"Ich bin gespannt"

Breitner sieht Boateng als Weltfußballer

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Paul Breitner (l.) nimmt den Preis für Manuel Neuer in die FifaPro Top XI entgegen.

München - Paul Breitner, Markenbotschafter des FC Bayern, spricht in der tz über die Wahl des Weltfußballers und die Chance für die Münchner Spieler. Er erklärt die Probleme der Premier League.

Herr Breitner, zum achten Mal in Folge heißt der Weltfußballer Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo...

Breitner: Und ich bin überzeugt davon, dass es in den nächsten Jahren auch so weitergehen wird.

Warum?

Breitner: Weil sich die Verantwortlichen der Wahl noch nicht die Frage gestellt haben: Wer oder was ist ein Fußballer? Zählen dazu auch Torhüter und Abwehrspieler, oder gibt es nach deren Verständnis Fußballer erst ab dem kreativen Mittelfeld? Wenn sich diese Frage niemand stellt, werden Ronaldo und Messi die Ehrung bis zu ihren Karriereenden unter sich aus machen. Vielleicht kommt noch Neymar dazu, wenn seine Entwicklung nicht stagniert.

Also zählt der Unterhaltungswert mehr als die sportliche Leistung?

Breitner: Es sollte nicht um Marketing gehen. So lange die Wahl unter dem Gesichtspunkt verkauft wird, dass der beste Spieler Weltfußballer werden soll, darf die Vermarktung keine Rolle spielen. Auch nicht einzig das Talent. Dann müsste jedes Jahr Lionel Messi gewinnen, weil er der begnadetste Fußballer auf unserem Planeten ist. Nein, es muss darum gehen, wer über das gesamte Jahr gesehen der Beste auf dem Platz war.

Breitner: Wahl des Weltfußballers ist vorhersehbar

Dann hätten die FCB-Stars bessere Chancen.

Breitner: Manuel Neuer hätte schon in den vergangenen drei Jahren, in denen er jeweils Welttorwart geworden ist, mindestens einmal Weltfußballer werden müssen – weil er sich durch überragende Leistungen von seinen Konkurrenten abgehoben und Titel gewonnen hat. Aber wie gesagt: Bei der Wahl beginnt die Definition eines Fußballers wohl erst in der Kreativabteilung im Mittelfeld. Das meine ich ganz wertfrei. Dann können in Zukunft einfach fünf Offensivspieler zur Abstimmung gestellt werden, statt so eine aufwändige Wahl zu inszenieren. Das wäre glaubwürdiger. Gucken Sie sich doch die Sieger der letzten 15, 20 Jahre an.

Bis auf Italiens Abwehrchef Fabio Cannavaro 2006 waren es immer Offensivspieler.

Breitner: Genau, nur ein einziges Mal nicht. Und 2006 wurde nicht der weltbeste Fußballer gewählt. Die Ehrung war eine Hommage an Weltmeister Italien und seinen Kapitän. Und mit ein bisschen Konsequenz wäre logisch gewesen, 2014 einen Spieler aus unserer Weltmeister-Mannschaft zum Weltfußballer zu machen. Da hätten wir genügend gehabt.

An wen denken Sie?

Breitner: An Neuer, an Thomas Müller. Und vor allem an Philipp Lahm. Ebenso wie Cannavaro 2006 hätte Philipp die Auszeichnung für sein Lebenswerk verdient gehabt, wie man so schön sagt. Das wäre konsequent gewesen, und man hätte sich ein bisschen von Messi und Ronaldo befreien können – ohne deren Klasse infrage stellen zu wollen.

Bis zu Lahms Karriere­ende 2018 sind die beiden aber noch aktiv. Welcher FCB-Spieler kommt denn für die Ära nach Messi und Ronaldo in­frage?

Breitner: Zum Beispiel Jerome Boateng. Er ist jetzt schon einer der besten, vielleicht der beste Innenverteidiger der Welt. Wenn er noch den ein oder anderen Schritt in seiner Entwicklung macht und seine Kontrahenten deutlich überragt, bin ich gespannt, ob man bereit ist, das zu honorieren. Thomas Müller kommt ebenso infrage. Und auch David Alaba. Der Junge hat Österreich fast im Alleingang zur EURO geführt.

Breitner: "Peps Abgang spielt doch keine Rolle"

Den Spielern selbst sind die Titel mit dem FCB ohnehin wichtiger, als persönliche Auszeichnungen. Glauben Sie, dass der Abschied von Pep Guardiola sie in der Rückrunde beeinflussen wird?

Breitner: Nein, das spielt doch keine Rolle. Jeder Spieler, der zu uns kommt, hat gewisse Dinge sofort zu verinnerlichen. Dazu zählt auch, dass die Entlassung oder der Abschied eines Trainers keine Ausrede sein kann. Denn weder an den eigenen Ansprüchen der Spieler noch an ihren Aufgaben ändert sich dadurch etwas. Die haben sie in erster Linie für sich selbst und den Klub zu erledigen, nicht für den Trainer.

In der Vergangenheit war der FCB (zu) oft abhängig von Arjen Robben und Franck Ribéry. Jetzt offenkundig nicht mehr.

Breitner: Das kann man so nicht sagen. Es gab beim FC Bayern immer Phasen, in denen die Mannschaft von einzelnen Spielern abhängig war. In meinen ersten Jahren als Spieler waren wir von Franz Beckenbauer und Gerd Müller abhängig. Später haben Karl-Heinz Rummenigge und ich die Mannschaft geführt. Danach kam die Zeit von Lothar Matthäus, später war es Stefan Effenberg. Eine Spitzenmannschaft wird immer von ihren Top­leuten abhängig sein. Nehmen Sie Messi und Neymar bei Barcelona weg oder Ronaldo bei Real. Dann sind das immer noch sehr gute, aber keine Topmannschaften mehr. Uns ist es gelungen, mehrere Spieler verpflichtet zu haben, die dem Leistungsniveau von Arjen und Franck sehr, sehr nahe kommen. Vor zwei, drei Jahren klaffte da vielleicht noch ein Loch, das ist jetzt geschlossen. Das war seit Jahren das Ziel, jetzt haben wir es geschafft – im Gegensatz zu den Vereinen aus der Premier League.

Breitner: "Peps Entscheidung kommentiere ich nicht"

Wie meinen Sie das?

Breitner: Egal, wie viele Milliarden die Engländer haben – es wird unheimlich schwer für sie, den Anschluss zu uns, Real und Barça zu finden. Spieler, die so überragend sind, um sie in diese Sphären zu stoßen, bekommen sie derzeit nicht. Die sind alle schon bei Topmannschaften unter Vertrag. Es wird mindestens drei, vier Jahre dauern, bis neue, junge Spieler in die Spitzengruppe der besten 15 bis 20 Fußballer stößt. Erst dann hat die Premier League die Chance wieder dahinzukommen, wo sie vor einigen Jahren mal war.

Pep zieht es trotzdem dorthin...

Breitner: Das ist seine Entscheidung, die möchte ich nicht kommentieren.

Die Verplichtung von Carlo Ancelotti aber schon?!

Breitner: Ich freue mich auf Ancelotti. Ich habe sehr viel Positives über ihn gehört. Sei es aus Mailand oder Madrid. Er ist einer der ganz wenigen, die wunderbar zum FC Bayern passen.

Vom FCB ist es ein klares Zeichen an die (finanzkräftige) Konkurrenz, wieder einen begehrten Toptrainer verpflichtet zu haben.

Breitner: Wir haben mehr zu bieten als Geld. Wir können jeden Trainer der Welt locken, in dem wir ihm ein kleines Paradies versprechen. Es ist bekannt, wie seriös beim FC Bayern gearbeitet wird. Dazu geben wir ihm einen wunderbaren Kader an die Hand. Was gibt es für einen Trainer Schöneres?

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