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FC Bayern: Wackelt Nagelsmann schon? Kahn reagiert unmissverständlich auf Aussagen des Trainers

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Von: Marcus Giebel

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Oliver Kahn (l.) und Julian Nagelsmann sitzen auf der Bank
Für Julian Nagelsmann (r.) ist es noch lange nicht Zeit zu gehen: FCB-Vorstandsboss Oliver Kahn glaubt an einen Umschwung unter dem Trainer. © IMAGO / MIS

Beim FC Bayern läuft es derzeit nicht rund. Julian Nagelsmann zeigt sich selbstkritisch. Auch Vorstandsboss Oliver Kahn kündigt Gespräche an. Der Trainer hat bei ihm aber ein Stein im Brett.

München - Es hätte wahrlich bessere Tage für den obligatorischen Wiesn-Besuch des FC Bayern gegeben. Am zweiten Tag des 187. Oktoberfestes schleppten sich die Spieler und Verantwortlichen des Rekordmeisters samt Anhang auf die Theresienwiese, um ein paar gemeinsame Stunden im Käferzelt zu verbringen. Der Himmel sandte bei herbstlichen Temperaturen nasse Grüße aus den Wolken. Die Laune war nach der ersten Saisonpleite, dem 0:1 beim FC Augsburg, nur einen Tag zuvor ohnehin verhagelt.

Da dürfte es vielen Stars der Roten schwergefallen sein, die Mundwinkel für die lauernden Fotografen vor dem Zelt nach oben zu ziehen. Doch den Planern waren wegen der anstehenden Länderspielpause weitgehend die Hände gebunden, erst am letzten Wiesn-Wochenende hätten die Bayern wieder gemeinsam im Zelt feiern können – allerdings hat die UEFA bereits für den folgenden Dienstag das Champions-League-Heimspiel gegen Viktoria Pilsen terminiert.

FC Bayern auf der Wiesn: Kahn findet reagiert auf Nagelsmanns Aussagen in Augsburg

Etwas Gutes hatte die Stippvisite an diesem Sonntag dann auch für die Bayern: Sie kamen nach den sich aneinanderreihenden Enttäuschungen in der Bundesliga – seit vier Spielen sind die Münchner hier sieglos – auf andere Gedanken. Obendrein konnten die Bosse in aller Öffentlichkeit Klartext sprechen. Zum einen Dampf ablassen, aber womöglich auch etwas den Druck vom Kessel nehmen, schließlich bietet sich die erste Möglichkeit auf Wiedergutmachung erst am 30. September mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen.

So nutzte Oliver Kahn die Gelegenheit, um einer Personaldiskussion bereits in ihrer Frühphase den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der um Trainer Julian Nagelsmann. Auf der Pressekonferenz in Augsburg hatte der 35-Jährige sichtlich konsterniert betont, auch sich selbst hinterfragen zu wollen. Mit weiteren Aussagen nährte der bis 2026 gebundene Coach sogar Spekulationen, er könnte selbst hinschmeißen - quasi beim ersten echten Gegenwind.

Video: Beim FC Bayern brennt es - „Fassungslos und bedröppelt“

Kahn stützt Nagelsmann: „Beschäftigen uns nicht mit irgendwelchen anderen Trainern“

Vom Vorstandsboss gab es nun Rückendeckung. „Dass er sich Gedanken um die Situation macht, ist ja vollkommen klar. Wir haben vier Spiele in Folge nicht gewonnen“, betonte Kahn und wurde deutlicher: „Wir sind alle unzufrieden und übel gelaunt. Wir beschäftigen uns nicht mit irgendwelchen Personalien oder anderen Trainern. Wir sind von Julian total überzeugt.“

In den nächsten zwei Wochen ohne Pflichtspiel ­- der einzigen Verschnaufpause während der Terminhatz bis zur WM in Katar - will Kahn mit seinen Kollegen aus der Chefetage „alles mal in Ruhe anschauen, analysieren und viele Gespräche führen“. Sicher auch mit Nagelsmann. Der aber weiter fest im Sattel sitzt. Wohl auch, weil er sich so sehr mit dem FC Bayern identifiziert, wie von allen Trainern in den vergangenen zehn Jahren allenfalls noch Jupp Heynckes.

FC Bayern in der Bundesliga: Kahn bemängelt „letzte Konsequenz und Konzentration“

Kritischer geht Kahn mit den Leistungen der Mannschaft ins Gericht. Die fallen zwar im Normalfall auch auf den Trainer zurück. In diesem Fall moniert der ehemalige Weltklasse-Keeper aber eher die Ein- als die taktische Aufstellung: „Wir erarbeiten uns eine Fülle von Möglichkeiten, aber machen viel zu wenig Tore daraus. Immer wieder fehlt es an letzter Konsequenz und an der nötigen Konzentration. Dem müssen wir auf den Grund gehen.“ Auffällig: Dies gilt nur für die Bundesliga, in der Königsklasse etwa gelang gegen einen sogar leicht überlegenen FC Barcelona ein 2:0.

Was der „Titan“ vermutet: Die lockeren Siege im August könnten ihren Anteil an der aktuellen Misere haben. „Am Anfang der Saison ging alles locker und leicht. Vielleicht hat sich bei dem einen oder anderen der Glaube eingenistet, man könnte die Bundesliga mal nebenbei machen, aber das ist nicht der Fall“, warnt Kahn. Dabei dürfte er durchaus an die zehn nacheinander eingefahrenen Meisterschaften gedacht haben, die vielleicht auch eine falsche Sicherheit in manchem Spielerkopf ausgelöst haben.

Julian Nagelsmann (l.) und Oliver Kahn mit Frauen auf der Wiesn
Der Tisch der Bosse: Beim Wiesn-Besuch des FC Bayern passten zwischen Trainer Julian Nagelsmann (l.) und Vorstandsboss Oliver Kahn nur deren Partnerinnen. © IMAGO / MIS

Kahn setzt auf Nagelsmann: „Werden in die Erfolgsspur zurückfinden“

Damit sollte es spätestens jetzt vorbei sein, denn: „Wenn wir nicht Tabellenführer sind, ist die Situation immer prekär.“ Das werden auch die Neu-Bayern wie Sadio Mané oder Matthijs de Ligt bereits gemerkt haben. Nun müssen sie aber die richtige Reaktion zeigen.

Bereits die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der FC Bayern gerade dann besonders stark ist, wenn er nicht nur aus dem Tritt, sondern sogar ins Taumeln zu geraten scheint. Und so beschließt auch Kahn seine Ausführungen mit einem positiven Gefühl: „Ich bin davon überzeugt, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückfinden werden.“ Mit Nagelsmann. Aber das brauchte der Klub-Boss nach den vorherigen Aussagen nicht noch einmal zu betonen. (mg)

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