Niederlage in Mönchengladbach

Die Bayern laufen auf Reserve

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Ungemütlicher Abend: Seit Samstag ist Lewandowski der einzig vollkommen fitte Offensivspieler der Bayern.

Kritisch war die Personalsituation beim FC Bayern auch schon vor dem Spiel in Mönchengladbach. Am Samstag hat sie sich weiter verschärft. Nicht nur wegen der ersten Niederlage unter Jupp Heynckes war es deshalb eine unglückliche Dienstreise. 

MönchengladbachAuch James Rodriguez hat am Samstag um kurz vor halb Sieben dieses Trikot getragen. „Estamos contigo!“ (Wir sind bei Dir) stand auf der Brust und darunter der deutsche Schriftzug „Gute Besserung“. Die Botschaft richtete sich an den Kollegen Thiago, der sich daheim von einer schweren Muskelverletzung erholt und so sehr freute, dass er via Twitter gleich antwortete: „Danke, Jüngs!“

Verletzungen können manchmal einen charmanten, anrührenden Unterton haben, aber in den allermeisten Fällen sind sie einfach nur unerfreulich. Oder sogar bedrohlich, so wie bei James. Als der Kolumbianer am Samstag zur Pause in die Kabine kam, berichtete Jupp Heynckes später, „hat er den Spielstand nicht gewusst“. Die zwei Gegentore, die der FC Bayern beim 1:2 in Mönchengladbach kassierte, fielen erst kurz vor der Pause. Minuten zuvor war James mit Borussen-Verteidiger Tony Jantschke zusammengekracht und hatte laut erster Diagnose eine leichte Gehirnerschütterung davongetragen.

Es ist ein schmerzhafter Abend gewesen für die Münchner, nicht nur wegen der ersten Niederlage unter Heynckes nach zuvor neun Siegen. Außer James hatte es im Borussia-Park auch Juan Bernat erwischt, der gerade erst aus einer langen Auszeit zurückgekehrt war und wenige Minuten vor der Pause runter musste, weil er ein Ziehen im Oberschenkel verspürte. Da neben Thiago und Arjen Robben, die es schon am Mittwoch in Anderlecht erwischt hatte, auch etliche leicht (Alaba, Rafinha) oder schwerer Versehrte (Neuer, Ribery), der noch nicht genesene Thomas Müller sowie halbfitte Spieler wie Kingsley Coman oder Jerome Boateng die medizinische Abteilung beschäftigen, stößt selbst der Premiumkader des Rekordmeisters an seine Grenzen.

Vor dem Gladbach-Spiel hatte Heynckes noch genau zwei gesunde Offensivstammspieler zur Verfügung. Nach James’ Aus bleibt allein Robert Lewandowski, der am Samstag ebenfalls zahlreiche Rempler und Tritte einstecken musste. Dass der Meister seine zweite Saisonniederlage kassierte und der Vorsprung auf RB Leipzig auf drei Punkte zusammenschmolz, kommt also nicht völlig überraschend, ärgert die Bayern deshalb aber nicht weniger. „Wir hatten viel, viel mehr vom Spiel“, haderte Verteidiger Niklas Süle. Auch mit der allerletzten Besetzung wäre ein Punkt – oder gar drei – drin gewesen. Allein zweimal scheiterten die Gäste am Pfosten (Lewandowski, Coman).

Gladbach versaut Heynckes die Rückkehr: Zwei 5er und viele 4er

Nach abermals schläfriger erster Halbzeit dominierten sie deutlich. Doch mehr als schiere Willenskraft und unermüdliche Flanken hatten sie in ihrer Verfassung nicht zu bieten. „Auf den Außenpositionen“, wo Robben und Ribery schon unzählige Abwehrreihen auseinandernahmen, „konnten wir nicht nachlegen“, stellte Heynckes fest.

Nachdem die Münchner mit ihrem alten, neuen Trainer acht Wochen lang hochtourig durch die Liga gebraust waren, geht ihnen nun schleichend der Sprit aus. Sie tuckern auf Reserve durch den Herbst und können bloß hoffen, dass sich einige der weniger schwer verletzten Offensivkräfte (Müller, Robben, auch James, eventuell Ribery) bald zurückmelden, um Kader und Tank aufzufüllen. Am Samstag kamen zwei der drei Einwechselspieler aus dem Regionalligakader (Marco Friedl, Kwasi Okyere Wriedt).

Die tröstliche Nachricht ist, dass nun ein paar freie Tage anstehen und die nächsten Gegner (Hannover, Frankfurt, Köln, Stuttgart) nicht zur höchsten Kategorie zählen (anders als in Champions League und Pokal, wo es gegen Paris St. Germain und Dortmund geht). Die weniger gute ist, dass einige dieser Konkurrenten den Topteams das Leben diese Saison schon ziemlich schwer gemacht haben. Die Bayern richten sich auf zehrende Wochen ein, so unangenehm wie der schneidende Novemberwind in Mönchengladbach.

Im Vollgasmodus werden sie sie nicht bewältigen.

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