Beginn einer neuen Zeitrechnung?

“Die Ansprache hat echt gesessen“: Das sagen andere FCB-Mitglieder zur Brandrede

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Den Bayern-Bossen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß wird derzeit Kopfzerbrechen bereitet.

Es ist keine zwei Jahre her, da umschrieb Uli Hoeneß den Status quo an der Säbener Straße uns gegenüber: „Der FC Bayern ruht in sich selbst“. Gut 20 Monate später klingen die Worte des FCB-Präsidenten ein wenig anders.

München - „Ich hoffe, dass es sich wieder ändert. Sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern“, meinte Uli Hoeneß vergangenen Sonntag, zwei Tage nachdem er bei der Jahreshauptversammlung in bisher undenkbarer Art und Weise kritisiert worden war – und zwar nicht von Journalisten oder Klubrivalen, sondern von einem Mitglied seines FC Bayern. Aus seiner rotweißen Familie. Hat die Revolution begonnen?

Auf dem Platz ist sie (endlich) in vollem Gange. Am Sonntag bestätigte Arjen Robben, dass dieses Jahr sein letztes im Dress des Rekordmeisters sein wird. Gestern fügte er hinzu: „Es kann sein, dass ich ganz aufhören werde. Es kann aber auch gut sein, dass ich noch weitermache, wenn sich etwas richtig Schönes und Interessantes ergibt.“ Für Linkspendant Franck Ribéry ist am Ende der Saison „sehr wahrscheinlich“ (Hoeneß) auch Schluss, damit sich die jungen Wilden um Kingsley Coman, Serge Gnabry oder Alphonso Davies endlich austoben können.

FC Bayern: So viel Rauch lag noch nie über der Allianz Arena

Bleibt nur die Frage: Kommt es demnächst auch zum Umbruch in der Chefetage – oder machen Karl-Heinz Rummenigge und Hoeneß trotz des immer stärker werdenden Gegenwindes weiter? „Ich werde in aller Ruhe die nächsten Wochen und Monate beobachten (…) und entscheiden, was ich will und was nicht“, sagte der FCB-Präsident. Rummenigge sieht sich nach eigener Aussage nicht auf dem Präsidentenposten, alles weitere müsse er mit seiner Frau besprechen.

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Fakt ist: So viel Rauch wie im Moment lag bislang noch nie über der Allianz Arena. Los ging es mit der legendären Wut-PK, bei der Uli Hoeneß Journalisten als „Schlaumeier“ beschimpfte, die Leistungen von Ex-Spielern als „Scheißdreck“ abstempelte – und das kurz nachdem Rummenigge auf das Grundgesetz verwiesen hatte. Die Bosse entschuldigten sich für den Auftritt, Ruhe kehrte aber aufgrund der sportlichen Krise und dem Ärger um die Tribünenverbannung von Ehrenspielerführer Paul Breitner nicht ein. So triumphal Hoeneß’ Rückkehr bei der JHV 2016 war, so demütigend war die Bachmayr-Brandrede 2018. Hoeneß gab zu, dass sie ihn getroffen habe. Vor dem Hintergrund, dass 2019 Neuwahlen des Präsidiums anstehen, dürften ihm Bachmayrs Worte besonders zu denken geben. „Ich habe keine Angst vor der Zukunft“, meinte auch Rummenigge. „Ich war immer ein Mensch, der versucht hat, modern und innovativ zu denken. Bayern München ist sehr gut aufgestellt.“ Die Frage ist, ob die Mitglieder das auch so sehen. Und wann es Zeit wird, jungen Wilden wie Oliver Kahn das Zepter zu übergeben. Eins ist sicher: Der FCB ruht nicht mehr in sich selbst. 

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FC Bayern: Das denken andere Mitglieder über Uli Hoeneß

Hoeneß tut sich keinen Gefallen: Hoeneß tut sich selbst keinen Gefallen, wenn er weiterhin als Präsident kandidiert. Sein Engagement für den Verein darf niemals in Vergessenheit geraten, dennoch kann ich Bachmayr in vielen Punkten recht geben. Die Ansprache hat echt gesessen. Ich fand es mutig, in der Öffentlichkeit solche Kritik an Hoeneß zu üben, den das wohl hart getroffen haben dürfte. Ich bin sehr gespannt, welche Lehren er in nächster Zeit daraus zieht. Was mir dagegen massiv auf mein Nervenkostüm geht, ist das permanente Rumgehacke auf Niko Kovac. Ich für mich kann nur sagen, dass ich hinter unserem Trainer stehe! 

Vanessa Dieno (25), Mitgliedsnr. 120698

Vanessa Dieno.

Frischer Wind wäre ganz gut: Bachmayr hat vielen Fans aus der Seele gesprochen. Sein Ton war scharf - dass Hoeneß sich erst mal nicht äußern wollte, zeigt jedoch, dass er mit vielem ins Schwarze getroffen hat. Ich kann mir vorstellen, dass er Hoeneß zum Nachdenken angeregt hat. Dennoch bleibt er Mr. FC Bayern. Er hat den Verein zu dem gemacht, was er heute ist. Die Wut-PK war sehr überzogen, dennoch kann Hoeneß das noch ein paar Jahre machen. Über frischen Wind, der den FCB der Zukunft mit neuen Ideen gestaltet, wäre ich allerdings auch nicht abgeneigt. 

Oliver Conle (21), Mitgliedsnr. 127904

Uli muss die Kritik hinnehmen: Mit Bachmayr hat endlich jemand das ausgesprochen, was der ein oder andere Fan schon länger denkt. Die öffentliche und weitestgehend wohl auch wahrheitsgetreue Kritik muss Hoeneß erst mal so hinnehmen - dass sich die angesprochenen Kritikpunkte dadurch grundlegend ändern, bezweifle ich allerdings. Dennoch hat der Präsident den FCB jahrzehntelang geprägt und zu einem der weltbesten Vereine gemacht. Auch wenn es in der Liga hakt, sollte der komplette Verein hinter seinem Präsidium stehen. Hoeneß wird schon selbst wissen, wann die Zeit gekommen ist, um abzutreten. 

Sandro Giovannini (30), Mitgliedsnr. 130702

Jeder macht Fehler...: Dass sich jemand wie Bachmayr hinstellt und eine solche Kritiksalve abfeuert, hat mich überrascht. Über manche Punkte wie zum Beispiel Katar lässt sich streiten, handfeste Fakten waren aber wenige dabei. Auch die Causa Breitner rückt immer mehr in ein anderes Licht. Ich muss sagen, dass ich mit dem Vorstand und Präsidium des Klubs zufrieden bin. Auch ich habe eine Firma und mache Fehler, deswegen gestehe ich diese auch anderen ein. Wichtig ist, dass man aus ihnen lernt. Ist dem so, hätte ich auch nichts dagegen, wenn Rummenigge und Hoeneß weitermachen sollten. 

Manfred Strasser (46), Mitgliedsnr. 39676

Video: So reagiert Uli Hoeneß auf die Rede von Johannes Bachmayr

Lop, Jau

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