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Galaktisch gut: Das hat Real, was Bayern aktuell fehlt

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Von: Philipp Kessler

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Real Madrid zieht ins Finale der Champions League ein. Der FC Bayern könnte in Zukunft von den Königlichen lernen.

Madrid - Trainer Carlo Ancelotti hatte Tränen in den Augen. Mittelfeld-Lenker Toni Kroos genoss den Erfolg in Badelatschen. Und Präsident Florentino Pérez herzte nach Schlusspfiff jeden einzelnen Star in der Kabine. Schon wieder gelang Real Madrid in der Champions League ein Wunder. Nach einem 3:4 im Hinspiel setzten sich die Königlichen im zweiten Halbfinal-Duell am Mittwoch im Estadio Santiago Bernabéu gegen Manchester City mit 3:1 nach Verlängerung durch.

Der eingewechselte Rodrygo drehte die Partie. Karim Benzema erlöste Real mit einem Elfer in der 95. Minute. „Keiner hätte gedacht, dass Real Madrid in dieser Saison noch mal ein Finale spielt“, sagte Ancelotti. „Jetzt sind wir drin.“ Am 28. Mai triff Real in Paris auf Liverpool. Die Bayern sind nach dem Viertelfinal-Aus gegen Villarreal zum Zusehen verdammt. Aber was hat Real, was den Münchnern fehlt?

Real Madrid: Teamgeist macht den Unterschied - „Sie geben niemals auf“

Teamgeist: Zidane, Figo, Beckham oder Ronaldo. Die Galaktischen sorgten kurz nach 2000 bei Real für Aufsehen. Mit der Ansammlung von Weltstars hat die aktuelle Mannschaft nichts mehr zu tun. Doch das, was die Königlichen, auch dank ihrer starken Ersatzbank, derzeit leisten, ist galaktisch gut. Im Achtelfinale unterlag die Mannschaft in Paris im Hinspiel 0:1. Das Rückspiel in Madrid begann mit einer Führung durch PSG und endet mit einem 3:1 von Real. Im Viertelfinale gewann das Team das Hinspiel bei Chelsea 3:1. Im Rückspiel lag Madrid eine Viertelstunde vor Schluss mit 0:3 hinten. Endergebnis 2:3 nach Verlängerung. Nun das nächste Wunder.

„Die Wahrheit ist, dass die Mannschaft einen unglaublichen Wettbewerbsgeist hat. Sie glauben fest an den Sieg, geben niemals auf, helfen sich gegenseitig und treiben sich an, ihr Bestes zu geben“, schwärmt Ex-Real-Präsident Ramón Calderón (70) im Gespräch mit der tz. Sky-Experte Didi Hamann (48) würde dem FC Bayern ebenfalls Wunder-Dinge zutrauen. „Sie wären auch zu solchen Leistungen in der Lage, wenn das Fundament stimmen würde“, sagt der Ex-Bayern-Star der tz. „Dass man ein bis zwei Spieler im Kader hat, die egoistisch denken, ist normal. Aber bei Bayern wirkt es so, als ob der Verein aktuell zehn Spieler hat, die nur an sich denken. Ich hatte zuletzt nie den Eindruck, dass das Team eine Einheit ist.“

Karim Benzema (m) bejubelt mit seinen Teamkollegen den Treffer zum 3:1-Endstand für Real Madrid im Halbfinale der Champions League gegen Manchester City.
Totgeglaubte leben länger: Karim Benzema (m) bejubelt mit seinen Teamkollegen den Treffer zum 3:1-Endstand für Real Madrid gegen Manchester City. ©  JAVIER SORIANO/AFP

Unterschied zum FC Bayern: Hamann - Real-Spieler wissen, „was dieser Verein bedeutet“

Klub-Identifikation: „Bei Real hat man das Gefühl, dass die Spieler wissen, was dieser Verein bedeutet. Die haben Profis, die hier sein wollen und das auch zeigen. Das ist ein Miteinander“, findet Hamann. „Der FC Bayern muss schauen, dass er wieder Spieler findet, die Bayern verkörpern, die sich für den Verein den Hintern aufreißen. Mir kommt vor, die Profis aktuell denken, sie wären in einem Selbstbedienungsladen und können nehmen bzw. fordern, was sie wollen. Sie sollten lieber mal zu schätzen wissen, was sie am FC Bayern haben.“

Karim Benzema: Seit Jahren wird PSG-Superstar Kylian Mbappé als neuer Stürmer von Real gehandelt. Negativen Einfluss auf die Leistungen des 34-Jährigen hat dies nicht. Die Torjägerliste in der Champions League führt er mit 15 Toren an. Bei FCB-Stürmer Robert Lewandowski (33) hingegen hat man den Eindruck, dass ihn Gerüchte über einen neuen Neuner nerven. „Benzema ist bescheiden, hat kein großes Ego. Es ist ein großes Glück, ihn bei Real zu haben“, betont Calderón.

Real Madrid cooler als der FC Bayern? Ancelotti überzeugt mit stoischer Ruhe

Coolness: „Man dreht solche Spiele nicht, wenn man panisch wird. Mit Ancelotti haben sie einen Trainer, der stoische Ruhe ausstrahlt. Das wirkt sich auch auf die Spieler aus“, analysiert Hamann. Auch Calderón lobt den Italiener, der von Sommer 2016 bis Ende September 2017 die Bayern trainierte: „Er ist ein sehr guter Taktiker und ein großartiger Kabinen-Manager.“

In der Hinrunde spielten die Bayern unter Coach Julian Nagelsmann (34) überragend, wurden als Henkelpott-Favorit gehandelt. 2022 ging die Dominanz verloren. Zudem gab es die Saison über Ausfälle und Störfaktoren (JHV, Vertragsthemen, Impf-Debatte um Kimmich). „Die gesamte Unruhe zieht der Mannschaft den Energie-Stecker“, meint Sportpsychologe Matthias Herzog. Auf Bayern wartet viel Arbeit. (Philipp Kessler)

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