auch in der Kabine?

Nein. Überhaupt gar nicht. Wir sind froh, dass wir aktuell so dastehen. Dass wir, was die Abstiegsplätze angeht, so gut wie auf dem rettenden Ufer stehen. Im Moment ist nur der FC Bayern in unseren Köpfen. Und das Spiel am Samstag. So wird es auch die nächsten Wochen laufen. Dass wir nur auf die nächsten Gegner schauen.

In der nächsten Saison hat man die Quittung mit dem Abstieg bekommen.

Marc-Oliver Kempf über Europa-Träume in Stuttgart

Bundesliga: VfB Stuttgart steht vor vorzeitigem Klassenerhalt

Sie stehen bei 36 Zählern. 40 Punkte gelten als magische Marke für den Klassenerhalt. Das nächste Etappenziel?

Genau. Das ist immer die grobe Rechnung, um die Liga zu halten. Wir sind mit dem Ziel in die Saison gegangen, schnellstmöglich diese Marke zu erreichen. Wir sind drauf und dran, die 40 Punkte zu knacken und, wenn es gut läuft, noch mehr zu sammeln.

Ihre Mannschaft gilt als hochtalentiert - und mehrere Spieler auf dem Transfermarkt als begehrt. Muss da nicht das internationale Geschäft das Ziel sein? Um einen Anreiz zu schaffen, dass diese Spieler langfristig bleiben?

Diese Herausforderung haben viele Vereine. Dass sie jungen Spielern, bei denen man viel Entwicklungspotenzial sieht, die bestmögliche Perspektive bieten können. Das heißt dann natürlich auch irgendwann international zu spielen. Davon sind wir aber noch ein ganzes Stück entfernt. Wir sollten jetzt nicht anfangen zu träumen. Wir sind gut damit beraten, jedes Spiel mit 100 Prozent anzugehen. Es wäre komplett der falsche Ansatz, groß zu interpretieren, was die kommenden Jahre kommen könnte. Wir sind wieder in der Bundesliga, nach mehreren Aufs und Abs. Die nächsten Jahre sollte der VfB schauen, dass er sich in der Bundesliga festigt und nichts mit dem Abstieg zu tun hat.

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Vor FC Bayern gegen VfB Stuttgart: Marc-Oliver Kempf will von Europa League nichts hören

Ist das die Botschaft ans Umfeld? Im Schwabenkessel keimt ja gerne mal schnell Euphorie auf.

Das Szenario, das vor knapp drei Jahren passiert ist, sollte jedem Warnung genug sein, auf die Bremse zu treten. Damals hat die Mannschaft den siebten Platz belegt, viele haben von Europa geträumt. Und in der nächsten Saison hat man die Quittung mit dem Abstieg bekommen. Wie gesagt: Das Ziel sollte sein, stabil in der Bundesliga dazustehen.

Einer der begehrten Spieler ist Sasa Kalajdzic. Der Österreicher hat in den vergangenen sieben Bundesliga-Spielen acht Tore erzielt - und ist nie um einen lockeren Spruch verlegen. Er wird bereits mit RB Leipzig in Verbindung gebracht. Was ist Kalajdzic für ein Typ?

Er kommt in seinen Interviews so rüber wie er ist. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, ein guter Typ, mit dem man gerne Zeit verbringt. Ich gönne es ihm von Herzen, dass er so viele Tore schießt. Sasa kann gerne so weitermachen, das hilft uns sehr.

Sie waren im Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt. Kalajdzic hat erst für den Wiener Kult-Klub First Vienna gespielt und dann in der vierten Liga, ehe er den Durchbruch geschafft hat. Weil dieser Umweg für Fußballprofis noch möglich ist?

Solche Beispiele gibt es immer wieder. Dass es nicht nur übers NLZ geht, sondern sich Spieler einen anderen Weg suchen und es trotzdem schaffen. Das sollte jedem bewusst sein. Dass man, wenn man mit zwölf, dreizehn Jahren in einem NLZ ist, nicht zwangsläufig Profi wird. Es ist auch für andere Fußballer möglich, wenn man Gas gibt, und wenn man das Talent hat.

Marc-Oliver Kempf (VfB Stuttgart): „Sasa Kalajdzic ist einen halben Kopf größer als der Gegner“

Scharfe Flanken, Kopfball, Tor - Kalajdzic ist erst 23, aber beinahe ein konservativer Stürmer. Macht euch das unberechenbarer, während sich viele Gegner auf Umschaltfußball oder Ballbesitz fokussieren?

Seine Größe kommt uns auf jeden Fall entgegen. Natürlich ist es ein Vorteil, wenn du einen Zwei-Meter-Riesen im Strafraum stehen hast, der auch mal, ohne zu springen, einen halben Kopf größer als der Gegner ist. Die Flanken sind ein bewährtes Mittel, in der Hoffnung, dass er dann auch die Birne hinhält.

Im Video: Bayern-Trainer Hansi Flick schwärmt vom VfB Stuttgart

Ein Mittel, mit dem der VfB dem FC Bayern weh tun kann?

Wir müssen von der ersten Sekunde an hellwach und fokussiert auf die 90 Minuten sein. Ansonsten weiß jede Mannschaft, dass man gegen die Bayern schnell unter die Räder kommen kann. Wir haben nichts zu verlieren. Wir versuchen, unser Spiel zu machen. Wenn wir es schaffen, ein Top-Spiel abzuliefern, können wir vielleicht was mitnehmen.

Im Hinspiel haperte es an der Chancenverwertung. Muss gegen den FC Bayern schlicht jede Großchance drin sein?

Nein. Sich darauf zu versteifen, dass die eine Großchance reingeht, wäre der falsche Ansatz. Wenn man verkopft an die Sache rangeht, wird es schwierig. Für den bestmöglichen Abschluss vor dem Tor muss man gelassen bleiben.

FC Bayern gegen den VfB Stuttgart: „Wir müssen jede Sekunde hellwach sein“

Mit Serge Gnabry kommt ein Ex-Stuttgarter auf Sie als Innenverteidiger zu. Was erwarten Sie?

Ein hartes Stück Arbeit für den ganzen Defensivverbund. Jeder von uns hat im Hinspiel gesehen, dass die Bayern nicht viele Chancen brauchen, um ihre Tore zu schießen. Wie gesagt: Wir müssen jede Sekunde hellwach sein und eng am Mann dran sein. (pm)

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