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Kahns düsteres Szenario: „Haben dramatisch an Boden verloren“

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Von: Andreas Knobloch

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Oliver Kahn FC Bayern München
Oliver Kahn warnt die Bundesliga davor, international weiter nur hinterherzulaufen. © IMAGO/Markus Fischer

Der FC Bayern München dominiert die Bundesliga, Borussia Dortmund wird nur Zweiter. Warum das so ist, erklären Oliver Kahn und Michael Zorc.

München - Deutscher Meister wird nur der FCB, oder? Das singen zumindest die Fans in der Allianz Arena seit zehn Jahren mit einer Leichtigkeit, weil es der Wahrheit entspricht. „Zehn Mal hintereinander deutscher Meister zu werden, ist ein monumentaler Erfolg, einmalig in Europas Top-Ligen. Es ist unser Ziel, auch nächste Saison eine Mannschaft zu haben, die in der Champions League ganz vorne mitspielen kann, damit werden wir automatisch wieder Favorit auf den deutschen Meistertitel sein“, sagt FC-Bayern-Boss Oliver Kahn in der Samstagsausgabe (7. Mai) der Süddeutschen Zeitung.

Kahn ist sich aber auch bewusst, dass die Bundesliga nicht mehr der jährliche Mai-Thriller ist, wie früher einmal. „Natürlich weiß ich, dass sich alle Nicht-Bayern-Fans mehr Spannung im Kampf um die Meisterschaft wünschen. Doch für die Spannung muss die Konkurrenz sorgen. Vereine wie Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Bayer Leverkusen werden alles daransetzen, uns von Platz eins zu verdrängen – und wir werden alles daransetzen, damit ihnen das nicht gelingt“, so der Ex-Keeper.

FC Bayern München: Oliver Kahn hat nichts gegen Spannung, „aber am Ende mit Bayern als Meister“

„Wir haben nichts gegen ein Titelrennen mit viel Spannung. Im Gegenteil. Aber am Ende mit einem deutschen Meister FC Bayern!“, hofft Kahn. BVBs Sportdirektor Michael Zorc, der mittlerweile jährlich die Verfolgertruppe anführt, gibt der SZ Auskunft darüber, warum der FC Bayern so dominant Jahr für Jahr am Marienplatz feiert.

„Jeder macht Fehler. Natürlich auch wir. Aber ich glaube nicht, dass das so gravierende Fehler waren, dass wir deshalb sozusagen selbst schuld wären, dass wir die Bayern jetzt zehnmal nicht aufhalten konnten. Wenn man gegen die Bayern Meister werden will – mit dieser herausragenden Generation, mit Neuer, Lewandowski, Müller, und mit 285 Millionen Euro mehr Umsatz – dann müssten die Bayern, bildlich gesprochen, ihren Wagen schon auch mal selbst in die Leitplanke setzen. Aber den Gefallen haben sie uns nie getan“, sagt Zorc.

Wir haben nichts gegen ein Titelrennen mit viel Spannung. Aber am Ende mit einem deutschen Meister FC Bayern

Oliver Kahn, Süddeutsche Zeitung, 7. Mai 2022

FC Bayern und Dortmund hinken international leicht hinterher: „Haben dramatisch an Boden verloren“

Eigene Fehler müssen ausgebessert werden, gleichzeitig müsse der FC Bayern schludern. Klingt nach einem Plan, bei dem Borussia Dortmund selbst nicht viel in der Hand hat. Oliver Kahn zieht aus den Folgen der Bundesliga-Spannung folgendes Urteil: „Mehr Top-Stars in der Liga, Spannung an der Spitze, das hilft beim Verkauf der TV-Rechte im In- und Ausland. Und genau hier haben wir zuletzt dramatisch an Boden verloren. Wir arbeiten gerne zusammen mit der Deutschen Fußball Liga an Lösungen, wie die deutschen Spitzenklubs auch in der Champions League den Anschluss halten können.“

Der FC Bayern schied als letzter verbliebener, deutscher Klub in der Königsklasse gegen Villarreal bereits im Viertelfinale aus. Einem eigentlich mittelguten Verein aus Spanien, der um Platz sieben mitspielt. Was bedeutet das für die Bundesliga? „Ohne Erfolge in der Champions League wird die gesamte Bundesliga in der Vermarktung weiter an Boden verlieren, und das wird dann letztendlich alle Vereine betreffen“, so Kahn.

International schied Borussia Dortmund in der Gruppenphase der Champions League aus und scheiterte im Anschluss in der Europa League am späteren Finalisten Glasgow Rangers. Doch in Dortmund zählt der nationale Titel in der Bundesliga alles. Seit der Saison 2011/2012 warten die Gelben auf die Schale. Für Zorc werden einige Aspekte nicht genügend geachtet: „Wir waren mindestens zweimal nah dran. Einmal im ersten Jahr von Thomas Tuchel bei uns, dann im ersten Jahr von Lucien Favre. Viele sehen nicht, dass vor allem die direkten Duelle in den letzten Jahren den Ausschlag gegeben haben. Dieses Jahr haben wir zwölf Punkte Rückstand. Hätten wir beide direkten Spiele gegen die Bayern gewonnen, statt beide zu verlieren, stünden wir gleichauf. Wir müssen es in den direkten Duellen wieder besser machen!“.

Es ist ein Nachteil, wenn man ständig mit der Erwartungshaltung zu tun hat, dass wir als BVB gefälligst die Bayern zu stoppen hätten.

Michael Zorc, Sportdirektor Borussia Dortmund, Süddeutsche Zeitung 7. Mai

Und er wünscht sich, dass ein weiteres Thema noch mehr im Vordergrund steht. „Es mag komisch klingen, aber es ist ein Nachteil, wenn man ständig mit der Erwartungshaltung zu tun hat, dass wir als BVB doch gefälligst die Bayern zu stoppen hätten“, so der Sportdirektor in der Süddeutschen Zeitung, der von großen Vorwürfen absieht.

„Wir haben unseren Job gemacht, ja, wir machen auch mal Fehler, werden aber meistens Zweiter – und trotzdem wird dir an allen Ecken suggeriert, du wärst gescheitert. Das ist eine Falle, in die wir uns haben manövrieren lassen. Ich finde, das haben wir nicht verdient“, fügt Zorc an, der vor allem mit dem Geld argumentiert: „Der finanzielle Abstand zwischen den Bayern und uns ist größer als der von uns zu Greuther Fürth. Das wird mir in den Medien zu wenig beachtet.“ Vielleicht kann der BVB mit den Neuzugängen Niklas Süle und Nico Schlotterbeck die Lücke weiter schließen. (ank)

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