FCB-Kapitän im tz-Interview

"Herr Lahm, wie fühlt man sich als Nervensäge?"

+
Philipp Lahm kann sich nach dem Ende seiner Nationalmannschaftskarriere voll auf den FC Bayern konzentrieren.

München - Die Länderspielpause ist beendet, der FC Bayern geht in Bremen wieder ins Ligarennen. Natürlich mit einem Sieg, oder?! Mit etwas anderem rechnet mittlerweile keiner mehr. Über diese, für Nicht-Bayernfans nervende, Dominanz, seine Zukunftspläne und den FCB sprach der Kapitän mit der tz.

Herr Lahm, es gibt schon vereinzelte Glückwünsche zum Titel. Auch wenn Sie die – noch – abwehren: Können Sie zumindest die Nicht-Bayernfans verstehen, die die Dominanz des FCB nervt?

Lahm: Ja, ich kann verstehen, dass es die Leute nervt. Aber mal ganz ehrlich: Es sind gerade acht Spieltage rum. Das ist nicht nur früh, sondern sehr, sehr, sehr früh. Wir haben momentan einen Lauf, den muss man dann auch mitnehmen. Aber verlieren wir einmal, sind es nur noch vier Punkte Vorsprung und die Situation ist eine ganz andere. Außerdem haben wir gegen starke Gegner wie Leverkusen, Wolfsburg und Dortmund zu Hause gespielt. Da kommen noch Rückspiele. Deshalb sollten wir bescheiden bleiben und uns auf unsere Arbeit konzentrieren.

Neben dem Vorsprung ist es vor allem das Auftreten der Mannschaft, das den FCB konkurrenzlos erscheinen lässt. Spüren die Spieler diese Dominanz auch?

Lahm: Natürlich spüren wir die, das ist ja auch so gewollt. Ich habe zuletzt auch gelesen, dass unsere Haltung das Beeindruckende an uns sei. Eine Mannschaft muss nun mal immer mit Energie, Willen, Herz und Leidenschaft auftreten. Aber dass es uns gelingt, diese Begeisterung alle drei Tage auf den Platz zu bringen – das finde ich selbst auch beeindruckend.

Wie schaffen es selbst die Neuzugänge diese Begeisterung direkt abzurufen?

Lahm: In erster Linie durch ihre Qualität. Wenn sie die mitbringen, kriegen sie ihre Chance. Die gilt es zu nutzen. Und das haben alle Neuzugänge getan. Natürlich schadet es für die Integration nicht, dass wir die ersten Spiele alle gewonnen haben. Außerdem ist es in unserer Mannschaft nicht so schwierig, sich wohlzufühlen.

Welche Rolle übernehmen Sie als Kapitän dabei? Sorgen Sie dafür, dass jeder Neuzugang zum Einstand singt?

Lahm (lacht): Da gibt es genügend andere, die sich darum kümmern. Allen voran Rafinha. Der heizt alle an und sieht zu, dass jeder singt. Und ich muss sagen, da hat er die Jungs gut im Griff. Dieses Ritual funktioniert bei uns und trägt natürlich zur Stimmung bei – auch wenn die neuen Spieler selbst sich lieber vor dem Singen drücken würden. Aber da muss jeder durch und diese Gesangseinlagen beim Abendessen vor der gesamten Mannschaft und allen Betreuern sind definitiv immer wieder besondere Highlights.

Seit dem Triple 2013 gab es ja einige Gesangseinlagen. Wie hat sich das Team verändert?

Lahm: Eindeutig personell, aber das ist in einem Spitzenverein auch normal. Außerdem hat jeder an Erfahrung gewonnen – durch Siege, durch Niederlagen. So entwickelt sich die Mannschaft weiter. Und wir haben einen Trainer bekommen, der uns vor allem taktisch nochmal eine andere Sicht auf den Fußball gegeben hat.

Dieser Mix ist für die seit drei Jahren andauernde Dominanz verantwortlich?

Lahm: Wir standen auch schon 2010 im Champions-League-Finale und haben damals das Double gewonnen. Auch wenn wir damals noch nicht so dominant waren, hatten wir einen Trainer mit einer Idee. Das fing mit Louis van Gaal an. Er war der richtige Trainer zur richtigen Zeit. Van Gaal hatte eine klare Vorstellung, wie er spielen wollte. Dann kam Jupp Heynckes, der die Mannschaft zusammengeschweißt hat. Besser ging es nicht. Jetzt haben wir mit Pep Guardiola einen Trainer, der taktisch unglaublich ist. So konnte sich jeder Spieler weiterentwickeln und besser werden.

Pep hatte die Idee, Sie ins Mittelfeld zu stellen. Ärgern Sie sich manchmal, dass niemand früher drauf gekommen ist?

Lahm: Nein, ich habe früher in der Jugend oft im Mittelfeld gespielt. Andere Trainer kamen auch auf die Idee. Und ich trauere nicht dem nach, schon früher im Mittelfeld gespielt zu haben. Ich bin mit meiner Karriere sehr zufrieden. Ich war froh, als ich Linksverteidiger spielen durfte und war auch froh, als ich dann wieder auf rechts spielen durfte. Genauso war es, als ich jetzt im Mittelfeld aufgestellt worden bin.

Zuletzt haben Sie sogar auf dem rechten Flügel gespielt. Ist Philipp Lahm ein Flexibilitätsmonster?

Lahm: Es ist schön, wenn man flexibel ist. Es musste allerdings schon viel zusammenkommen, dass ich vorne rechts eingesetzt wurde. Das letzte Mal, dass ich dort gespielt habe, dürfte knapp 18 Jahre her sein. Aber als Monster würde ich mich nicht bezeichnen (schmunzelt).

Bis zu Ihrem Karriereende 2018 darf der FCB noch auf Ihre Flexibilität bauen. Früher wollten Sie erst Bäcker, dann Banker werden. Gibt es schon Berufswünsche für die Zeit nach der Karriere?

Lahm: Jedenfalls nicht Bäcker und auch nicht Banker. Als Kind stellt man sich ja viele Dinge vor, die dann nicht so eintreffen. Als Bäcker müsste ich ja viel zu früh aufstehen, aber genau das war damals mein Gedanke. Als kleiner Junge bin ich ohnehin immer früh aufgestanden, und dann hätte ich ja auch wieder früh Feierabend und viel Freizeit gehabt. Tatsächlich sind es noch drei Jahre bis zu meinem Karriereende. Das wird ein großer Umbruch in meinem Leben, darauf möchte ich mich vorbereiten und habe damit schon begonnen. Was danach kommt, weiß ich noch nicht im Detail. Aber ich lerne gerade verschiedene Optionen kennen. Vorstellen kann ich mir einiges.

Auch eine Rolle als TV-Experte?

Lahm: Ich kenne einige Kollegen, die das zu ihrer aktiven Zeit komplett ausgeschlossen haben, es dann aber doch geworden sind. Deshalb werde ich jetzt nicht ausschließen, dass es vielleicht mal so kommt. Aber im Moment kann ich es mir noch nicht vorstellen.

Während der EM sehen wir Sie also definitiv weder am Mikro noch auf dem Platz?

Lahm: Jeder aus meinem Umfeld weiß: Wenn ich Urlaub habe, dann habe ich Urlaub. Und den brauche ich zum Abschalten und Kraft tanken. Deshalb werde ich den Sommer mit meiner Familie verbringen.

Weiß Ihr Sohn Julian (3) eigentlich schon, dass sein Papa ein so erfolgreicher Fußballer ist?

Lahm: Er weiß, dass ich ab und zu ins Stadion fahre. Ich glaube, richtig bewusst ist es ihm noch nicht. Aber er geht mittlerweile gerne ins Stadion und schaut sich Fußball an. 90 Minuten still sitzen – das ist allerdings noch nichts für ihn.

Interview: Sven Westerschulze

auch interessant

Meistgelesen

Ticker: Aus! Lewandowski besiegt Freiburg
Ticker: Aus! Lewandowski besiegt Freiburg
Was Ancelotti am Freiburg-Spiel ein wenig gefiel
Was Ancelotti am Freiburg-Spiel ein wenig gefiel
Auf Ancelotti wartet noch eine Menge Arbeit
Auf Ancelotti wartet noch eine Menge Arbeit
Systemfrage nervt Müller: „Lasst doch die Kirche im Dorf“
Systemfrage nervt Müller: „Lasst doch die Kirche im Dorf“
<center>Bayerisches Schmankerl-Memo</center>

Bayerisches Schmankerl-Memo

9,95 €
Bayerisches Schmankerl-Memo
<center>Brotzeit-Brettl mit Messer</center>

Brotzeit-Brettl mit Messer

6,65 €
Brotzeit-Brettl mit Messer
<center>Schlüzi mit Masskrug - der Schlüsselüberzieher</center>

Schlüzi mit Masskrug - der Schlüsselüberzieher

4,90 €
Schlüzi mit Masskrug - der Schlüsselüberzieher
<center>Samt-Kropfband (breit) mit Strass-Edelweiss</center>

Samt-Kropfband (breit) mit Strass-Edelweiss

13,50 €
Samt-Kropfband (breit) mit Strass-Edelweiss

Kommentare