Bremen hofft noch auf den Klassenerhalt

Werder-Kult-Fan Zeigler: „Acht Bayern-Meisterschaften in Folge wünscht sich niemand, der ...“

Arnd Zeigler.
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Arnd Zeigler.

Werder kämpft noch um den Klassenerhalt, während Bayern beim Match in Bremen Meister werden kann. Arnd Zeigler spricht über die FCB-Dominanz und ein besonderes Foto von ihm im Bayern-Dress.

  • Der FC Bayern München kann am Dienstag Meister werden.
  • Der Tabellenführer tritt beim abstiegsbedrohten SV Werder Bremen an.
  • Kult-Fan Arnd Zeigler hofft noch auf den Klassenerhalt und verrät, warum er manchmal mit einem FC-Bayern-Foto erpresst wird.

Herr Zeigler, Werder hat den Klassenerhalt nach dem 5:1 gegen Paderborn wieder selbst in der Hand. Wie ist die Stimmung in Klub und Stadt?

Zeigler: Das Spiel in Paderborn war eines, das der ganzen Stadt wochenlang gefehlt hat. Es hat Glauben an den Klassenerhalt zurückgebracht, denn schon vorher dachte man: Die Mannschaft ist blockiert, sie muss zu so etwas eigentlich fähig sein. Personell ist sie nämlich nicht so schlecht, dass sie auf Platz 17 stehen muss. Paderborn ist ähnlich abstiegsbedroht gewesen und man konnte sehen, dass Werder gegen so ein Team spielerisch doch deutlich überlegen ist. Für mich persönlich war das ein Endspiel. Ich habe gehofft, dass der Knoten platzt und sich der Abstand auf Düsseldorf verringert. Das hat zum Glück geklappt. Es war eigentlich das perfekte Spiel, das dem Verein und der ganzen Stadt die Hoffnung gibt, dass Werder den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen kann.

Klassenerhalt für Werder Bremen? „Das wäre ein Riesen-Erfolg“

Noch liegt Bremen aufgrund des Torverhältnisses hinter Düsseldorf, Mainz ist drei Punkte entfernt. Was ist noch drin?

Zeigler: Die drei Abstiegskandidaten spielen jetzt gegen die ersten Drei – Bremen gegen Bayern, Düsseldorf gegen Leipzig und Mainz gegen Dortmund – und werden sich unter der Woche wohl nicht so weit voneinander entfernen. Dann haben wir noch zwei Spiele und Werder fährt mit ganz viel Rückenwind nach Mainz. Nach der Corona-Pause sind die Karten ganz neu gemischt worden, Bremen steht in der Tabelle aus den Partien nach der Unterbrechung auf Platz sechs. Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Mannschaft den Arsch aufreißt, um die Sache hinzubiegen. Wenn sie das noch schafft, nachdem alle schon die Totenmesse auf Werder gehalten haben, ist das für einen Werder-Fan wie ein Titelgewinn. Das wäre ein Riesen-Erfolg nach einer völlig verkorksten Saison, die natürlich aufgearbeitet werden muss.

Werder hat nur eines der 15 Heimspiele gewonnen. Was läuft zuhause falsch?

Zeigler: Die Heimbilanz ist schlimm und unerklärlich. Meine Lehre aus den Spielen nach der Corona-Pause ist aber, dass es jetzt eigentlich keine Heimspiele mehr gibt. Es ist natürlich trotzdem seltsam, dass Werder jetzt viele Auswärtsspiele gewinnt und zuhause weiter Probleme hat. Die Heimspiele sind für mich von der Atmosphäre aber nur noch wie Testspiele auf neutralem Platz.

Arnd Zeigler als Stadionsprecher zur Corona-Zeit: „Es ist ganz komisch“

Wie erleben Sie als Stadionsprecher die Geisterspiele?

Zeigler: Es ist ganz komisch. Normalerweise interagiere ich als Stadionsprecher viel mit den Zuschauern und muss schauen, wie die Stimmung ist und wie die Zuschauer auf meine Ansagen reagieren. Jetzt bin ich da und sorge für einen akustischen Rahmen. Ich glaube nach Rücksprache mit Trainer und Mannschaft, dass es darum geht, dass die Spieler auf dem Platz so viel Normalität haben, wie es nur geht. Dem Spiel auf dem Rasen tut es gut, wenn es zumindest ein bisschen nach Bundesliga klingt. Dann haben die Spieler vielleicht auch nicht das Gefühl, komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu spielen. Ich freue mich nicht annähernd so sehr auf die Heimspiele, als wenn Zuschauer zugelassen wären, aber so langsam tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Es ist wirklich ein Notfall, ohne Fans zu spielen, aber ich finde es nach wie vor richtig, dass wieder gespielt wird.

Sie bezeichneten Florian Kohfeldt vor dem Hinspiel als Glücksfall. Hat sich an Ihrer Einschätzung etwas geändert?

Zeigler: Daran hat sich nichts geändert. Daran hätte sich nur dann etwas geändert, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass die Spieler von ihm abrücken. Wenn ein Trainer zur Diskussion gestellt wird, ist es ein großer Unterschied, ob nur die Medien das tun oder auch von den Spielern solche Signale kommen. In Bremen ist es nach wie vor so, dass sich die Spieler mit leuchtenden Augen für den Trainer einsetzen. Für mich ist es ein sehr starkes Zeichen, dass die Werder-Profis immer noch der Meinung sind, wenn dann mit Florian Kohfeldt aus dem Keller herauszukommen. Das reicht mir als Information. Ich habe auch weiter das Gefühl, dass er sich nicht abnutzt und gute Antworten auf die sportlichen Fragen hat. Die Dinge, die zu dieser Tabellenkonstellation geführt haben, hat er als Trainer zwar zu verantworten, aber er konnte nicht für alles etwas. Es sind viele Dinge zusammengekommen, da wäre auch ein anderer Trainer nicht erfolgreicher gewesen. Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass Trainer zu schnell gefeuert werden.

Bayern-Dominanz: „Das hat ein bisschen was von Dynamo Berlin früher in der DDR-Oberliga“

In München hat es ganz gut geklappt, unter Hansi Flick könnte die achte Meisterschaft in Serie eingefahren werden.

Zeigler: Wenn die Bayern Meister werden, haben sie das verdient und ich werde natürlich gratulieren. Wenn sie das dummerweise in Bremen schaffen, werde ich mich aber natürlich auch über Werders Heimniederlage ärgern. Acht Bayern-Meisterschaften in Folge wünscht sich niemand, der nicht militanter Bayern-Fan ist. Das hat ein bisschen was von Dynamo Berlin früher in der DDR-Oberliga, wobei das damals sportlich nicht ganz sauber zustande gekommen ist. Und das ist bei den Bayern natürlich grundlegend anders. Wir alle haben noch das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends im Kopf, als Bremen, Wolfsburg und Stuttgart Meister geworden sind. Da wusste man, dass die Bayern an einem guten Tag zu packen sind. Im Moment hast du als Gegner aber das Gefühl, dass du dich auf den Kopf stellen kannst und sie trotzdem nicht stoppst. Wenn die Bayern Spieler wie Gnabry oder Martinez von der Bank bringen können, kommst du dagegen als Mittelklasse-Verein der Bundesliga einfach nicht an. Otto Rehhagel hat mal gesagt: Geld schießt keine Tore. Der FC Bayern ist inzwischen der Gegenbeweis.

Auch Sie haben eine Bayern-Vergangenheit. Es gibt ein Kinderfoto von Ihnen aus dem Olympiastadion – mit FCB-Fahne in der Hand. Was hat es damit auf sich?

Arnd Zeigler als Bayern-Fan in der Jugend.

Zeigler: Das war 1975 und ich neun Jahre alt. Damals, ein Jahr nach dem deutschen Weltmeistertitel, bin ich als Fußballfan so richtig durchgestartet. Im Finale der WM standen sechs Bayern-Spieler in der deutschen Elf – und ich in meinen Anfängen als Fußballfan habe die Weltmeister alle verehrt. Ein Jahr nach dem Finale war ich mit meinen Eltern auf dem Weg in den Tirol-Urlaub, wir haben Station in München gemacht. Ich wollte unbedingt in den Olympiapark, der mich übrigens bis heute fasziniert. Dieses Gewimmel bei gutem Wetter, auf den Olympiaturm fahren und runtergucken: Das war das Größte für mich. Ich habe dann jemanden mit einer Bayern-Fahne vorbeigehen sehen und habe meiner Mutter gesagt: 'So eine will ich auch haben.' Sie hat meinen Wunsch erfüllt und während einer Stadionführung (damals spielte der FCB im Olympiastadion und noch nicht in der Allianz Arena, d. Red.) ist dann dieses Foto entstanden. Heute wird manchmal gerne damit gedroht, mich mit diesem Bild zu erpressen.

Das Gespräch führte Jonas Austermann

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