Sportvorstand warnt vor Übermut

Perfektion? Sammer mahnt: "Stehen erst am Anfang"

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Matthias Sammer versucht alles, um die Spieler am Abheben zu hindern.

München - Gehen dem FC Bayern die Gegner aus? Selbst der Zweite aus der Premier League wurde mit 5:1 vom Platz gefegt. Für FCB-Sportvorstand Matthias  aber noch lange kein Grund abzuheben.

Die obligatorische Frage nach der Dopingprobe hat schon viele Spieler in Verlegenheit gebracht. Peinliches Schweigen, rumdrucksen, ironisches Grinsen – das sind die typischen Reaktionen derjenigen, die die Katakomben der Allianz Arena weit nach Mitternacht als Allerletzte verlassen, weil sie eben noch was zu erledigen hatten. Nicht so bei Thomas Müller. Denn der sagte in der Nacht zum Donnerstag: „Es lief genauso gut wie auf dem Platz. Man muss immer auf den richtigen Moment warten.“ Da merkte man mal wieder den Unterschied zwischen einem normalen Profi und diesem Mann namens Müller: Er ist halt ein wahres Showtalent.

Neben dem Spielfeld sind es die flapsigen Sprüche, auf dem Rasen jene Aktionen wie die beiden Treffer beim 5:1 gegen Arsenal, die den 26-Jährigen so besonders machen. „Er hat immer auch das Glück, dass ihm der Ball vor die Füße fällt“, sagte der frustrierte Per Mertesacker über seinen Nationalmannschaftskollegen. Andere nennen es Können. Aber egal wie: Thomas Müller hat es beim souveränen Sieg im vierten Gruppenspiel mal wieder geschafft, die Hauptrolle zu spielen. Mit seinen Champions League-Treffern 31 und 32 verdrängte er niemand Geringeren als seinen Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (30 Tore) vom zweiten Platz der erfolgreichsten Europapokalschützen des FC Bayern. „Ich habe ihn noch nicht gesehen“, sagte Müller nachts, fügte aber hämisch grinsend an: „Ich freue mich drüber, er war ja schon eine große Nummer im Weltfußball.“ Nun jagt er seinen Namensvetter Gerd (66).

Man hat inzwischen das Gefühl, als schreibe jede Partie des FC Bayern ihre eigene kleine Geschichte. Als Showtalente auf dem Rasen haben sich in dieser Saison schon viele Protagonisten bewiesen. Robert Lewandowski, der gegen Arsenal zur Führung traf, mit fünf Toren gegen Wolfsburg. Douglas Costa mit einer Rekordzahl an Vorlagen, und eben immer wieder Müller. David Alaba – am Mittwoch mit einem Treffer und vielen starken Aktionen einer der besten Nebendarsteller – riet dem Offensivspieler, die angedachten Freigetränke für alle noch mal zurück in den Kühlschrank zu stellen: „. Wir haben noch eine lange Saison. Wenn er so weitermacht, kann er am Ende noch viel ausgeben.“ Müller steht dabei sinnbildlich für den ganzen Klub. Man hat den Eindruck, als stehe die Europa-Tour dieser Show erst am Anfang. Zusatz-Termine folgen.

Fehlende Spannung stört die Bayern nicht

5:1 und 3:1 gegen Wolfsburg, 5:1 gegen Dortmund, 5:1 gegen Arsenal – „wenn es so weitergeht, kann es weit gehen“, sagte Müller. Von minimaler Krisenstimmung, öffentlich geäußerten Zweifeln nach der Niederlage in London sowie dem 0:0 in Frankfurt, lässt sich die Mannschaft von Pep Guardiola gar nicht beeindrucken. Am Mittwoch ging es mal schnell, einer der ersten Schüsse saß, „dann spielt es sich leichter“, sagte Manuel Neuer, der aus seiner weitgehend ruhigen Perspektive ein „schönes Spiel“ gesehen hat. „Langweilig war es nicht. Und den Zuschauern ist auch warm geworden.“

Man ist beim FC Bayern inzwischen so weit, nach Partien, die eigentlich als Topspiel einer Champions League-Gruppe gelten, davon zu sprechen, dass man den Zuschauern „eine gute Show“ habe bieten wollen (Müller). Zumindest zuhause scheint im Moment kein störendes Element geduldet zu werden, die erste Halbzeit grenzte in Sachen Ballbesitz, Spielfreude und Kombinationsfußball an Perfektion. „So wie Bayern aufgetreten ist, war nichts zu holen“, musste Mertesacker zugeben.

Als Achtelfinalist steht der Deutsche Meister vor den abschließenden Spielen gegen Piräus und in Zagreb so gut wie fest. „Es war ein riesiger Schritt. Vor dem Spiel war die Situation ein bisschen heißer als danach“, sagte Müller. Die Spannung ist raus – wenn man 3:0 zur Halbzeit führt genauso wie als Gruppenerster mit neun Punkten. Das aber stört die Bayern nicht. Man will den Weg unbeirrt weitergehen.

„Wir müssen jetzt nicht nach Superlativen suchen, wir stehen erst am Anfang“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Da kennt sich einer aus im Showbusiness. Zu viel Lob – und die Hauptdarsteller werden übermütig. Das wäre kontraproduktiv, denn die Dernière ist erst für den 28. Mai 2016 in Mailand geplant.

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