Vom Abgeschobenen zum Nationalspieler

Rummenigge: "War ein Fehler, ihn gehen zu lassen"

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Auch beim Testspiel gegen England Ende März 2015 trug Roberto Soriano (r.) das Trikot der "Squadra Azzurra".

München - Es kommt selten vor, dass dem FC Bayern ein Topspieler durch die Lappen geht - vor allem, wenn er mehrere Jahre in der eigenen Jugend ausgebildet wurde. Bei einem italienischen Nationalkicker ist dies aber der Fall, Rummenigge räumt Fehler ein.

Natürlich kann es passieren, dass Fußballer erst ab einem gewissen Alter eine Qualität erreichen, die sie zu den Topspielern Europas gehören lässt. Doch in Zeiten, in denen bereits Zehnjährige gescoutet werden und sich Weltklubs wie Real Madrid monatelang um die Dienste eines 16-Jährigen bemühen, dürfte eigentlich kein hochbegabter Jungkicker mehr durchs Talenteraster fallen. Noch dazu, wenn er tagtäglich auf dem Vereinsgelände trainiert und bereits das Klubtrikot trägt.

Allerdings kommt ein solcher Lapsus in den besten Familien vor - auch beim FC Bayern, wie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in einem aktuellen Interview mit der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" eingeräumt hat. "Es war vielleicht ein Fehler, ihn gehen zu lassen", gibt sich der Bayern-Boss leicht zerknirscht: "Wir haben ihn wohl unterschätzt."

"Es war mein Traum, bei Bayern groß rauszukommen"

Karl-Heinz Rummenigge.

Worum geht's? Vor allem: um WEN? Die Rede ist von Roberto Soriano. Der in Darmstadt geborene Sohn italienischer Einwanderer kam 2006 als damals 15-Jähriger in die Jugendabteilung des deutschen Rekordmeisters, ergatterte einen der begehrten Plätze im Internat an der Säbener Straße. Doch im Januar 2009 verließ Soriano den FC Bayern wieder und wechselte in das Heimatland seiner Eltern zu Sampdoria Genua in die Serie A - auch, weil ihm der damalige Bayern-Stürmer Luca Toni den ligurischen Verein empfahl.
Soriano galt damals als einer der begabtesten Mittelfeldspieler seiner Generation, in München sah er jedoch keine Zukunft mehr. "Es war mein großer Traum, bei den Bayern groß rauszukommen, aber ich hatte das Gefühl, dass der Verein nicht auf mich zählt", erklärte der inzwischen 24-Jährige damals in einem Interview gegenüber spox.com. "In München hätte ich höchstens hin und wieder mal bei der zweiten Mannschaft dabei sein dürfen, bei Sampdoria hingegen bekam ich gleich einen Profivertrag und trainierte mit Antonio Cassano und den anderen Topspielern."

Allerdings gelang dem dribbelstarken Offensivspieler auch in Genua nicht sofort der Durchbruch, er durfte zunächst nur in der zweiten Mannschaft ran. Im Sommer 2010 wurde er für eine Spielzeit an den Zweitligisten FC Empoli ausgeliehen, nach seiner Rückkehr blieb er allerdings in der Serie B - Sampdoria war inzwischen abgestiegen.

Mihajlovic verhilft Soriano zum Durchbruch

Sorianos Stern glühte erst so richtig hell, als Sinisa Mihajlovic das Traineramt in Genua übernahm. Der ehemalige serbische Nationalcoach setzte den Schwerpunkt auf die Offensive und brachte so Sorianos Stärken im rechten offensiven Mittelfeld erst richtig zur Geltung.

Inzwischen hat er es bis in die italienische Nationalmannschaft geschafft, debütierte im November 2014 im EM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien (1:1). "Manche junge Spieler verändern sich noch, wenn sie älter und erfahrener werden", beurteilt Rummenigge inzwischen Sorianos Entwicklung.

Die verfolgen auch andere Topklubs: Soriano soll das Interesse der großen italienischen Vereine AC Mailand und Juventus Turin geweckt haben, in Spanien haben angeblich Atletico Madrid und der FC Valencia ihre Fühler ausgestreckt und auch mit Schalke 04 wird der Deutsch-Italiener in Verbindung gebracht. "Die Bundesliga reizt mich. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht so wäre", kann sich Soriano eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen.

Und Rummenigge? Gibt sich selbstkritisch: "Es ist nicht gesagt, dass wir in allem die Besten sind..."

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