Worauf Guardiola jetzt achten muss

Nach Traumstart: Die drei (Schein-)Probleme des FC Bayern

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Pep Guardiola kennt sicherlich die Brennpunkte beim FC Bayern.

München - Drei Spiele, neun Punkte - der FC Bayern ist mit der Maximalausbeute in die Saison gestartet. Alles Friede, Freude, Eierkuchen also beim Rekordmeister? Wir nehmen die Situation unter die Lupe.

Den Hamburger SV mit 5:0 aus der Arena geschossen, in Hoffenheim große Moral bewiesen und etwas glücklich in Unterzahl das 2:1 in der Nachspielzeit erzielt, Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen mit einer grandiosen Leistung 3:0 vorgeführt - macht in der Endabrechnung neun Punkte, 10:1 Tore und Platz 2 in der Bundesliga nach drei Spieltagen. Viel besser hätte es für den FC Bayern nicht laufen können in der noch jungen Saison.

Grund, sich zurückzulehnen, hat der deutsche Rekordmeister allerdings nicht. Denn bekanntlich begeht man im Erfolg die größten Fehler. Für Nachlässigkeiten sind die Verantwortlichen an der Säbener Straße zwar generell nicht bekannt, dennoch gibt es drei Bereiche, in denen Vorsicht geboten ist und die sich im Laufe der Saison noch als Bumerang erweisen könnten.

1. Fehlende Innenverteidiger

Dante wechselte nach Wolfsburg.

Am vergangenen Samstag gegen Leverkusen stand Trainer Pep Guardiola nur ein echter Innenverteidiger zur Verfügung: Dante. Doch den Brasilianer hat man inzwischen zum VfL Wolfsburg abgegeben. Bleiben Jerome Boateng, der gegen Bayer eine Gelb-Rot-Sperre absaß, und Medhi Benatia, der (mal wieder) unter einer Muskelverletzung leidet. Javi Martinez trainiert zwar wieder mit Ball, seine Rückkehr als echte Option für die Innenverteidigung ist aber ebenso wenig absehbar wie die von Pechvogel Holger Badstuber. Somit herrscht auf der zentralen Position in der Abwehrkette Personalmangel. Das Transferfenster ist seit Montagabend, 18 Uhr, geschlossen, nachlegen kann FCB-Sportvorstand Matthias Sammer also nicht mehr. Der hatte allerdings bereits letzte Woche erklärt, dass ihn die Innenverteidiger-Situation nicht beunruhige. Coach Guardiola überraschte gegen Leverkusen dann auch mit einer Aufstellung gänzlich ohne gelernte Abwehrspieler in der Zentrale. Xabi Alonso und David Alaba füllten diese Rolle aus, mit Philipp Lahm und Juan Bernat auf den Außen neben sich. Dante schmorte in seinem letzten Spiel für die Roten fast 75 Minuten auf der Bank.

Will Guardiola also künftig immer eine Elf ohne Innenverteidiger auflaufen lassen? Erfolgversprechend ist eine solche Variante eigentlich nur, wenn der FC Bayern (wie so oft) deutlich mehr Ballbesitz hat als der Gegner. Doch gerät man, beispielsweise in der Champions League, auch mal unter Druck und fängt sich nach hohen Bällen eventuell ein entscheidendes Kopfballgegentor, könnten die kritischen Rufe nach gestandenen Abwehrspielern im Zentrum schnell lauter werden.

Fazit: Betrachtet man sich die Champions-League-Sieger der vergangenen fünf Jahre - und nur das kann der Maßstab für den FC Bayern sein -, fällt auf, dass die Titelträger jeweils Weltklasse-Innenverteidiger aufgeboten hatten. Guardiola scheint hier Risiko zu gehen - ein Unterfangen, das im Misserfolgsfall sicherlich nach hinten losgeht.

2. Arjen Robben und der stille Hang zum "Divatum"

Arjen Robben (l.) und Douglas Costa sind nicht immer einer Meinung.

Dass der Bayern-Kader eine Ansammlung von Weltstars ist, geht als Tautologie durch. Doch selbst für Weltstars gibt es eine Steigerung: der Superstar. Als solcher gilt Arjen Robben ohne Zweifel - der Niederländer war der überragende Bayern-Spieler der vergangenen zwei bis drei Jahre. Allüren sind dem 31-Jährigen zwar weitgehend fremd, doch wenn es mal nicht so läuft oder ein anderer ihm die Show stiehlt, kann Robben auch mal ungemütlich werden. Das wurde vergangenen Samstag anhand zweier Szenen deutlich.
Douglas Costa, wie eine Granate eingeschlagener Neuzugang von Schachtjor Donezk, überlupfte seinen Gegenspieler per Zaubertrick und wurde daraufhin arg vom Platzhirsch gerüffelt. "Das ist schön, das ist Zirkus und super für das Publikum. Das hat aber auch zwei Seiten. Man muss ein bisschen aufpassen und immer den Gegner respektieren. Deshalb ist so etwas zweifelhaft", kommentierte Robben säuerlich die Aktion des aufstrebenden Konkurrenten. Stutenbissigkeit unter Dribbelkünstlern? Oder doch nur ein gut gemeinter Ratschlag an den Neuling, um ihn vor Verletzungen durch frustrierte und um sich tretende Gegenspieler zu schützen, wie Robben hinterher zurückruderte?

Die zweite Aktion betraf den zweiten Elfmeter, den die Bayern gegen Leverkusen zugesprochen bekamen. Thomas Müller hatte nach seinem Führungstor den ersten Strafstoß sicher zum 2:0 verwandelt und hätte einen Hattrick schaffen können, überließ die Kugel aber Robben, der dadurch sein erstes Saisontor erzielte. "Bayern München ist ein Haifischbecken. Da muss man den anderen auch mal einen Fisch hinwerfen", erklärte Müller seine Großzügigkeit nach dem Schlusspfiff bei Sky. Er sei Teamplayer und wolle, "dass die Stimmung gut bleibt", fügte er schmunzelnd an. Man darf allerdings davon ausgehen, dass mehr als nur ein Funken Witz in der Aussage enthalten ist. Zumal auch Sportvorstand Sammer vor einigen Tagen bereits angemahnt hatte, aufkeimende Egoismen bereits im Keim zu ersticken: "Neben der individuellen Qualität brauchst du den Teamspirit."

Fazit: Guardiola muss aufpassen und seine Welt- und Superstars bei Laune halten. Solange er auf mannschaftsinterne Unterstützung von Leuten wie Müller wie letzten Samstag zählen kann, wird ihm das auch gelingen.

3. Mit Wolfsburg und Dortmund gibt es starke Konkurrenz

Thomas Tuchel hat dem BVB neues Leben eingehaucht.

Trotz dreier Siege in drei Spielen grüßt der FC Bayern mal ausnahmsweise nicht von der Tabellenspitze. Denn Borussia Dortmund hat ebenfalls eine makellos weiße Weste und darüber hinaus das bessere Torverhältnis vorzuweisen. Der BVB scheint im Jahr eins nach Jürgen Klopp wieder zu einem ernsthaften Rivalen zu werden. Unter Thomas Tuchel spielen die Schwarzgelben taktisch leicht verändert, zudem haben Profis wie Shinji Kagawa und Henrikh Mkhitaryan ihre Spielfreude neu entdeckt, Leistungsträger wie Mats Hummels zu alter Fitness und Stärke zurückgefunden. Acht Pflichtspiele hat der Meister von 2012 bereits absolviert und dabei acht Siege eingefahren. In Dortmund träumen sie nach der Seuchensaison 2014/15 schon wieder von neuen sportlichen Erfolgen.

Zudem hat der VfL Wolfsburg, amtierender DFB-Pokalsieger und deutscher Vizemeister, mit sieben von neun möglichen Punkten ebenfalls einen guten Start hingelegt. Zwar verlor der VW-Klub in Kevin de Bruyne seinen wohl besten Spieler. Doch vergangenen Freitag deutete der VfL beim 3:0 über Schalke bereits an, zu was er auch ohne den jungen Belgier fähig ist. Die Mannschaft ist gewachsen, verfügt über hohe Qualität und in Dieter Hecking einen ruhig und sachlich arbeitenden Trainer, der die Mannschaft kontinuierlich weiterentwickelt hat. Zudem ist durch de Bruynes Transfermillionen der ohnehin schon ausladende Geldbeutel der "Wölfe" noch voller geworden, mit Julian Draxler von Schalke wurde kurz vor Toreschluss prominenter Ersatz verpflichtet.

Immerhin ist sich der FC Bayern dieser Gefahr bewusst. "Ich habe Dortmund schon immer als Hauptkonkurrent gesehen. Sie haben letztes Jahr eine extrem schwache Hinrunde gespielt und waren dann weg vom Titelkampf. Aber ich habe den BVB immer auf dem Zettel", sagt etwa Thomas Müller und schließt auch den VfL Wolfsburg in den Kreis der ärgsten Konkurrenten mit ein.

Fazit: Eigentlich kann sich der FC Bayern nur selbst schlagen. Die Antwort, wie stark die Konkurrenz wirklich ist, wird sich (auch) in den direkten Duellen zeigen. Am 3. Oktober reist der BVB in die Allianz Arena. Der VfL tritt schon am 22. September in München an und misst sich Ende Oktober im DFB-Pokal in Wolfsburg ein weiteres Mal mit dem deutschen Rekordmeister. Danach wird die Fußballwelt ein Stück weit schlauer sein.

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