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Die Titel der anderen

Warum Pep der Supercup heuer wichtiger ist als zuvor

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Pep Guardiola.

München - Pep Guardiola hat die Wichtigkeit des Supercups entdeckt und weicht Fragen nach seiner Zukunft beim FC Bayern aus.

Es gibt solche und solche Titel, aber das Wesentliche über den Umgang mit Trophäen hat Pep Guardiola in seiner Zeit in Deutschland schon früh gelernt: Der FC Bayern will sie alle. Das Halbfinale der Champions League zu erreichen, „ist nicht genug“, hat er leidvoll (und doppelt) feststellen müssen, auch das Pokal-Aus gegen Dortmund ist in der Erinnerung des Trainers präsent. Am Samstag steht der Supercup beim VfL Wolfsburg an (20.30 Uhr/ZDF und Sky). Der Meister zu Gast beim Pokalsieger, diese Konstellation klingt nach einer gewissen Brisanz. Aber das ist wie so oft eine Frage der Perspektive. Sport-Vorstand Matthias Sammer verniedlicht den Supercup als „Titelchenchenchen“. Guardiola ist er weniger egal. Zumindest „wichtiger als in den letzten zwei Jahren“.

Dahinter steckt eine sehr spezielle Logik. Die Titel der anderen sind besonders begehrenswert. 2013 und 2014 unterlagen die Bayern Borussia Dortmund, wobei besonders die letzte Auflage mit der Knieverletzung von Javi Martinez in übler Erinnerung ist. In einem großen Verein, wie der FC Bayern einer ist, erkennt der Trainer eine klare Gesetzmäßigkeit: „Wenn du verlierst, ist es ein großer Titel. Wenn du gewinnst, ist es ein kleiner.“ Zweimal griff Bayern ins Leere, also: „Für mich ist es ein großer Titel.“

Realistischer ist aber wohl die Einschätzung Oliver Bierhoffs: „Die ersten halb-ernsten Spiele beginnen.“ Der DFB-Teammanager hat leicht reden, er muss kein Spitzenensemble zur Bestform trimmen und gleichzeitig einen Rückschlag auf großer Bühne vermeiden. Doch wenn man die übliche Titelkampf-Rhetorik abzieht, liegt der Wert dieses Duells eher bei Sammer als bei Guardiola.

Die Bayern befinden sich in einer kniffligen Vorbereitung. Die China-Reise hat Guardiola als notwendiges Marketing-Instrument hingenommen, im Gegenzug hat er diese Woche ausgiebig unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren dürfen. Aufgesperrt wurden die Tore nur am Mittwoch und da auch nur für einen Spalt. Zehn Minuten durften die Medien sich ein Bild von Arturo Vidal machen. Dann ging es im Verborgenen weiter.

Wie weit der Vorbereitungsprozess im Bayern-Laboratorium ist, darüber wird die Wolfsburg-Reise noch keine große Auskunft erteilen. Guardiola konnte am Freitagmittag nicht mal fest zusagen, dass Vidal überhaupt mitreisen würde (was der Chilene letztlich aber doch tat). Die Bayern dosieren ihre Auftritte bislang äußerst sparsam. Erst drei ernsthafte Partien bestritten sie zu Testzwecken (Valencia, Inter, Guangzhou), dazu zwei 45-Minuten-Kicks beim Blitzturnier in Mönchengladbach, bestritten von der Zweit- bis Drittbesetzung. Zum Vergleich: Borussia Dortmund hatte sieben Tests, (trat am Donnerstag allerdings auch schon zum ersten Pflichtspiel an), der VfL Wolfsburg sechs.

Es ist alles noch sehr unkonkret. Dazu passt, dass die Frage aller Fragen, die jeden Supercup in den Schatten stellt und für die Bayern-Bosse ähnlich wichtig sein dürfte wie der Gewinn der Champions League, am Freitag ausgiebig thematisiert, aber natürlich nicht erschöpfend beantwortet wurde: Was macht Guardiola 2016? „Zum ersten und letzten Mal“ werde er dazu Stellung beziehen, sagte er, hielt sich dann aber doch bedeckt: „Ich habe mich noch nicht entschieden.“

Guardiolas Hispano-Deutsch ist eine große Baustelle, doch die Kunst, viel zu reden und wenig zu sagen, beherrscht er gut. Seine Zukunft hänge „von meinen Spielern“ ab, „von meiner Nase“, und er müsse „überlegen, was das Beste für den Verein ist“. Im Ton klang er devot, doch in der Sache wirkt er entschlossen. Irgendwann werde er die Vorgesetzten über seine Entscheidung informieren. Es klang so, als könne sich Karl-Heinz Rummenigge die angestrebten Verhandlungen sparen, weil Guardiola die Frage nach seiner Zukunft eh mit sich selber ausmacht.

Die Saisonvorbereitung ist die große Zeit der Kaffeesatzleser. Wenigstens im sportlichen Bereich ist sie bald beendet. Am 14. August, wenn die Liga beginnt, wird es endlich wieder konkret. Bei Guardiola und seiner Lebensplanung dürfte es noch ein bisschen länger dauern.

Marc Beyer

Der Live-Ticker: VfL oder FCB - wer holt den Supercup?

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