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Ex-Bayern-Trainer tritt in ZDF-Talk vernichtend gegen FCB nach: „Das ist eine Abart von Fußball!“

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Bei „Markus Lanz“ rechnet Felix Magath mit seinem Ex-Verein ab.
Bei „Markus Lanz“ rechnet Felix Magath mit seinem Ex-Verein ab. © Screenshot / ZDF-Mediathek

„Markus Lanz“ blickt mit seinen Gästen kritisch auf den Zustand des Fußball-Geschäfts. Ein ehemaliger Bayern-Trainer hält dem knallharten Realismus entgegen.

„Markus Lanz“ steht am Mittwochabend im Anschluss an die ZDF-Champions-League-Highlights im Zeichen des Fußballs. Talkmaster Markus Lanz begrüßt zur 45-minütigen Ausgabe seiner Sendung die Journalistin Cathrin Gilbert, sowie die beiden ehemaligen Fußball-Profis, -Trainer und -Funktionäre Felix Magath, der auch mal den FC Bayern trainierte, und Ewald Lienen. Der Gastgeber interessiert sich zu Beginn für den englischen Club Newcastle United, der seit rund einem Monat in Besitz eines milliardenschweren saudi-arabischen Investment-Fonds ist. Felix Magath schickt seine Einschätzung vorweg: „Es wird halt nur einmal wieder deutlich, dass es nur noch ums Geld geht und nicht mehr um den Sport. Ich denke, diese Entwicklung hat schon lange angefangen.“

Lienen mutmaßt, die saudischen Investoren wollen mit der Investition ihr Image aufbessern und bezeichnet das als „Sports-Washing“. Dass ein solches Investment finanziell Sinn macht, kann sich Lienen nur über Bande erklären: „Das Einzige, was ich mir auf einer ökonomischen Basis vorstellen kann, ist, dass sie natürlich dort im Nahen Osten jetzt langsam feststellen, dass das karbone Zeitalter zu Ende geht, dass man über fossile Brennstoffe, die sie ja letztlich verkaufen, irgendwann mal nicht mehr weiterkommt. Und wir sehen ja in Sachen Katar, in Sachen Vereinigte Arabische Emirate und wahrscheinlich auch in Sachen Saudi-Arabien, dass hier in Europa investiert wird. Man übernimmt Anteile von VW, von allen möglichen großen Firmen, man steigt in Paris ein. Das heißt, es geht auch vielleicht um Sicherung von Geld, um Investition, weil es da vor Ort eigentlich nicht weitergeht.“

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Auch Moderator Lanz glaubt nicht, dass bei all den „obszönen Summen“, die im Spiel seien, ein ökonomischer Gewinn entstehen könne. „Worum geht es dann in Wahrheit? Geht es um das Image, geht um das Sports-Washing, von dem wir gerade sprechen?“, fragt er Magath. Der will nicht alle über einen Kamm scheren und meint, „dass es halt viele verschiedene Ambitionen gibt, warum jemand so was macht. Sie können ja den Herrn Hopp in Hoffenheim überhaupt nicht vergleichen mit irgendjemand, der in England investiert.“ Magath sieht jedoch die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs gefährdet, wenn sich Deutschland der Entwicklung verweigere: „Wenn wir in Deutschland international mitmischen wollen. Wenn wir dabei bleiben wollen bei den Besten, dann werden wir nicht drum herumkommen, dann auch mehr Geld in die Vereine zu investieren.“

Lanz wechselt auf die politische Ebene, zählt die Verbrechen des saudischen Regimes auf und fragt Lienen, ob es sein dürfe, dass man sich von einem solchen Schurkenstaat kaufen lasse. Der bedauert, dass sich die Fans und die Gesellschaft erst dann für moralische Fragen interessierten, sobald es um den Fußball gehe: „Wir könnten jeden Tag darüber berichten, wo und mit wem man Geschäfte macht, obwohl dort irrsinnige Menschenrechtsverletzungen passieren. Wir brauchen nur nach China zu schauen, was dort alles passiert. Niemand will auf diesen Markt verzichten.“

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Magath versteht dagegen die Aufregung nicht: „Wir bedienen uns jetzt des Fußballs und kritisieren jemanden. Ich meine, damit machen wir es uns zu einfach. Weil wir machen ja alle mit. Sie machen mit, sie schreibt darüber, Ewald ist im Geschäft, ich war im Geschäft, also wir alle leben doch von dem Geschäft. Das ganze Geschäft ist Fußball. Und da gehört natürlich alles mit dazu. Und jetzt jemand herauszugreifen und den in die Ecke zu stellen und der ist jetzt ganz übel, also das halte ich für -“ Magath fallen schulterzuckend keine weiteren Worte ein, Lanz hilft: „Also Sie halten das für keinen besonderen Fall?“ Magath zuckt kopfschüttelnd mit den Schultern: „Nein.“

Lanz reagiert verdutzt und fragt den ehemaligen Meistertrainer, wie er dazu stehe, dass die kommende WM in Katar ausgetragen werde, „würden Sie auch sagen: Das ist ein ganz normaler Austragungsort für eine Fußball-Weltmeisterschaft?“ „Das habe ich doch nicht gesagt“, wehrt sich Magath, um allerdings seinen Punkt zu unterstreichen: „Aber wir akzeptieren doch alle Katar. Oder haben Sie gehört, dass der DFB gesagt hat: Nein, mit Katar wollen wir nichts zu tun haben, da gehen wir nicht hin. Haben die das gesagt? Katar findet statt. Und wir gehen auch hin. Also über was reden wir denn?“

Der Moderator findet, das sei „kein Argument“ und sagt: „Also ich gehe da nicht hin, Sie gehen da auch nicht hin und ob der DFB dahin geht oder nicht, das könnte man doch im Zweifel auch entscheiden. Man könnte doch auch von der anderen Seite kommen und sagen: Wir setzen jetzt mal ein Signal. Wir sagen an dem Punkt, das geht uns zu weit.“ Magath reagiert erneut mit nüchternem Realismus: „Hat nicht gerade der DFB einen Werbevertrag mit Qatar Airways oder so etwas abgeschlossen?“

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Gastgeber Lanz findet, Europäer entkräften ihr Engagement für die Menschenrechte durch die Teilnahme an der Katar-WM: „Glaubt Ihr an all das? Und wenn Ihr daran glaubt, dann müssen sie sich die Frage gefallen lassen: Warum spielt Ihr dieses Spiel dann mit? Da haben Sie ja Recht“, schließt er in Richtung Magath. „Ja natürlich habe ich Recht“, antwortet der lachend. „Ich war ja selbst mal Betroffener“, fügt Magath an und berichtet von seinem Engagement beim VfL Wolfsburg, bei dem Volkswagen das Sagen hat. VW habe ihn vor den Olympischen Spielen 2008 darum gebeten, das Olympische Feuer auf dem Weg von Athen nach Peking für einen Streckenabschnitt zu tragen.

„Ganz naiv“ habe er das gemacht, schließlich habe sein Arbeitgeber ihn darum gebeten. Als er zurückgekommen sei, hätten Journalisten mit ihm sprechen wollen: „Auf welche Idee ich komme, die Fackel dahin zu tragen. Kann denn die Olympiade in China überhaupt stattfinden, bei den Menschenrechtsverletzungen, die da passieren? Wissen Sie, so Dinge dann herzunehmen, einen Teil herauszugreifen und den dann an den Pranger zu stellen. Davon bin ich kein Freund, da mache ich nicht mit.“ Ewald Lienen ist optimistischer, er will die Plattform nutzen, die der Sport bietet: „Ich glaube, dass gerade der Fußball die Chance bietet, den Finger in die Wunde zu legen. Aber nicht nur für den Fußball, sondern für das, was wir insgesamt machen.“

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Magath hält dieser Chance erneut die Realität entgegen: „Aber das ist doch das, was sich im Fußball entwickelt hat. Es geht nur noch ums Geld. Und Sie gucken doch alle nur noch nach Bayern München. Aber Bayern München ist nicht Fußball! Das ist eine Abart von Fußball! Weil die sich die Besten zusammenkaufen. Da ist nichts entwickelt, da ist nichts zusammengefügt.“ Talkmaster Lanz reagiert überrascht, sein Eindruck sei, dass Bayern der falsche Adressat für Kritik wegen nicht vorhandener Nachwuchsarbeit sei. Darüber amüsieren sich Magath und Lienen schmunzelnd, Journalistin Gilbert meint: „Also Bayern kauft immer denjenigen, der in der vergangenen Saison die meisten Tore gegen sie geschossen hat oder sie am meisten geärgert hat, der spielt in der nächsten Saison bei Bayern München.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Die „Markus Lanz“-Runde blickt am Mittwochabend auf die saudi-arabische Übernahme des englischen Fußballclubs Newcastle United. Dadurch entsteht eine intensive Diskussion über Geld und Moral im Sport und der Gesellschaft. Die ehemaligen Profis und Funktionäre Felix Magath und Ewald Lienen dominieren das Gespräch, die Journalistin Cathrin Gilbert berichtet von den Vorgängen in England und kommentiert die Diskussion ergänzend. Von Hermann Racke

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