"GemeinwohlAtlas 2015"

Kein Anstand? FC Bayern schneidet in Studie schlecht ab

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Zwei der vier Herren aus Bayerns Führungsriege sind vorbestraft - Grund für schlechten Wert in Sachen Anstand und Moral?

München - Fußballvereine sind wichtig für die Gesellschaft und tragen zum Gemeinwohl bei - der eine Klub mehr, ein anderer weniger. Im Vergleich zur Bundesliga-Konkurrenz schneidet der FC Bayern in einer neuen Studie schlecht ab.

Der FC Bayern polarisiert - entweder man liebt den erfolgreichsten deutschen Klub, oder man hasst ihn. Dazwischen gibt es eigentlich nichts. Die Grenze zwischen "Mia san Mia" und "Ihr seid Großkotz" ist klar definiert - allerdings immer auch zu 100 Prozent subjektiv gesetzt.

Den gesellschaftlichen Wert eines Fußballvereins beziehungsweise seine Bedeutung für das Gemeinwohl erstmals objektiv zu messen - diese Aufgabe haben sich die HHL Leipzig Graduate School of Management und die Hochschule St. Gallen vorgenommen. Die Ergebnisse haben sie nun im sogenannten "GemeinwohlAtlas2015" veröffentlicht - und der FC Bayern hat im Vergleich zur nationalen Konkurrenz das Nachsehen.

Fußballklubs tragen zum Gemeinwohl bei - Dortmund aber mehr als die Bayern

7802 Bürger, die in Deutschland wohnen und zwischen 19 und 91 Jahren alt sind, wurden befragt. Sie sollten 127 Unternehmen und Organisationen, darunter auch die sechs Bundesliga-Klubs FC Bayern, Borussia Dortmund, FC Schalke 04, Bayer Leverkusen, Werder Bremen und Hamburger SV, nach den vier Kriterien Lebensqualität, Aufgabenerfüllung, Zusammenhalt und Moral auf einer Skala von 1 bis 6 (Bestnote) bewerten (zur genauen Bedeutung der einzelnen Kriterien). Der Mittelwert für jedes Unternehmen ergab dann dessen Bedeutung für die Gesellschaft beziehungsweise für das Gemeinwohl.

Spitzenreiter der Studie sind die Feuerwehr (Wert 5,72), das Technische Hilfswerk (5,45) und der Weiße Ring (5,22). Doch auch die Bundesligavereine bekommen insgesamt gute Werte. "Fußball entfaltet für viele Menschen eine Kraft, die verbindet und tief in die Gesellschaft hineinwirkt. Fußballklubs tragen effektiv zum Gemeinwohl bei", erklärt Studienleiter Prof. Dr. Timo Meynhardt.

Allerdings ist das Abschneiden der einzelnen Klubs unterschiedlich. Die besten Werte erhält Borussia Dortmund (Durchschnittswert 4,13, Platz 38 in der Gesamtwertung). Der BVB besticht vor allem bei den Kriterien Aufgabenerfüllung und Moral. Der FC Bayern (Mittelwert 3,60) kommt unter den Fußballvereinen nur auf Platz 3, noch hinter Bayer Leverkusen (3,73), aber vor Werder Bremen (3,58), Schalke 04 (3,54) und dem Hamburger SV (3,01).

"Der FC Bayern wird in der Anstandsdimension sehr kritisch betrachtet"

"Bemerkenswert ist, dass auch hier der FC Bayern am stärksten polarisiert. Im Kerngeschäft leistet der Klub die beste Arbeit von allen, wird aber in der Anstandsdimension sehr kritisch betrachtet", so Meynhardt. Heißt: Der Grund für das schlechte Abschneiden im vergleich zur Konkurrenz ist der schlechte Wert in Sachen Moral. Je moralisch wertvoller und damit anständiger sich ein Unternehmen verhält und so dem Individuum ein positives Selbstwertgefühl ermöglicht, desto höher der Wert. Im Umkehrschluss bedeutet das also, dass die Befragten das Verhalten des FC Bayern als wenig moralisch beziehungsweise nicht anständig empfinden.

Ob die Haftstrafe für Ex-Präsident Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung damit zu tun hat? Auch Karl-Heinz Rummenigge, aktueller Vorstandsvorsitzender des Rekordmeisters, ist vorbestraft wegen nicht verzollter Luxusuhren. Und im Aufsichtsrat sitzt nach wie vor Martin Winterkorn, wegen des Abgasskandals zurückgetretener Ex-Vorstand des Volkswagen-Konzerns. Vorbilder für Moral und Anstand sehen sicherlich anders aus.

Auch bei den Kriterien Zusammenhalt und Lebensqualität der Gesellschaft ist beispielsweise der BVB dem FC Bayern in der Umfrage weit voraus, wohl auch dank seiner gemeinnützigen Stiftung "Leuchte auf".

Die Bayern-Fans wird das allerdings wenig kümmern, solange ihr Klub Titel um Titel abräumt. Um das "Mia san mia" zu erschüttern, braucht es wohl mehr als eine Studie ...

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