Kritik am Verein

Paul Breitner im Interview: „Wie Kovac behandelt wurde, war eines FC Bayern unwürdig!“

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Paul Breitner.

Weltmeister und Bayern-Legende Paul Breitner (67) spricht in einem ausführlichen Interview über Titel, Trainer und fehlendes Niveau. Dabei erklärt er, wie wertvoll diese Meisterschaft für ihn ist.   

München - Paul Breitner spricht beim Thema Fußball und FC Bayern gern Klartext. In einem großen Interview spricht er über das FC Bayern Sieger-Gen, Niko Kovac und das Niveau in der Bundesliga. 

Herr Breitner, die Bayern haben seit 2016 wieder das Double gewonnen. Wie bewerten Sie die Saison?

Paul Breitner (67): Wissen Sie, das mit dem Pokal interessiert mich eigentlich relativ wenig. Weil ich weiß, dass der Pokal beim FC Bayern immer nur dann wichtig war und ist, wenn sonst nichts Größeres gewonnen wurde.

Ist das Double nichts Größeres?

Breitner: Ach, die Rangfolge ist doch klar: Champions League, danach die Meisterschaft und dann kommt lange nix! Es wird immer gesagt, und da ist auch etwas dran, dass der wichtigste Titel die Meisterschaft ist – aber die Situation hat sich in den letzten Jahren verändert.

Wie meinen Sie das?

Breitner: Jeder geht doch blind davon aus, dass die Meisterschaft eine gmahde Wiesn ist. Darum galt und gilt nach wie vor die größte Konzentration der Champions League. Und wenn es da nix ist – noch dazu wenn man im Achtelfinale ausscheidet – muss man natürlich den Pokal und somit das Double hochjubeln. Den Gewinn der Meisterschaft habe ich aber schon mit sehr viel Genugtuung gesehen.

Weil die Dortmunder noch abgefangen wurden?

Breitner: Das war wieder ein Beweis dafür, dass es nur beim FC Bayern das absolute Sieger-Gen gibt. Das Gen nämlich, das Gegner und Neider seit Jahrzehnten als Dusel bezeichnen. Gleichzeitig aber nicht kapieren, was beim FCB passiert ist: Dass über die Jahre etwas entstanden ist, das es schafft, eine Saison zu drehen, die im Herbst und im Februar bereits verloren war. Deswegen ist diese Meisterschaft für mich wertvoller als irgendein lockerer Durchmarsch.

Wie haben Sie die Diskussionen um Niko Kovac erlebt? Haben es die Medien aufgebauscht oder…

Breitner: …Nein, Nein! Ich zähle zu den Leuten, die den Medien nicht immer die Schuld an allem geben. Ihr müsst ja einen Grund haben, weshalb ihr euch mit einer Thematik im Positiven oder im Negativen beschäftigt. Nur: Wie Niko Kovac in der Rückrunde behandelt wurde, war eines FC Bayern unwürdig!

Warum?

Breitner: Ich kenne wenige in diesem Geschäft, die so integer, so positiv, so freundlich, so höflich und kooperativ sind wie der Niko. Ein wunderbarer Mensch, übrigens genauso wie sein Bruder. Darum hat es mir wehgetan, wie mit ihm gespielt wurde. Anscheinend gab es schon mit seiner Verpflichtung Zweifel an ihm und da hätte ich dann erwartet, dass man zu Niko klipp und klar sagt: Pass auf! Entweder du gewinnst die Champions League oder du fliegst! Das wäre die Einstellung gewesen, mit der ein dann logisches Auftreten in Verbindung gebracht worden wäre.

Und wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft?

Breitner: Schauen Sie, es muss doch jeder gewusst haben, dass die Übernahme des FC Bayern für Niko Neuland war. Dazu bedarf es also einer gewissen Anlaufzeit. Entweder ich gebe sie ihm oder ich gebe sie ihm nicht und hole mir gleich einen Trainer mit großem Namen, von dem ich sage: Der hat einen großen Namen, da machen wir die Augen zu und der wird das schon machen. Es war ja immer vom Umbruch der Mannschaft die Rede. Dazu hat man auch einen Trainer geholt, der zu diesem Umbruch gehört. Und der eben zum ersten Mal in seiner Karriere in der Situation war, dass man von ihm die Meisterschaft und die Champions League erwartet hat.

„Jeder Trainer hat in jedem Kader Freunde und Gegner“

Die Spieler sollen nach wie vor nicht komplett von Kovac überzeugt sein.

Breitner: Bitte schön, das ist doch ganz normal! Als ehemaliger Spieler weiß ich doch ganz genau, dass jeder Trainer in jedem Kader Freunde und Gegner hat. Dass es immer wieder einen Teil des Kaders gibt, der dem Trainer nicht so gewogen ist – vor allem diejenigen, die nicht so viel Spielzeit bekommen – das ist doch in jedem Klub der Fall. Lasse ich den Trainer mit dieser Mannschaft den Umbruch vollziehen, dann dauert das eben ein Jahr. In diesem Jahr muss nämlich auch erst der Trainer den FC Bayern lernen. Und anschließend kann ich sagen: So, jetzt starte ich durch – oder ich lasse es bleiben.

Sie sprechen den Umbruch an: Die Bayern müssen ab sofort ohne Franck Ribéry und Arjen Robben auskommen.

Breitner: Da ist für mich ein perfekter Übergang mit Serge Gnabry und Kingsley Coman geschaffen worden. Coman war für mich der Spieler der Saison, mein neuer Liebling. Mittlerweile macht er nämlich auch Tore. Was passiert ohne Ribéry und Robben? Das Thema existiert nicht! Beide sind schon ersetzt worden.

Wundert Sie es, dass sich vor allem ein Spieler wie Gnabry so schnell dem Münchner Niveau angepasst hat?

Breitner: Das Schöne ist ja, und das haben wir an Gnabry und auch an Leon Goretzka gesehen: Jeder, der von einem anderen Bundesliga-Verein zum FC Bayern wechselt, ist ab dem ersten Training sofort bis zu 20 Prozent besser. Weil einfach die Umgebung, das Umfeld und die Mitspieler in der Summe so viel Prozent besser sind.

Trotzdem muss man auch als FC Bayern den Transferwahnsinn mitmachen und aus dem Ausland einen Abwehrspieler für 80 Millionen Euro holen.

Breitner: So wie sich die Situation im Abwehrzentrum entwickelt hat, vor allem mit Jerome Boateng, war es zwingend notwendig. Ganz eindeutig. Es gab ja Jahrzehnte, in denen man gesagt hat: Die Abwehrspieler schnitzen wir uns, aber das ist nicht so (lacht). Vor allem wird heutzutage ja teilweise nur mit zwei Innenverteidigern und zwei Außenverteidigern gespielt, die allerdings verkappte Mittelfeldspieler sind. Und da brauchst du vor allem im Hinblick auf deine internationale Rolle einfach das Beste, was der Markt hergibt.

Jubelnde Bayern in Berlin: „Der Pokal war immer nur dann wichtig, wenn sonst nichts Größeres gewonnen wurde“

Zum Abschluss: Wie lautet Ihr Fazit zur abgelaufenen Bundesliga-Saison? Der Titelkampf war bis zuletzt spannend – und sonst?

Breitner: Moment, Moment! Der spannende Titelkampf ist nur entstanden, weil der FC Bayern streckenweise eine Saison gespielt hat, die nicht der Leistungsfähigkeit der Mannschaft entsprochen hat. So, das heißt: Dieser Zweikampf ist nicht durch die vermeintliche Stärke von Borussia Dortmund entstanden, sondern durch die wochenlange Schwäche des FCB. Und dieser Zweikampf hat mit dem Rest der Liga nichts zu tun!

„In der Bundesliga denkt man sich teilweise, dass das Spiel in Zeitlupe läuft“

Inwiefern?

Breitner: Wir müssen feststellen, dass das Niveau in der Bundesliga in den vergangenen zwei, drei Jahren gesunken ist. Schauen Sie doch nach England: So, wie der FC Liverpool oder Manchester City da vorne marschieren, so machen das dort auch die Vereine auf Platz neun oder zehn. Das ist streckenweise eine andere Art Fußball, die in England im Vergleich zu Deutschland gespielt wird. In der Bundesliga denkt man sich teilweise, dass das Spiel in Zeitlupe läuft. Dabei wird in England wochenlang jeden dritten Tag gespielt. Ich hoffe, dass sich in der Bundesliga sowohl Trainer, Spieler als auch Verantwortliche der Klubs drei Scheiben abschneiden, was man über 90 Minuten alles leisten kann.

Interview: Manuel Bonke


Paul Breitner ist beim FC Bayern jetzt kein gern gesehener Gast mehr. In einem Interview verrät er, wie der Streit mit Uli Hoeneß wirklich begann.

Schon vor dem Bundesligastart nahm sich Paul Breitner im ausführlichen Interview den deutschen Fußball zur Brust.

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