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Davor Šuker: Real hat Probleme mit der deutschen Mentalität

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Von: José Carlos Menzel López

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Davor Šuker
Davor Šuker spielte von 2001 bis 2003 beim TSV 1860 München. © imago

München - Davor Šuker wurde 1998 CL-Sieger mit Madrid, spielte zum Abschluss seiner Karriere auch zwei Jahre in München bei den Löwen. Im Interview spricht er über den Kracher zwischen Real und Bayern - und hat einen guten Rat an die Sechzger.

Herr Šuker, ganz München fiebert auf Real hin. Sie auch?

Šuker: Das können Sie mir glauben. Aber ich drücke kommenden Mittwoch nur einer Mannschaft die Daumen, und die trägt weiße Trikots.

So? 

Šuker: Na hören Sie mal. Nicht nur, dass ich drei großartige Jahre meiner Karriere für Real Madrid gespielt habe, da wären auch noch die letzten zwei Jahre im Trikot des TSV 1860 München. In dieser Zeit habe ich einen Spruch gelernt, dem ich bis zum heutigen Tage treu geblieben bin.

Der wäre?

Šuker: Einmal Löwe, immer Löwe.  

Und was sagt der neutrale Fußballexperte?

Šuker: Dass es eine Partie auf Messers Schneide wird. Die Chancen stehen 50:50, es ist offen. Auf der einen Seite wäre da die deutsche Mentalität, mit der Real schon immer Probleme hatte. Hinzu kommt der Faktor Ancelotti, der Real wie seine Westentasche kennt. Auf der anderen Seite reicht es aber in der Regel für jeden Gegner, wenn Ronaldo oder Modric einen guten Tag haben. Es kommt auf die berühmten Details an.

Spielt es wirklich eine Rolle, dass Ancelotti zwei Jahre lang in Madrid war?

Šuker: Eine kleine Rolle schon, aber keine bedeutende. Wissen Sie, heutzutage kann sich jeder Trainer so viel Information über seinen Gegner einholen wie er will. Die großen Mannschaften haben ja allesamt Spione, die eine Mannschaft von oben bis unten scannen. Hinzu kommen die unzähligen Stunden Videomaterial, die Spiel-Aufzeichnungen und die Taktikberichte, die einem Trainer in der Regel schon nach der Auslosung auf den Schreibtisch gelegt werden. Wir leben in einer gläsernen Zeit, auch im Fußball.

Ihren LandsmannLuka Modric jedenfalls dürfte Ancelotti auf der Rechnung haben.

Šuker: Das will ich ihm auch geraten haben. Luka hat zuletzt zwar ein kleines Tief durchgemacht, zur heißen Saisonphase läuft er aber regelmäßig heiß. Dieses Jahr wird es nicht anders sein, ganz besonders weil Real auf seine Form angewiesen ist. Gemeinsam mit Toni Kroos gibt er den Takt im Mittelfeld an und sorgt dafür, dass die BBC (Bale, Benzema und Cristiano, d.Red.) sich nur um die Tore kümmern muss. Und wenn auch Kovacic weiterhin seine Minuten bekommt, bin ich rundum zufrieden.

Und was sagt der ehemalige Topstürmer Šuker über Robert Lewandowski?

Šuker: Kann man bei Lewandowski denn zweierlei Meinung sein? In meinen Augen gehört er im Moment gemeinsam mit Luis Suárez zu den besten Stürmern der Welt. Seine Fähigkeit, mit dem Rücken zum Tor zu spielen, Bälle zu halten und sich in das Offensivspiel einzugliedern sind einfach unglaublich. Und über seinen Riecher brauchen wir gar nicht erst zu reden. Ein Top-Mann.

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So einen könnten die Löwen auch gebrauchen.

Šuker (lacht): In der Tat. Wissen Sie, es tut mir sehr leid, dass es 1860 Jahr für Jahr nicht schafft, wieder in die Bundesliga aufzusteigen. Dieser Verein hat ein so enormes Potenzial und ist nach wie vor in meinem Herzen, aber soll ich Ihnen mal etwas sagen?

Bitte!

Šuker: Wenn Menschen bei einem Verein an die Macht kommen, die mit der Kultur des Klubs nicht vertraut sind, dann wird es ganz schwierig. 1860 ist das beste Beispiel dafür, wie es mit Investoren laufen kann. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihnen von Herzen das Beste zu wünschen.

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Interview: José Carlos Menzel López

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