Was ist da los an der Bayern-Basis?

Plakate gegen Rummenigge: Das sagen die Fan-Vertreter

+
Eines der drei Banner in der Südkurve gegen Benfica: "Dein Kaffee ist bald englischer Tee und der schmeckt nicht!"

München - Die Spruchbänder der Südkurve gegen die Ideen von Karl-Heinz Rummenigge - sind alle Fans des FC Bayern dieser Meinung. Die tz hakte an der Basis nach.

Für das Spektakel im Stadion sind die Stars des FC Bayern verantwortlich – den stimmungsvollen Rahmen aber schafft die Südkurve. Am vergangenen Samstag gegen Frankfurt sorgte die Südkurve mit einer amüsanten Choreo gegen die geplanten Montagsspiele für Aufsehen, auch am Dienstag gegen Lissabon waren Plakate mit Botschaften gegen Pläne von Verbands- und Vereinsseite zu sehen. Die Bayern-Fans wollen keine Montagsspiele und auch keine europäische Superliga. Alle Bayernfans oder nur ein kleiner Teil, der seine Meinung in der Kurve geäußert hat?

Die tz sprach mit Wolfgang Martin, Pressesprecher vom Club Nr. 12 (rund 3700 Mitglieder), und Gerhard Stadler, dem Vorsitzenden des 2700 Mitglieder starken FCB-Fanclubs Floss e.V. und hat festgestellt, dass längst nicht alle FCB-Anhänger bei möglichen Reformen auch einer Meinung sind.

"Montagsspiele werden unvermeidbar sein ..."

Meine Herren, was halten Sie von den geplanten Montagsspielen?

Wolfgang Martin: Der Spieltag wird damit noch weiter entzerrt. Für den aktiven Fan wird es dadurch nicht leichter, sein normales Leben neben dem Fußball zu führen. Es gibt bald ja keinen Tag mehr ohne Fußball. Von Dienstag bis Donnerstag stehen die europäischen Klubwettbewerbe an, vom Freitag bis Montag dann die Bundesliga. Natürlich kann man jetzt entgegnen, dass es sich nur um fünf Spiele in der Saison handelt. Aber das ist sicher nur der Anfang, deshalb sehe ich das ganze sehr kritisch.

Gerhard Stadler: Montagsspiele werden unvermeidbar sein, um mehr Geld zu generieren. Damit der FC Bayern international konkurrenzfähig bleiben kann, sind diese Einnahmen notwendig. Und in der Zweiten Liga gibt es ja auch ein Spiel am Montag, da ist das längst normal. Natürlich wäre auch mir ein Spieltag an Samstag und Sonntag lieber, aber für mehr Geld verlangen die TV-Sender mehr Exklusivität. Da können sie schlecht alle Spiele zeitgleich zeigen.

"Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass so etwas umgesetzt wird"

Wäre eine europäische Superliga attraktiver als die Champions League?

Martin: Das Produkt Champions League ist in seiner jetzigen Form sehr attraktiv. Es wäre doch langweilig, ständig gegen Barcelona, Real Madrid oder Paris St. Germain zu spielen. Solche Spiele wie das gegen Benfica am Dienstag haben auch ihren Reiz. Ganz zu schweigen von den Duellen in der Vorrunde. Das ist auch für den Fan etwas schönes, wenn er mal an Orte kommt, die er sonst nicht kennenlernen würde.

Stadler: Vielleicht ist diese Idee einfach nur als Schuss vor den Bug für die UEFA gedacht. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass so etwas in naher Zukunft umgesetzt wird. Für den Fans wäre es aber sicher kein Nachteil, regelmäßig Spiele wie gegen Real Madrid zu erleben.

Spiegelt sich Ihre Meinung auch innerhalb Ihres Fanclubs bzw. Ihrer Vereinigung wieder?

Martin: Ja, im Club Nr. 12 sehen viele die Entwicklung generell kritisch. Die Kommerzialisierung schreitet immer weiter voran, auf die Fanbelange wird kaum noch Rücksicht genommen – vor allen von den großen Institutionen wie UEFA oder DFL. Da fühlt man sich schon ein Stück weit übergangen. Da ist der Austausch mit dem FC Bayern absolut positiv zu erwähnen. Man kann mit den Verantwortlichen über gewisse Problematiken sprechen und ist im regen Austausch mit der Fanclubbetreuung.

Stadler: Manche finden die Idee einer Superliga nicht schlecht, aber der Großteil von uns will den nationalen Charakter der Bundesliga nicht verlieren. Es gäbe dann ja auch keine Derbys mehr, die würden allen Vereinen unheimlich fehlen. Der Fußball wandelt sich nun mal, wir müssen diesen Wandel mitgehen. Deshalb sind wir auch für Montagsspiele offen. Was wäre denn die Alternative? Ein Ticket für 200 Euro will doch auch keiner kaufen.

Pressestimmen: "Bayern fehlt 88 Minuten die Inspiration"

Martin: Der Verein muss immer einen Mittelweg zwischen dem wirtschaftlichen Profit und den Belangen der Fans finden. Das ist nicht einfach, aber die Richtung ist ja schon klar vorgegeben: Es bewegt sich alles immer stärker in Richtung Kommerz.Stadler: Ja, ich kann Herrn Rummenigges Sichtweise verstehen – so wie viele andere im Fanclub auch. Natürlich ist es schade, dass der Spieltag nicht mehr nur am Samstag und Sonntag stattfindet. Das wäre, glaube ich, uns allen lieber. Aber es stoßen einfach zu viele Interessen aufeinander, da muss jeder Abstriche machen.

"Es könnte der Punkt kommen, an dem es den Fans zuviel wird"

Ist die Fankultur bedroht?

Martin: Im Moment vielleicht noch nicht: Aber gerade den aktiven Fans werden immer mehr Restriktionen auferlegt. Irgendwann könnte der Punkt kommen, an dem es den Fans, die für die Stimmung im Stadion sorgen und die Choreografien aufbauen, zuviel wird. Dann ist es auch nicht ausgeschlossen, sich wieder vereinsübergreifend zusammenzuschließen und zu protestieren. Denn die Stimmung im Stadion ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Fußballkultur in Deutschland. Dieses Argument nutzt die DFL auch gerne in ihrer Vermarktungsstrategie. Wenn die Stimmung weg ist, fehlt auch der Spaß. Und das will doch eigentlich auch keiner.

Stadler: Ich glaube nicht, dass die Fankultur bedroht ist. Jetzt gerade kocht das Thema zwar ziemlich hoch, aber es wird sich bald wieder beruhigen. Am Anfang sind alle aufgebracht, das ist immer so. Aber irgendwann merkt man: Es geht halt nicht anders.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Hummels hilft in Afrika: „Macht mich tief betroffen“
Hummels hilft in Afrika: „Macht mich tief betroffen“
FC Bayern: Lahm 17. Spieler in der "Hall of Fame"
FC Bayern: Lahm 17. Spieler in der "Hall of Fame"
Renato Sanches: Champions-League-Finalist meldet Interesse
Renato Sanches: Champions-League-Finalist meldet Interesse
Diese Pläne hat DFB-Boss Grindel mit Philipp Lahm 
Diese Pläne hat DFB-Boss Grindel mit Philipp Lahm 

Kommentare