„Dürfen Entwicklung nicht verschlafen“

Bayern-Präsident Herbert Hainer im tz-Interview: Das macht mir beim Frauenfußball Sorgen

Herbert Hainer und Uli Hoeneß sitzen am Bayern-Campus auf der Tribüne.
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FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer (re.) und sein Vorgänger Uli Hoeneß schauen gerne mal beim Frauenteam vorbei.

Die Frauen des FC Bayern stehen vor der ersten Meisterschaft seit 2016. Präsident Herbert Hainer bereitet aber etwas anderes Sorgen.

  • Den Frauen des FC Bayern reicht am letzten Spieltag ein Zähler zur Meisterschaft.
  • Bayern-Präsident Herbert Hainer sagt im tz-Interview: „Die Zeit ist reif“
  • Sorgen bereiten ihm aber die Strukturen im deutschen Frauenfußball.

München - Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern, ist am Sonntag (14 Uhr, Magenta) live dabei, wenn die Frauenmannschaft den letzten Schritt zur Meisterschaft gehen will. Gegen Eintracht Frankfurt würde ein Unentschieden reichen, um den ersten Titel seit 2016 einzufahren. Vorab spricht Hainer im tz-Interview über die Bayern-Frauen, künftige Investitionen und ein strukturelles Problem.

Herr Hainer, Sie kündigten vor rund eineinhalb Jahren an, dass der FC Bayern die Anstrengungen im Frauenfußball intensivieren wolle. Das Team steht nun unmittelbar vor der ersten Meisterschaft seit 2016. Wie sehen Sie die Entwicklung?
Hainer: Absolut positiv. Nachdem wir nun drei Mal in Folge Vizemeister gewesen sind, ist die Zeit reif und die Chance groß, die Serie des VfL Wolfsburg zu beenden. Wir haben eine unheimlich starke Saison gespielt, bisher 19 Mal gewonnen und bei einem Torverhältnis von 78:9 mit Abstand die meisten Treffer erzielt sowie die wenigsten zugelassen. Die Meisterschaft wäre die Krönung und der verdiente Lohn für unseren Weg, die Mannschaft kontinuierlich zu verstärken, um uns in Deutschland und auch international in der absoluten Spitze zu etablieren.
Wo und wie werden Sie das entscheidende Spiel gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag verfolgen?
Hainer: Ich bin natürlich im Stadion am FC Bayern Campus, um vor Ort die Daumen zu drücken. Wenn ich es einrichten kann, versuche ich immer gerne, dabei zu sein, auch unter anderem gegen Chelsea oder Wolfsburg war ich im Stadion. Mir ist der direkte Draht zur sportlichen Leitung um Karin Danner, Bianca Rech, Trainer Jens Scheuer sowie dem ganzen Team wichtig. Sie alle wissen, dass meine Tür immer für sie offen ist.

FC Bayern: Hainers Versprechen - „Wir werden weiter investieren“

In der Champions League und dem DFB-Pokal schied der FC Bayern jeweils im Halbfinale aus. Inwiefern schmälern diese Resultate eine womöglich sehr erfolgreiche Saison?
Sie schmälern sie kein bisschen, denn vor allem das Erreichen des Halbfinals der Champions League ist eine riesige Leistung gewesen. Es war nun das zweite Mal binnen drei Jahren, dass wir unter Europas Top 4 standen, das zeigt, dass wir uns international etablieren. Zudem war das Aus gegen Chelsea in meinen Augen unglücklich. Beide Halbfinals, Champions League wie DFB-Pokal, trüben die Saisonbilanz keineswegs, im Gegenteil: Ich sehe sie als wichtige Etappenziele in unserer Entwicklung, die uns absolut optimistisch stimmt.
Unabhängig davon, wie das Spiel am Sonntag ausgeht: Wie geht‘s in der kommenden Saison weiter bei den Frauen des FC Bayern? Wird weiter für die höchsten Ziele - auch international - investiert?
Natürlich werden wir weiter investieren. Wir stehen bei unserem Vierjahres-Plan gerade bei der Hälfte. Die Verpflichtung von Saki Kumagai von Olympique Lyon ist ein klares Zeichen, dass wir uns zu einer Top-Adresse in Europa entwickelt haben. Um den Frauenfußball in Deutschland generell noch besser zu fördern und international wettbewerbsfähig zu sein, muss man aber insgesamt dringend an den Strukturen arbeiten. Ich teile die Einschätzung unserer sportlichen Leitung, dass sich der DFB in dieser Frage bewegen muss. Wir brauchen bessere Infrastrukturen und eine professionellere Gesamtorganisation. Ab der kommenden Saison wird die Champions League reformiert, in den anderen Top-Ligen wird der Frauenfußball schon länger gezielt gefördert – da dürfen wir in Deutschland die Entwicklung nicht verschlafen.

Interview: Jonas Austermann

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