Einer kennt den Bayern-Code ganz genau

Triple oder nix? Das sind mögliche Pep-Nachfolger

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Pep Guardiola wirkt in diesen Tagen nachdenklich - wie lange bleibt er noch Trainer des FC Bayern?

München - Der FC Bayern strebt nach dem erneuten Triple. Gelingt das nicht, steht wohl auch die Zukunft von Trainer Pep Guardiola in Frage. Wir haben uns vorsorglich nach potenziellen Nachfolgern umgesehen.

Die Hypothek war hoch: Nach dem Triple-Gewinn 2013 unter Jupp Heynckes übernahm Pep Guardiola als Trainer das Zepter beim FC Bayern. Mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet trat der Spanier seinen bis 2016 dotierten Vertrag an der Säbener Straße an. In seiner ersten Saison als Bayern-Coach holte Pep das Double aus Meisterschaft und Pokal, in der Champions League war allerdings nach einer desolaten Rückspielleistung gegen Real Madrid im Halbfinale Schluss.

Pep Guardiola: Für Bayern ist nur das Triple gut genug

In der aktuellen Spielzeit liegen Guardiolas Starkicker in Sachen Titelverteidigung in der Liga kurz vor der Vollendung, im Pokal ist der Rekordmeister nur noch zwei Siege vorm abermaligen Triumph entfernt. Doch in der "Königsklasse" droht nach 2014 erneut ein vorzeitiges Aus: Gegen den FC Porto, der vor der Viertelfinal-Auslosung neben dem AS Monaco als angenehmster Gegner galt, braucht der FC Bayern am Dienstagabend im Rückspiel mindestens einen 2:0-Sieg, um die 1:3-Pleite aus dem Hinspiel noch zu drehen (hier geht's zum Live-Ticker).

Doch was passiert, wenn das nicht gelingt? Schmeißt Pep dann hin? Oder verlangen die Bayern-Bosse die Trennung? Oder macht sich eine Jetzt-erst-recht-Stimmung breit? Auf der Pressekonferenz am Montag machte Guardiola einen fast schon pathetischen Eindruck, stellte immer wieder die herausragenden Leistungen seines Teams heraus, das sich auch von den vielen Verletzten und der großen Drucksituation nicht aus der Erfolgsspur werfen lasse: "Sie werden für mich Helden in meinem ganzen Leben Helden bleiben." Zudem ist sich der 44-Jährige bewusst: "Wenn du in großen Vereinen gewinnst, bist du ein Genius, ein Super-Taktiker. Wenn du verlierst, hast du viele Probleme. Nur das Triple ist gut genug in großen Vereinen wie Barcelona, Real Madrid oder Bayern."

Also Triple oder nix? Doch im Falle des Ausscheidens ist alles möglich. Falls Pep und der FC Bayern in diesem Sommer oder vielleicht erst im kommenden Jahr getrennte Wege gehen, wer wäre eigentlich ein geeigneter Kandidat auf die Nachfolge? Wir haben uns mal auf dem Trainermarkt umgesehen und stellen die wahrscheinlichsten Alternativen vor:

Lucien Favre

Lucien Favre.

Der Schweizer ist derzeit Coach von Borussia Mönchengladbach. Was ihn als möglichen Nachfolger Guardiolas auszeichnet? Er hat den Bayern-Code entschlüsselt! Als erstem Bundesliga-Trainer gelang dem 57-Jährigen in dieser Saison das Kunststück, drei Punkte aus der Münchner Arena zu entführen. Überhaupt kann sich seine Bilanz gegen den Rekordmeister sehen lassen: Von 14 Vergleichen seit seinem Antritt in Gladbach gewann Favre immerhin vier Partien gegen die Bayern, drei Mal wurden die Punkte geteilt, nur sieben Spiele verloren die "Fohlen". Als Jürgen Klopp seinen Rücktritt zum Saisonende bei Borussia Dortmund bekannt gab, galt Favre auch beim BVB als möglicher Kandidat. Er dementierte, ließ allerdings Raum für Spekulationen: "Ich kann sagen, dass ich nächstes Jahr nicht nach Dortmund gehe. Nur das. Mehr nicht." Mehr nicht? Also auch nicht, dass er kommende Saison vielleicht zum FC Bayern kommt? Favre hat bei der Borussia noch einen bis 2017 laufenden Vertrag. Außerdem versteht er sich gut mit Karl-Heinz Rummenigge - mit Bayerns Vorstandsvorsitzendem teilte sich Favre als Spieler bei Servette Genf von 1987 bis 1989 ein Zimmer.

Matthias Sammer

Matthias Sammer.

"Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah?" - in Anlehnung an einen Vierzeiler von Johann Wolfgang von Goethe könnte ein eventueller Nachfolger doch auch aus dem eigenen Stall kommen. Sammer hat derzeit noch die Position des Sportvorstands inne, kann aber auf Trainererfahrungen zurückgreifen. 2002 wurde er mit Dortmund Deutscher Meister - als jüngster Meistercoach der Bundesligageschichte. Der 47-Jährige ist seit Juli 2012 im Verein, kennt den FCB also bestens und weiß selbstverständlich auch über alle Transferaktivitäten Bescheid. Fraglich bleibt allerdings, wie die Spieler einen Wechsel Sammers aus der Vorstandsetage auf die Trainerbank bewerten würden. Sammer gilt als unbequemer Mahner, der häufig den Finger in die Wunde legt, um keine Selbstzufriedenheit zuzulassen. Ein Vorgehen, das von ihm als Klubfunktionär verlangt wird, einem Vertrauensverhältnis zu den Profis aber im Weg stehen könnte.

Jürgen Klopp

Jürgen Klopp.

Klopp und Dortmund - das galt lange als unzertrennliche Einheit. Doch der Fußballlehrer will nicht mehr, am Saisonende ist nach sieben Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit Schluss. Und natürlich schossen sofort die Spekulationen ins Kraut: Wohin zieht es Klopp? Liegt seine Zukunft in England, etwa bei Manchester City (ein Klub, bei dem übrigens auch Pep Guardiola gehandelt wird)? Oder ist der emotionale Coach mit dem attraktiven, mitreißenden Spielstil nun auch ein Kandidat für die Säbener Straße? Ex-Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld sagt: "Wenn Pep Guardiola oder der FC Bayern mal die Entscheidung treffen, sich zu trennen, wird Jürgen Klopp auch ein Thema sein. Er muss kein Empfehlungsschreiben abgeben." Dass es ein Problem zwischen Klopp und Sportvorstand Sammer geben könnte, glaubt Hitzfeld nicht, auch wenn sich die beiden in der jüngeren Vergangenheit einige verbale Scharmützel geliefert hatten. "Sammer würde mit Klopp professionell zusammenarbeiten", ist sich Hitzfeld sicher. Wie der manchmal streitbare Coach bei den roten Fans ankommen würde, steht allerdings noch einmal auf einem anderen Blatt Papier.

Arsene Wenger

Arsene Wenger.

Noch stärker als bei Klopp und Dortmund ist die Verbindung Arsene Wengers zu seinem Verein, dem FC Arsenal. Seit Herbst 1996, also seit fast 19 Jahren ist der Franzose Chef bei den "Gunners". Als Elsässer spricht er hervorragend Deutsch, eine Sprachbarriere würde es also nicht geben. Zudem konnte Wenger zuletzt beim Londoner Klub nicht mehr an die Glanzzeiten Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahren anknüpfen, geriet in die Kritik. Der 65-Jährige gilt als Mann mit hervorragendem Auge für Talente, der junge Spieler fördern und zu Weltklassespielern formen kann. Bereits vor zwei Jahren erklärte der damalige Präsident Uli Hoeneß, dass man mehrfach versucht habe, Wenger nach München zu locken. "Deutsche Spieler sind einfach top ausgebildet, sie haben eine sehr gute Einstellung und sie bringen spielerisch alles mit: Technik, Spielwitz, Kampfgeist", schwärmt der Franzose, der die Bundesliga schon in seiner Jugend verfolgt hat: "Als ich noch im Elsass gewohnt habe, habe ich jeden Samstag die Bundesliga in der 'Sportschau' angeschaut. Das war eine Art Pflichttermin." Allerdings steht Wenger bei Arsenal noch bis 2017 unter Vertrag, nach schwierigem Start in die Saison hat er inzwischen das Ruder - und auch die Stimmung gegen ihn - gedreht und liegt auf Champions-League-Kurs.

Joachim Löw

Joachim Löw.

Für den FC Bayern ist bekanntlich das Beste grade gut genug, insofern würde wohl auch ein Weltmeister-Trainer dem deutschen Vorzeigeklub gut zu Gesicht stehen. Zumal er an der Säbener Straße zahlreiche Weltmeister trainieren würde. Allerdings unterzeichnete Löw erst im März eine Verlängerung seines Kontraktes beim DFB bis zur WM 2018. Zudem befindet er sich mit der Nationalmannschaft mitten in der Qualifikation zur EM 2016. Realistisch vorstellbar ist ein Engagement beim FCB also frühestens im kommenden Sommer. Was für die Personalie Löw spricht: Mit Sammer lotste der Rekordmeister bereits 2012 einen hochrangigen DFB-Vertreter (Sammer war damals Sportdirektor) völlig überraschend nach München.

Jose Mourinho und Carlo Ancelotti

Jose Mourinho (l.) und Carlo Ancelotti.

Guardiola gilt als einer besten, wenn nicht DER beste Trainer der Welt. Wer könnte ihn also ersetzen? Natürlich fällt in diesem Zusammenhang auch immer wieder der Name von Jose Mourinho, der sich mindestens auf einer Stufe mit Pep sieht. Als Nachfolger des - möglicherweise gescheiterten - Spaniers den FC Bayern zum Triple zu führen, wäre sicherlich eine reizvolle Aufgabe für den Portugiesen. Allerdings spricht er kein Deutsch, sitzt beim FC Chelsea fest im Sattel, wird dort exorbitant gut bezahlt und hat darüberhinaus keine große Lust auf die Bundesliga, die ohnehin keine Herausforderung, sondern lediglich "ein Spaziergang für Bayern" sei. "Mou" will also nicht und würde mit seiner streitbaren Art auch nicht zum FCB passen.
Carlo Ancelotti hat bei Real Madrid bewiesen, dass er auch mit den ganz großen Stars zurecht kommt. Im vergangenen Sommer schockte er mit den Königlichen die Bayern im Champions-League-Halbfinale und reckte am Ende selbst den Henkelpott in die Höhe. Spanische Medien munkeln, dass für den Italiener am Saisonende trotzdem Schluss sein könnte in Madrid - zu wenig schillernd und extrovertiert sei der Ex-Profi den Real-Bossen. Und wie findet Ancelotti den deutschen Fußball? "Die Bundesliga ist stark gewachsen, ist auf einem Niveau wie England und Spanien. Das erklärt, warum Deutschland die WM gewonnen hat. Die Technik hat sich verbessert. Die Stimmung gefällt mir sehr gut. Bayern ist eine ganz große Mannschaft", schwärmte er Anfang des Jahres. Selbst die Sprache sieht er nicht als Problem: "Wenn es Giovanni Trapattoni gelernt hat, kann ich das auch." Sollte Ancelotti Real im Sommer tatsächlich verlassen, erscheint ein Wechsel in die englische Premier League allerdings als wahrscheinlicher.

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