Die tz traf den ältesten FCB-Fan

Er ist Bayerns Fan Nummer eins

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Otto Schwab (100) ist seit seiner Schulzeit Fan der Bayern.

München - Otto Schwab (100) ist das Mitglied Nummer eins des FC Bayern. Er fieberte schon mit den Roten mit, als sie noch nicht die unumstrittene Nummer eins in der Stadt waren. Am Samstag wird er wieder live im Stadion dabei sein.

Wenn man sich mit Otto Schwab unterhält, dann kommt es einem fast so vor, als wäre der FC Bayern vor ein paar Tagen zum ersten Mal Deutscher Meister geworden.

Tatsächlich war das vor knapp 83 Jahren schon der Fall, doch Schwab hat den ersten Titelgewinn der Münchner heute noch genau vor Augen. „Ich habe am Radio mitgefiebert, es war einfach wunderbar“, erinnert sich Schwab an den 2:0-Triumph der Roten 1932 in Nürnberg gegen Frankfurt.

Er ist zwar nicht das einzige Mitglied des FC Bayern, das sich an diesen Moment noch erinnern kann, aber dennoch ein besonderes: Otto Schwab ist Mitglied Nummer eins des Rekordmeisters – und am 20. März 100 Jahre alt geworden. „Bayern-Fan war ich schon, als ich noch in den Kinderschuhen steckte“, verrät Schwab, als ihn die tz anlässlich seines Geburtstages besuchte.

Schwab in jungen Jahren beim Fußballspielen.

Er fieberte schon mit den Roten mit, als sie noch nicht die unumstrittene Nummer eins der Stadt waren. Als der Deutsche Meister nicht die Schale, sondern die Viktoria erhielt. Und so ist auch sein Zimmer im Münchenstift gestaltet. FCB-Luftballons an der Tür, Titelposter an der Wand – 100 Jahre Leidenschaft für den Rekordmeister.

Seit knapp neun Jahren lebt Schwab nun im Altenheim, auf eigenen Wunsch. Ins Stadion schafft er es aber auch heute noch ab und an. In all den vielen Jahren hat er viele Gesichter beim FC Bayern gesehen.

 „Ich kannte Willi O. Hoffmann ganz gut (FCBPräsident von 1979-1985, Anm. d. Red.), auch Hans Schiefele (Vizepräsident von 1987-2002, Anm. d. Red.). Der war ein Spezl von mir“, berichtet der 100-Jährige, der natürlich auch längst Ehrenmitglied bei seinem Verein ist.

Seitdem wurde er zu Endspielen in den Pokalwettbewerben vom Klub immer eingeladen und erlebte den CL-Triumph 2001 in Mailand sogar live mit. Doch seit ein paar Jahren sitzt Schwab nach einem Schlaganfall im Rollstuhl.

„Der FC Bayern hätte ihn auch weiter immer eingeladen. Aber das wollten wir dann nicht mehr“, erklärt sein Sohn Manfred und dankte dem FCB für diesen „großen Zug“. So ist Schwab meist an sein Zimmer im Seniorenheim gebunden, aber alle zwei Wochen nimmt er doch wieder Reißaus – wenn es in die Allianz Arena geht.

Eine Dauerkarte hat Schwab seit einer gefühlten Ewigkeit, vor ein paar Jahren wechselte er von der Ehrentribüne auf die Rollstuhlplätze. „Jeden Spieler kennt er heute nicht mehr“, verrät Manfred, „aber trotzdem freut er sich jedes Mal aufs Neue, wenn es ins Stadion geht.“

Gegen Frankfurt wird das Mitglied Nummer eins natürlich wieder da sein, diesmal soll Schwab persönlich im Stadion begrüßt werden. Das wievielte Spiel er live verfolgt, weiß er nicht mehr. Doch in seinen 100 Jahren hat er viele Geschichten mit dem FC Bayern erlebt, der tz hat er einige davon erzählt:

Ein Leben durch zehn Dekaden: Otto Schwab wurde 1915 geboren, ein Jahr nach Beginn des Ersten Weltkrieges. In der Schulzeit wurde er zum Bayernfan, begleitete den Verein durch seine Höhen und Tiefen.

Erste Meisterschaft

"Da war ich 17 Jahre alt. Was war ich vor dem Finale aufgeregt. Viele Zuschauer haben sich ja sogar mit dem Radl auf den Weg nach Nürnberg gemacht. Ich habe das Spiel im Radio gehört. Mit ein paar Buben saßen wir beisammen und haben mitgefiebert. Auf dem Rückweg aus Nürnberg kam die Mannschaft auch in Vilshofen vorbei. Da war ich am Bahnhof und habe den Spielern zugejubelt. Diesen Moment habe ich nie vergessen."

Die Nachkriegszeit

"Während des Krieges wurde ich eingezogen, aber bin immer Mitglied des FCB geblieben. 1947 habe ich dann wieder das FCB-Trikot getragen. Allerdings nur noch bei den Alten Herren. Von 1934-38 habe ich bei der zweiten Mannschaft das Tor gehütet und habe meinen Kasten so oft es ging sauber gehalten. Das war auch später noch so. Mit einigen meiner Mitspieler habe ich wieder zusammen gespielt, doch nicht mit allen. Manche sind im Krieg gefallen, das hat uns alle damals sehr traurig gemacht."

Verpasster Bundesliga-Aufstieg

"Das war eine harte Zeit, doch wir waren leidensfähig. Ein Jahr zuvor haben wir den Sprung in die neu geschaffene Bundesliga verpasst, weil unser Lokalrivale als Meister vorgezogen wurde. In dieser Saison fehlte am Ende nur ein Punkt, aber Franz Beckenbauer machte sein erstes Spiel für den FC Bayern. Ein Jahr darauf war es endlich so weit: 1965 stiegen wir auf. Mit Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller. Unser Idol damals war der Franz. Ein ganz feiner Kerl aus einem netten Elternhaus."

Allianz Arena

"Was habe ich mich auf dieses Stadion gefreut. Ich habe das Grünwalder, dann das Olympiastadion und jetzt die Allianz Arena erlebt. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Es ist das schönste Stadion, das der FC Bayern je hatte. Im Grünwalder waren wir immer so eingepfercht und mussten drei Stunden vorher da sein, um einen Platz zu bekommen. Das Olympiastadion war dann eine echte Steigerung, doch auf Dauer auch nicht mehr so toll. Da saß man immer so weit weg. Die Arena jetzt ist wunderbar."

Mitgliedschaft beim FCB

"Ich bin damals als Beamtenanwärter zur Stadt München gekommen. Mein Chef war der Herr Billner, ein großer Fan vom FC Bayern. Er war sogar schon Mitglied beim FCB und über ihn bin ich es am 15. August 1934 dann auch geworden. Anhänger der Roten war ich ja schon von Kind auf, auch in Vilshofen gab es damals schon viele Bayern- Fans. Einen Mitgliedsausweis wie heute gab es noch nicht. Es gab einen Stempel und einen Eintrag ins Vereinsregister. Leider sind während des Zweiten Weltkriegs viele meiner FCB-Erinnerungen zerstört worden."

Darum ist Schwab die Nummer eins

Das Prozedere ist ganz einfach: Möchte man Mitglied werden beim FC Bayern, bekommt man die nächste laufende Nummer – mittlerweile irgendwo in den 250.000ern! Mit jedem neuen Jahr der Mitgliedschaft ändert sich allerdings auch die Mitgliedsnummer, da man durch Austritte und Todesfälle weiter vorrückt.

Otto Schwab ist so zum Mitglied Nummer eins geworden, mit nun 100 Jahren. Sein Sohn Manfred kümmert sich neben den Pflegern im Heim um den Edel-Fan, natürlich auch, wenn es mal wieder zum Fußball geht.

Otto Schwab sagt selbst: „Früher bin ich jeden zweiten Sonntag mit meinem Sohn ins Stadion gefahren – das hatte schon Tradition. Meine Frau hat gekocht, und nach dem Essen sind wir aus Allach mit dem Zug zum Hauptbahnhof und dann mit der Straßenbahn ins Stadion.“

Heute kann er mit Lahm, Ribéry & Co. die großen Triple-Rekordspieler sehen. Er, der Rekordfan des FCB.

Sven Westerschulze

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