Saisonstart gegen den HSV

Rummenigge hat keine Lust auf Kaugummi

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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

München - Der FC Bayern München vor dem Start der Bundesliga-Saison 2014/2015: Guardiola schwärmt von Costa, Rummenigge hat keine Lust auf Kaugummis.

Neun Monate Arbeit. 150 Kilometer Kabel verlegt. 940 W-Lan-Antennen an der Allianz Arena angebracht, teils mit Hilfe von Freikletterern – der FC Bayern wähnt sich bereit für die Zukunft. Zumindest multimedial.

Die Zusammenarbeit mit Hauptsponsor Telekom wurde bis 2023 verlängert. Das heimische Stadion wartet nun mit neuen technischen Finessen auf. Über die Bayern-App einloggen, dann hat man Zugriff auf Spielinfos, Livebilder etc. – schöne neue Fußballwelt. Jetzt müssen die Stars nur noch dafür sorgen, dass auf den Smartphones tatsächlich auch hübsche Infos und Sequenzen aufleuchten. Am heutigen Freitagabend haben sie beim Bundesligastart gegen den Hamburger SV ihre erste Gelegenheit dazu.

In erster Linie ist dem Titelverteidiger anzumerken, dass er froh ist, endlich wieder loslegen zu können. Die ewigen Fragen nach Pep Guardiolas ungeklärter Zukunft rücken zumindest ein wenig ins Abseits, sobald der Ball rollt. Es sei wie ein „Kaugummi, der sich seit Wochen zieht“, klagte Rummenigge noch rund 24 Stunden vor dem Anpfiff. Dabei sei alles gesagt. In der zweiten Jahreshälfte werde da eine Entscheidung getroffen. Er habe „keine Hinweise, um nicht optimistisch zu sein“.

Guardiola ist längst nicht der einzige Dauerbrenner der spielfreien Zeit gewesen, und Rummenigge nutzte nun die Chance, um endlich einmal bei so ziemlich allen kniffligen Personalien Klarheit zu schaffen. Mario Götze habe ihm gesagt, dass er diese Saison beim FC Bayern bleiben wolle. Damit sei jetzt der „Deckel drauf – ich wünsche ihm viel Glück. Er hat natürlich große Konkurrenz.“ Unter anderem Thomas Müller, den die Bayern um keinen Preis der Welt ziehen lassen werden. „Ich habe ihm das Etikett unverkäuflich bereits auf unserer China-Reise umgehängt, und das hat weiterhin Bestand.“ Zwar würde Manchester United immer wieder buhlen, „aber wir sind da resistent. Es gibt keinen Preis, bei dem wir nachdenken würden.“ Louis van Gaal sei „sehr stur – aber warum sollten wir Thomas abgeben?“

Rummenigge: De Bruyne und Coman im Sommer noch nicht beim FC Bayern

Götze und Müller bleiben, Deckel drauf – Kevin de Bruyne (Wolfsburg) und Kingsley Coman (Juventus Turin) werden laut Rummenigge zumindest in diesem Sommer noch nicht die Farben des FC Bayern überstreifen. Bei Coman ließen „die letzten Eindrücke nicht darauf schließen, dass wir noch mal tätig werden“, so der Vorstandschef, im Falle von de Bruyne versicherte er den Niedersachsen, der FC Bayern werde ihnen „nicht so viel Kopfzerbrechen wie die Engländer machen. De Bruyne ist nicht auf dem Markt, und wir werden da zu 100 Prozent nicht reingrätschen.“

Pep Guardiola erklärte, er habe das alles „schon vor drei Wochen gewusst“, dass also Götze und Müller bleiben sowie die anderen Kandidaten nicht kommen. Er sei ohnehin zufrieden mit seinem Repertoire – und erwartet sogar Konfliktpotenzial: Ob er alle seine Profis zufriedenstellen könne, wurde er gefragt. Er schaute irritiert, als habe sich jemand erkundigt, ob die Katalanen gerne zu Spanien gehören. „Nein, das ist unmöglich“, antwortete er. „Bayern hat wieder einen überragenden Wahnsinns-Kader.“ Unglücklich wirkte er nicht.

Im Gegenteil. Guardiola verfiel vor dem Auftakt bei jeder angesprochenen Personalie in eine Jubelarie. Nach einem, der wie Douglas Costa in die Dribblings geht, würde ganz Europa suchen, sagte er etwa über den 30-Millionen-Export von Schachtjor Donezk. Der FC Bayern könne glücklich sein, so einen verpflichtet zu haben: „Denn er ist noch jung – er wird einmal einer der besten fünf Außenstürmer der Welt.“ Über Arturo Vidal sagte Guardiola, er bringe „alles mit“, und als ihn jemand darauf ansprach, dass Xabi Alonso in der zweiten Saisonhälfte merklich nachgelassen hatte, schüttelte er energisch den Kopf: „Gegen Barcelona war er der Beste, unbedingt!“ An ihm gäbe es „keine Zweifel“, nur hätten ihm die Partner für sein Passspiel gefehlt, nachdem David Alaba, Thiago oder Philipp Lahm aussetzen mussten.

Die Voraussetzungen für eine gute Saison sollten also stimmen. Gegen den Hamburger SV werden die Spieler, die vor 50 Jahren den Aufstieg in die Erste Liga bewerkstelligt haben, als Ehrengäste dabei sein. Die Helden von einst als erste Hingucker auf den neuen topmodernen Info-Screens: Das hat was. Zurück in die Zukunft, auf ein Neues. Aber dass Guardiola während der Pressekonferenz zwischenzeitlich aufstöhnte, „es ist heiß hier“, passt auch irgendwie ganz gut ins Bild.

Wer es nicht allen Recht machen kann, der ist nicht zu beneiden. Das war früher so – und das ist erst recht in multimedialen Zeiten der Fall.

Zum Spiel des FC Bayern gegen Hamburg am Freitag bieten wir wieder einen Live-Ticker.

Von Andreas Werner

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