FCB-Präsident im tz-Interview

Hopfner: Verletzt? Ich? Bin ich nicht!

+
Karl Hopfner.

München - Im exklusiven tz-Interview spricht Bayern-Präsident Karl Hopfner über BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, seine Wahl zum Nachfolger von Uli Hoeneß und seinen Respekt vor dem Amt .

Herr Hopfner, wie groß ist die Vorfreude vor dem Pokal-Finale am Samstag gegen Dortmund auf den ersten Titel als FCB-Präsident?

Hopfner: Wenn man seit über 30 Jahren dabei ist, dann ist die Freude immer groß – egal, ob man etwas als Präsident gewinnt, als Geschäftsführer, als Vizepräsident oder als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Ich würde mich freuen, wenn wir am Samstag gewinnen,.

Wissen Sie überhaupt, wie viele Titel Sie in 30 Jahren eingefahren haben?

Hopfner: Um ehrlich zu sein, nein. Ich habe sie nie gezählt. Ich habe mir aber sagen lassen, dass es 43 sind.

Muss man als Präsident nicht alle Daten und Fakten parat haben?

Hopfner: Was den Verein betrifft, fühle ich mich auch statistiksicher! Aber meine persönlichen Daten halte ich für nebensächlich.

Was muss ein Präsident noch können? Gerade im Vergleich zu Ihrer Aufgabe als Finanzchef.

Hopfner: Das sind komplett unterschiedliche Aufgaben. Und ich bin für die strikte Trennung. Der ehrenamtliche Präsident und seine Vizepräsidenten haben die Aufgabe, die über 235 000 Mitglieder zu betreuen, auf ihre Wünsche einzugehen. Und natürlich die einzelnen Abteilungen zu führen. Dazu kommt die ganz große Aufgabe, als Aufsichtsratsmitglied die Kontrolle zu haben.

Ab wann war Ihnen klar: Jetzt musst du den Laden übernehmen!?

Hopfner: Als ich vom Verwaltungsbeirat gefragt worden bin, am Freitag nach dem Rücktritt von Uli Hoeneß.

Ist Ihnen vorher nicht durch den Kopf gegangen: So könnte es laufen?

Hopfner: Nein. Man muss doch auch klipp und klar sagen: Bis dahin sind alle Gremien, Verwaltungsbeirat, Aufsichtsrat usw., davon ausgegangen, dass Uli Hoeneß Präsident bleibt.

Zahlreiche nette Briefe für Hopfner

Was dachten Sie, als es klar war, dass Sie ranmüssen?

Hopfner: Ich habe dem FC Bayern unwahrscheinlich viel zu verdanken. Daher ist es eine Selbstverständlichkeit zu sagen, man stellt sich der Aufgabe!

Es gab nie Zweifel?

Hopfner: Es gab an diesem Tag keine Zeit, um Zweifel zu haben.

Was kam dann: Angst, Respekt? Nervosität?

Hopfner: Respekt vor dem Amt auf alle Fälle. Denn wir sind nun mal der größte Fußballverein Deutschlands, vielleicht schaffen wir es auch, dass wir der größte der Welt werden. Wenn man das mit aufgebaut hat, dann kennt man natürlich alles. Da hat man Respekt, vielleicht auch ein bisschen Stolz.

Welche Größen der Fußballwelt haben sich nach Ihrer Wahl gemeldet?

Hopfner: Fast alle aus der Bundesliga, aber auch viele aus dem Ausland. Die Verbände haben sich gemeldet, es kamen sehr viele Schreiben.

Kommt da auch eine SMS vom Barcelona-Präsidenten?

Hopfner: Es ist ein Brief gekommen, ja. Und das freut mich natürlich – auch wenn ein David Gill, der früher bei Manchester United war, einen sehr netten Brief schreibt. Oder auch Wolfgang Niersbach. Von Herrn Dr. Rauball habe ich auch einen sehr netten Brief bekommen. Das freut einen.

Glauben Sie, dass sich der Kontakt zu Aki Watzke auch noch mal normalisieren wird?

Hopfner: Das kann ich nicht beurteilen. Am Freitag gibt es eine Einladung vom DFB in Berlin, da gehe ich selbstverständlich hin. Ich habe da kein Problem!

Ist es somit eine gute Gelegenheit, sich die Hand zu reichen?

Hopfner: Ich gebe jedem Menschen die Hand. Es sind ja nur Fakten dargestellt worden, wenn auch falsch oder in Abrissen.

Erwarten Sie etwas von Dortmunder Seite?

Hopfner: Überhaupt nicht. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe Fakten auf den Tisch gelegt.

Sie sind auch nicht persönlich verletzt?

Hopfner: Nein, bin ich nicht.

Nach den ersten Wochen als Präsident: Macht das Amt Spaß?

Hopfner: Es hat Spaß gemacht, als am letzten Samstag in der 92. Minute das 1:0 gefallen ist! Es hat auch Spaß gemacht, die Euphorie unserer Fans am Marienplatz zu sehen. Und die Krönung wäre nun, wenn wir den Pokal gewinnen können.

Kann das Amt so viel Spaß machen, dass man es nicht mehr abgeben möchte?

Hopfner: Ich weiß nicht, ob man es abgibt, oder nicht. Ich vergleiche es lieber mit einem politischen Mandat: Man wird gewählt, für einen bestimmten Zeitraum – und man kann nicht sagen, ich bleibe länger! Der Zeitraum jetzt beträgt zweieinhalb Jahre. Und der Souverän sind die Mitglieder, daher tangiert mich so eine Frage im Moment überhaupt nicht.

Sie könnten doch aber sagen: In zweieinhalb Jahren ist Schluss!

Hopfner: Das werde ich sicher nicht machen. Man muss abwarten, was passiert. Und dann setzt man sich mit den Gremien zusammen.

Wie wird in diesen Jahren der Kontakt zu Uli Hoeneß aussehen?

Hopfner: Ich weiß nicht, ob ich mit ihm telefonieren kann. Ich bin da aber auch ein bisschen überfragt, ich habe da keine Erfahrung. Aber wir werden sicherlich Möglichkeiten finden, dass wir in Kontakt bleiben können.

"Unglaublich, was Uli Hoeneß alles mitgemacht hat"

Was fühlen Sie persönlich, wenn Sie sehen, was mit Uli Hoeneß passiert? Zuletzt gab es noch diese Erpressung.

Hopfner: Ich finde es unglaublich. Was Uli mitgemacht hat in der letzten Zeit, das ist nicht mehr normal. Der gesamte öffentliche Druck, die Darstellung, der Tag der offenen Tür in der JVA, dann die Erpressung – das ist schon gewaltig. Wenn dann auch noch die Familie darunter leiden könnte wie bei dieser Erpressung! Gott sei Dank ist der geschnappt und das Thema vom Tisch!

Als Sie Ende 2012 aus dem operativen Geschäft ausgeschieden sind, machten Sie auch gesundheitliche Gründe dafür verantwortlich. Sind Sie heute wieder richtig fit?

Hopfner: Das ist ein wenig falsch dargestellt worden. Zunächst mal: Mir geht es gut. Ich habe einen medizinischen Vorfall gehabt, der dann auch total ausgeheilt ist. Nur wenn man so etwas erlebt, überlegt man sich: Du bist jetzt so und so alt, wie lang willst du das eigentlich noch machen? Dann bekommt man diesen Denkanstoß mit der Verletzung und sagt sich: Das Leben ist nicht unendlich, man muss auch mal aufhören. Ich habe mit Uli Hoeneß darüber geredet, er hätte es gern gesehen, wenn ich noch mal um drei Jahre verlängert hätte. Ich habe aber entschieden, dass man sich um einen Nachfolger kümmert.

Karl Hopfner: Das sind seine besten Sprüche

Karl Hopfner: Das sind seine besten Sprüche

Wie wird der FC Bayern in Zukunft aussehen?

Hopfner: Die Trennung zwischen operativem Geschäft und dem Ehrenamt hatte ich ja bereits angeschnitten. Es wird so sein, dass Karl-Heinz Rummenigge mehr ins Rampenlicht treten muss, als das Gesicht des Vorstands. Ich bin nicht der operative Präsident und ich möchte auch nicht in die Fußstapfen von Uli Hoeneß treten. Das bin ich nicht, das kann nicht richtig sein.

Es wird also keine Abteilung Attacke von Karl Hopfner geben?

Hopfner: Wenn wir angegriffen werden, dann ja!

Haben Sie Kritik an Bastian Schweinsteiger zuletzt als Angriff gesehen?

Hopfner: Ja. Denn ich finde, da fehlt manchmal so ein bisschen der Respekt und die Anerkennung der Leistung. Es zählt nichts mehr, was war. Da ist ein Spiel, was vielleicht nicht so gut läuft – und schon kommt der große Prügel raus! Das halte ich für deplatziert, fast schon respektlos. Gerade wenn man sieht, was Bastian Schweinsteiger oder ein Philipp Lahm schon alles erreicht haben.

Interview: Michael Knippenkötter

auch interessant

Meistgelesen

Ticker: Aus! Lewandowski besiegt Freiburg
Ticker: Aus! Lewandowski besiegt Freiburg
Was Ancelotti am Freiburg-Spiel ein wenig gefiel
Was Ancelotti am Freiburg-Spiel ein wenig gefiel
Auf Ancelotti wartet noch eine Menge Arbeit
Auf Ancelotti wartet noch eine Menge Arbeit
Systemfrage nervt Müller: „Lasst doch die Kirche im Dorf“
Systemfrage nervt Müller: „Lasst doch die Kirche im Dorf“
<center>Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder schwarz</center>

Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder …

35,00 €
Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder schwarz
<center>Brotzeit-Brettl mit Messer</center>

Brotzeit-Brettl mit Messer

6,65 €
Brotzeit-Brettl mit Messer
<center>De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf Bayerisch</center>

De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf …

10,50 €
De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf Bayerisch
<center>Brotzeit-Brettl "Brotzeit"</center>

Brotzeit-Brettl "Brotzeit"

4,85 €
Brotzeit-Brettl "Brotzeit"

Kommentare