Die Giftpfeile fliegen wieder

Hoeneß und Lemke haben "würdige" Nachfolger

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Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer gehör mittlerweile zur "Abteilung Attacke".

Hamburg - Sportlich trennen sie mittlerweile Welten, aber die alte Rivalität der Führungsetagen ist zurückgekehrt. Und wird am Samstag den einstigen Nord-Süd-Gipfel zwischen Werder Bremen und Bayern München prägen

Uli Hoeneß und Willi Lemke haben „würdige“ Nachfolger: Sportlich scheinen die Fronten wie schon über Jahre hinweg geklärt, aber seit Puckgate fliegen zwischen Bayern München und Werder Bremen wieder Giftpfeile statt Wattebäuschchen hin und her. Wie bereits vor mehr als 30 Jahren, als die Manager Hoeneß und Lemke ihre herzliche Abneigung in regelmäßigen Abständen förmlich zelebrierten.

Auf dem Platz ist der einstige Erzrivale des deutschen Rekordmeisters längst ins Hintertreffen geraten, zumindest verbal messen sich die Hanseaten aber wieder mit den Bayern. Dass Münchens Sportvorstand Matthias Sammer seinem Bremer Kollegen Thomas Eichin wegen dessen Kritik an übertriebener Schiedsrichter-Ehrfurcht vor dem Tabellenführer unterstellte, von einem Puck getroffen worden zu sein, konterte der frühere Eishockey-Manager betont gelassen.

„Ich habe tatsächlich schon mal einen Puck an den Kopf bekommen. Und unser Doc hat bestätigt, dass da Folgeschäden entstehen können“, formulierte Eichin süffisant. Nicht kommentieren wollte der 48-Jährige, dass ihm Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, wegen illegaler Einfuhr von Luxusuhren vorbestraft, nahelegte, sich für seine Äußerungen „in die Ecke zu stellen und zu schämen.“

Dass die Bayern so dünnhäutig auf eine Kritik reagierten, die nicht mal ihnen selbst galt, wertet man bei den Norddeutschen vor der Partie am Samstag (15.30 Uhr bei uns im Live-Ticker) als Zeichen von leichter Nervosität. Zwar haben sich die Grün-Weißen mit nunmehr 33 Punkten aus dem Abstiegskampf erst einmal verabschiedet, doch zuletzt setzte es gegen die Münchner ein Debakel nach dem anderen. Der Horror in Zahlen: 0:6, 2:5, 0:7, 1:6.

Skripnik hält nichts von Sprüchen

„Mit irgendwelchen Sprüchen beschäftige ich mich nicht, aber wir wollen uns mit Mut und Begeisterung gegen eine Top-Mannschaft präsentieren. Niemand erwartet, dass wir gewinnen, wir haben also nichts zu verlieren“, sagte Trainer Viktor Skripnik, der erstmals als Coach auf die übermächtig scheinenden Gäste trifft.

Und auch Mannschaftskapitän Clemens Fritz, der selbst noch bei Bremer Siegen in der Münchner WM-Arena auf dem Rasen stand, verspricht den Fans einen couragierten Auftritt: „Wir können selbstbewusst auftreten, das haben wir uns in den vergangenen Wochen erarbeitet.“ In der Rückrunde immerhin sammelte der Außenseiter 16 Zähler, genauso viele wie die Gäste.

Beiden Teams wird Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer genau auf die Füße schauen. Der einstige FIFA-Referee, der wegen des Erreichens der Altersgrenze seine Karriere im Sommer beenden muss, soll mit all' seiner Routine dafür sorgen, dass die Emotionen nicht überschwappen.

Ein fairer Verlauf würde vielleicht sogar den Versöhnungsversuch befeuern, den das heutige Aufsichtsratsmitglied Lemke bereits im Februar initiiert hatte. In Richtung seines Erzfeindes Hoeneß sagte der 68-Jährige im kicker: „Ich würde ihm die Hand reichen. Wir sind beide nicht mehr 25, da sind die Jahre gezählt.“ Auch ganz ohne fliegende Eishockey-Pucks...

SID

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