„Mein Leben hat einen Knacks bekommen“

Warum Uli Hoeneß nicht mehr die Abteilung Attacke anführt

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Uli Hoeneß weiß, dass er bei Gerechtigkeitsfragen einen schweren Stand hat und nicht mehr austeilen kann wie früher.

Uli Hoeneß gilt als Mann klarer Worte, der - zumindest in der Vergangenheit - keinem Streit aus dem Weg ging. Zuletzt hielt sich der Präsident des FC Bayern mit markigen Worten allerdings zurück. Aus gutem Grund.

Christoph Daum kann ein Liedchen davon singen, Willi Lemke sowieso, der Nikolaus und der Osterhase auch - wer sich in der Vergangenheit mit Uli Hoeneß anlegte oder den FC Bayern München kritisierte, der musste jederzeit mit einer Reaktion aus der Vorstandsetage des Rekordmeisters rechnen. Hoeneß war die personifizierte Abteilung Attacke, der sein Lebenswerk FC Bayern gegen alles und jeden bis aufs Blut verteidigte und gerne mal den Gerechtigkeitsfanatiker - auch in politischen und gesellschaftlichen Belangen gab. Seine bekanntesten Verbalattacken finden Sie unten in der Fotostrecke.

Doch inzwischen ist es ruhiger geworden um den 65-jährigen FCB-Präsidenten. Öffentliche Auftritte mit verbalen Ohrfeigen für seine Widersacher gibt es keine mehr. Zuletzt, als Hoeneß den starken Emporkömmling RB Leipzig angriff und als „Feind“ bezeichnete, entschuldigte er sich einen Tag später für seine drastische Wortwahl.

Hoeneß: Kann nicht mehr offen meine Meinung sagen

Woher kommt die Wandlung? Warum wagt sich Hoeneß zum Beispiel nicht mehr in politische Talkshows, um dort das soziale Gewissen zu vertreten, wie einst bei seinen Auftritten bei „Maybritt Illner“? Die Antwort gibt Hoeneß in einem Interview im Rahmen der Dokumentation „Das Mia-San-Mia-Phänomen“ der Deutschen Welle. Auf die Frage, wie er rückblickend den streitbaren Uli Hoeneß sehe, der sich gerne auch mal vor seine Mitarbeiter, vor seinen Verein gestellt habe, antwortet der Bayern-Boss erstaunlich ehrlich: „Ich finde es schade, dass ich das jetzt nicht mehr ganz so machen kann, weil es nach meinen Steuerproblemen schwieriger geworden, offen die Meinung zu sagen.“

Die „Steuerprobleme“, von denen der FCB-Macher spricht, sind allseits bekannt: Am 13. März 2014 wurde Hoeneß vom Landgericht wegen Steuerhinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro schuldig gesprochen und zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Im Juni 2014 ging er ins Gefängnis, Ende Februar 2016 wurde er auf Bewährung entlassen. Im Herbst 2016 wurde er dann wieder mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten des FC Bayern gewählt.

Hoeneß: „Da hat mein Leben leider einen Knacks bekommen“

Hoeneß sieht sich aufgrund seines Steuervergehens daher in einem Dilemma bei seinem Bedürfnis, gesellschaftspolitische Kritik zu üben: „Einerseits würde ich das gerne weiter machen, aber auf der anderen Seite kann ich mich bei meiner Vergangenheit der letzten Jahre nicht hinstellen und den Besserwisser geben. Da hat mein Leben leider einen Knacks bekommen, den ich auf absehbare Zeit auch nicht loswerde.“ Ganz nach dem Motto: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Der Bayern-Präsident bedauert diesen Umstand sehr und würde gerne gesellschaftskritischer agieren: „Ich finde das schade, denn gerade jetzt, wo die Welt aus den Fugen gerät, bräuchte es mehr Leute, die ohne Rücksicht auf die eigene Person den Finger in die Wunde legen.“

Eine Erklärung, warum die Menschen überhaupt seine Meinung gerne hören würden, liefert Hoeneß problemlos: „Ich glaube, die Popularität, die Streitbarkeit, aber auch die Ablehnung mir gegenüber hat auch damit zu tun, dass ich nie gekuscht habe, nie mit meiner Meinung hinterm Berg hielt.“

Video: Satire: Die besten Apps für Uli Hoeneß

Video: Glomex

Immer wieder aktuell: Uli Hoeneß' explosivste Attacken

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