Bestandsaufnahme

FC Bayern vor dem Bundesliga-Start: Gut unter dem Mikroskop

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Applaus auf höherem Niveau: Bei Hummels und der Defensive fehlt noch was, Lewandowski ist hingegen in Schuss.

Die Bestandsaufnahme des FC Bayern München vor dem Bundesliga-Start: Hinten schon maximal, vorne noch nicht bei voller Größe.

Fußballstadien tragen, sofern sie nicht aus PR-Gründen eine sperrige Firmenbezeichnung übergestülpt bekommen haben oder wegen der glücklichen Fügung ihrer melodischen Geographie seit jeher nach einer Symphonie auf den Sport klingen („Estadio do Maracanã“), gern mal den Namen einer prominenten Figur. In der Regel handelt es sich um verdiente Fußballer aus der entsprechenden Historie, im Falle des FC Carl Zeiss Jena aber verhält sich die Sache etwas anders. Der Viertligist spielt im Ernst-Abbé-Stadion, und dieser Stadionpatron war kein Kicker. Er sicherte sich seinen Platz in Weltgeschichte als Physiker, machte sich nicht zuletzt im Bereich Optik verdient.

Zwar kann man eine Fußballmannschaft nicht einfach so unter ein Mikroskop legen, genau studiert wird ein Team aber doch, wenn es auf den Start einer neuen Saison zusteuert. Der FC Bayern München befindet sich permanent unter besonders scharfen Linsen, die Bestandsaufnahme nach dem 5:0 zum letzten Prüftermin in Jena vor dem Auftakt am Freitag gegen Bremen liest sich gut. In der Abwehr haben die Münchner schon Maximalkraft, nur vorne fehlt es ihnen noch an Größe. Mats Hummels, Musterbild eines Einserschülers, drückte das Ganze so aus: „Wir können noch nicht bei 100 Prozent sein – aber wir nähern uns an.“

Momentan muss man den Bayern die eine oder andere holprige Stafette wohl nachsehen. Carlo Ancelotti tüftelt nicht so akribisch an den Feinheiten des Fußballs, unter ihm wird wieder öfter der Pragmatismus der Zeit vor Pep Guardiola hervorgekehrt. Die Kugel läuft strukturfreier durch die Reihen, die Idee dahinter ist, dass der größere Raum für Individualität die Effizienz erhöht, denn bei all dem Bestreben nach Ballbesitz fehlte unter dem Katalanen ab und an der letzte entscheidende Wirkungstreffer.

FC Bayern München musste im DFB-Pokal auf elf Leistungsträger verzichten

Darüber hinaus mussten die Münchner im Pokal auf nicht weniger als acht potenzielle Kandidaten für die Startelf verzichten. Das entschuldigt stockenden Spielfluss. In Jena kaschierte Robert Lewandowski das Manko mit einem Hattrick, doch zum Liga-Start zuhause gegen Bremen sollten Thomas Müller und auch der in der Vorbereitung sonst so starke Franck Ribery wieder zulegen.

Wobei: Werder wird wohl auch nicht gerade zum großen Stolperstein gleich nach Verlassen des Startblocks werden. Zumal sich die bayerische Defensive derzeit von ihrer besten Seite zeigt, was insofern ein bisschen verwundert, da in Jerome Boateng ja immerhin auch einer unter den acht Verletzten ist, der in der Abwehr als unabkömmlich gilt. Ancelotti zeigte sich in Jena in der Hinsicht vor allem von Javi Martinez angetan. „Besonders er überrascht mich“, sagte der Coach über den Spanier, „er war im Supercup in Dortmund schon bester Mann und hat das jetzt unterstrichen.“ Am Freitag vertraute er Martinez und David Alaba die Aufgaben in der Abwehrzentrale an, Hummels blieb erst mal draußen.

Das sei alles so abgesprochen gewesen, sagte der Neuzugang. „Ich sollte maximal eine Halbzeit spielen, das war sehr vernünftig, denn die 90 Minuten in Dortmund haben schon sehr reingehauen. So war es eine gute Dosierung.“ Fürs Erste – aber wenn Boateng fit ist und sich Martinez etabliert, wird die Besetzung der Innenverteidigung bald eine interessante Geschichte. So ist das halt bei Bayern: Es wird alles stets genau seziert, wie unterm Mikroskop. Ernst Abbé hätte seine Freude.

Von Michael Nadler

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