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Nagelsmann über Moment „größter Nervosität“: „Da sitzen natürlich Weltstars vor dir“

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Von: Marcus Giebel

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Julian Nagelsmann steckt sich einige Finger in den Mund und pfeift
Alles hört auf sein Kommando: Julian Nagelsmann hat die Weltstars vom FC Bayern im Griff. © Sven Hoppe/dpa

In seinem ersten Jahr als Trainer des FC Bayern greift Julian Nagelsmann nach dem großen Double. Den Grundstein hat er in einem für ihn „sehr, sehr bedeutenden Moment“ gelegt.

München – Der erste Eindruck ist bekanntlich immer der wichtigste. Gleich in den ersten Minuten oder sogar Sekunden einer neuen Bekanntschaft entscheidet sich oftmals, ob die gegenseitige Beziehung von Sympathie oder doch eher Abneigung geprägt ist. Nun geht es für einen Trainer nicht in erster Linie darum, in seiner Mannschaft Freundschaften zu schließen, sondern die Gruppe zu packen und die einzelnen Mitglieder für seinen Weg zu begeistern.

Wie wichtig das erste Zusammentreffen mit dem Team ist, wusste natürlich auch Julian Nagelsmann, als er seinen Vertrag beim FC Bayern unterzeichnete. Mit der TSG Hoffenheim und RB Leipzig führte er zwar schon zwei aufstrebende Bundesliga-Klubs an und zu Achtungserfolgen. Ohne diese Engagements hätte der gebürtige Oberbayer allerdings das Angebot aus München kaum bekommen.

FC Bayern: Nagelsmann über erstes Zusammentreffen mit Weltstars um Lewandowski und Neuer

Eben dieses Angebot privilegiert ihn nun dazu, mit Spielern zusammenarbeiten zu können, die zu den besten ihres Fachs zählen. Wie Robert Lewandowski, Manuel Neuer, Thomas Müller oder Joshua Kimmich. Und auch die musste er eben von sich, seinen Fähigkeiten und seinem Plan überzeugen, als er sie das erste Mal an der Säbener Straße zusammentrommelte.

„Die erste Ansprache in der Kabine ist eigentlich der Punkt, wo die für mich größte Nervosität liegt. Weil es schon ein sehr, sehr bedeutender Moment ist“, unterstrich Nagelsmann im „FC Bayern Podcast“ die Bedeutung des ersten Eindrucks.

Julian Nagelsmann (l.) und Robert Lewandowski schütteln die Hände
Abklatschen mit dem größten Star im Team: Julian Nagelsmann (l.) genießt auch die Zusammenarbeit mit Robert Lewandowski. © Stefan Matzke/sampics

FC Bayern und Nagelsmann: Erste Ansprache vor gesamtem Kader im Auditorium

Wie also verlief sein erstes Aufeinandertreffen mit dem mit Weltstars gespickten Kader? Kleiner Spoiler: Auch wenn es nicht in der Kabine der Allianz Arena stattfand, trieben ihn doch diverse Gedanken um. „Irgendwann als der ganze Kader komplett war, habe ich oben im Auditorium die erste Ansprache gemacht“, verwies Nagelsmann auf die besondere Ausgangslage, dass die Profis wegen der internationalen Turniere im Sommer erst nach und nach zurückgekehrt waren.

„Das war schon ein besonderer Moment, weil natürlich Weltstars wie Lewy, wie Manu, wie Thomas auf einmal vor dir sitzen. Wo du dich natürlich erstmal fragst: Wie reagieren die auf dich?“, fügte der 34-Jährige hinzu: „Du hast noch keinen Titel gewonnen, bist noch ein sehr junger Trainer, zwar schon erfahren, mit vielen Jahren auf dem Buckel, (…). Wie reagieren die auch körpersprachlich darauf, was du sagst?“

Nagelsmann beim FC Bayern: Trainer setzt auf „kurze und prägnante Worte“

Zuvor hatte Nagelsmann schon erklärt, dass auch unerwartete Gesten und Mienen einzelner Spieler die Ansprache erschweren, den Redner aus dem Konzept bringen könnten. Er selbst spreche zwar grundsätzlich frei, mache sich aber stets Notizen, um auch keinen wichtigen Punkt zu vergessen und für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.

Es gehe darum, „inhaltliche Dinge vermitteln“ und „in kurzen und prägnanten Worten den Spielern (zu) vermitteln, wo du hinwillst in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren“. Nicht zu vergessen: Auch der Profi ist ein Mensch mit Gefühlen. Daher: „Natürlich ihnen auch ein gewisses Wärmegefühl zu geben, wo sie sich wohlfühlen können und performen können.“

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Nagelsmann über erste Ansprache beim FC Bayern: „Spieler haben mich super aufgenommen“

Aber zurück zum konkreten Termin im Auditorium. Nagelsmann scheint genau die richtigen Worte gefunden zu haben. Oder aber die Spieler wollten ihrem neuen Coach den Einstand so einfach wie möglich machen. Wahrscheinlich kam sogar beides zusammen.

Jedenfalls berichtete Nagelsmann weiter: „Das war von Beginn an extrem herzlich und die Spieler haben mich super aufgenommen. Waren sofort Feuer und Flamme, ganz Ohr, haben gelauscht, wollten wissen, was die Inhalte sind.“ Und dann folgte ein Satz, der auch als Seitenhieb auf die vorigen Arbeitgeber interpretiert werden kann – auch wenn er womöglich gar nicht so gemeint war: „Es gab keine Anlaufschwierigkeiten – wie im gesamten Klub, das war schon sehr außergewöhnlich.“

Nagelsmann und die erste Ansprache beim FC Bayern: „Viele Dinge genau so machen wie bei anderen Vereinen“

Bemerkenswert fand der junge, aber keineswegs unerfahrene Trainer, „dass man sehr viele Dinge genau so machen kann, wie bei anderen Vereinen auch. Das ist ganz interessant, dass man sich vorher vielleicht viele Gedanken macht, was muss man vielleicht alles ändern und was sind besondere Maßnahmen, auch mit den Weltstars umzugehen.“

Denn es zeigte sich: Auch die ganz großen Namen haben die gleichen Bedürfnisse wie alle Profi-Kicker. Sie wollen der Perfektion so nahe wie möglich kommen und als Mannschaft erfolgreich sein.

FC Bayern mit Nagelsmann: „Stars wollen manchmal sogar mehr Videositzungen“

„Am Ende sind die dann doch in der Qualität unterschiedlich zu den Spielern, die du vielleicht vorher hattest, aber in der Art und Weise, wie du mit ihnen umgehen musst, nicht“, staunte Nagelsmann: „Die wollen genau so viele Gespräche haben, wollen auch die gleiche Anzahl von Videositzungen – manchmal sogar mehr.“

Fleiß und Lernbereitschaft haben ja noch nie geschadet. Und so scheint die Zusammenarbeit für Deutschlands Trainer des Jahres 2017 eine echte Wonne zu sein: „Du hast das Gefühl: Eigentlich können sie alles, aber sie wollen immer noch mehr wissen, detaillierter wissen, genauer wissen.“

Dieses zusätzliche Wissen zu vermitteln, liegt in den Händen von Nagelsmann. Beim Rückblick auf das erste Dreivierteljahr beim Rekordmeister scheint ihm das ganz ordentlich gelungen zu sein. (mg)

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