Akzeptanz bei Politik und Fans

Bayerns neuer Partner: Dialog statt Boykott

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Titelverdächtig: Die Bayern legen immer größeren Wert darauf, auch in der arabischen Welt die Schlagzeilen zu erobern.

München – Der neueste Partner des FC Bayern im Emirat Katar löst nicht nur Begeisterung aus. Die Begründung der Münchner wird aber von vielen Seiten akzeptiert.

Es war ein Blitztermin vor Ort: Dienstag hin, Mittwoch Pressekonferenz, direkt im Anschluss Rückflug in die Heimat. Für diese neue Partnerschaft hat Karl-Heinz Rummenigge viel auf sich genommen, denn sie wurde fern von München bekanntgegeben: Der „Hamad International Airport“ gehört ab jetzt zu den sogenannten „Platinum-Partnern“ des FC Bayern. Ein Deal mit dem Wüstenemirat, an dem sich die Geister scheiden: Ist der FC Bayern nun endgültig abgehoben?

Eine Art Absolution erteilte Frank-Walter Steinmeier bereits am Tag der Bekanntgabe der Liaison. Via „Bild“ erklärte der Bundesaußenminister, dass Katar in Deutschland ein starker Investor sei. Da „ausschließlich wirtschaftliche Beziehungen zwischen dem FC Bayern und katarischen Unternehmen betroffen sind“, sei „dagegen aus außenpolitischer Sicht nichts einzuwenden“, fand der SPD-Politiker.

Großer Bahnhof am Flughafen: Die Bayern-Delegation gestern in Katars Hauptstadt Doha um Karl-Heinz Rummenigge (r.), Lena Lotzen und Franck Ribery.

Im Verein selbst ist man da nicht so blauäugig, zu glauben, dass es für diese Kooperation trotzdem keine Schelte geben wird. Seit sechs Jahren beziehen die Bayern bereits ihr Winterquartier in Doha, und Kritik war ein treuer Begleiter. Man hat intern darauf reagiert, bemüht sich um einen feinfühligeren Umgang mit der sensiblen Gemengelage. Zuletzt gab es dabei sogar einen durchaus überraschenden Flankenschutz: nämlich von Amnesty International. „Doch, die Bayern können schon nach Katar fahren. Amnesty ruft nicht zu Boykotts von Trainingslagern in diesen Ländern auf“, sagte Regina Spöttl im „Spiegel“. Ihre Bedingung: „Der FC Bayern sollte unbedingt auch hinter die Kulissen blicken.“

Beim jüngsten Trainingslager verzichteten die Bayern auf Symbolpolitik, der soziale Aspekt, meinte Rummenigge gestern, solle aber in Zukunft Teil der Partnerschaft sein. Man wolle in Katar „den Dialog über gesellschaftspolitisch kritische Themen fördern“.

Mit Lena Lotzen in Katar: Feigenblatt – und auch ein Anstoß

Das sind Worte, an denen sich der Klub in Zukunft messen lassen muss. Zum offiziellen Start der Zusammenarbeit war neben dem Klubchef und Franck Ribery auch Nationalspielerin Lena Lotzen mitgeflogen. Das geschah auf ausdrücklichen Wunsch der Bayern, um die Stellung der Frau aus westlicher Sicht zu propagieren. Ein Feigenblatt, freilich, aber auch ein Anstoß.

„Ich bin überzeugt, dass es nur durch Dialog ein besseres Verständnis füreinander und Willen für Veränderungen geben kann“, sagte Rummenigge gestern in Doha, „man kann nur gemeinsam vorankommen, nur, wenn man miteinander spricht anstatt übereinander.“ Nicht bloß Flughäfen würden Menschen verbinden, so der Bayern-Boss, „sondern auch Fußball“. Er verwies dabei auf 13 verschiedene Nationen im aktuellen Kader der Münchner, auf die unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Sprachen.

Am Ende geht es – alles andere wäre Augenwischerei – aber natürlich ums Geschäft. Die Partnerschaft ist zunächst auf sieben Jahre terminiert, es soll sich um eine Platinum-Partnerschaft der finanzkräftigeren Sorte handeln, heißt es. In der Regel zahlen Sponsoren in diesem Pool zwischen drei und fünf Millionen Euro pro Jahr dafür, dass sie auf Werbetafeln sowie in der Arena ihr Logo zeigen dürfen. Das ist ein anständiger Betrag und kein exorbitanter – Bedenken, die UEFA könne wegen Verletzung des Financial Fair Plays vorstellig werden, sind also unnötig. Paris St. Germain steht auf dem Prüfstand der Kommissare, aber der französische Top-Klub kassiert ja 200 Millionen von seinem arabischen Sponsor.

„Es ist schön, es bringt Geld“, meinte Karl Hopfner über den Deal, der natürlich zuvor „im Aufsichtsrat diskutiert“ worden sei. Der Präsident musste sich gestern pikanterweise ausgerechnet bei der Eröffnung der Ausstellung über die Opfer des Nationalsozialismus beim FC Bayern in der Gedenkstätte Dachau zu dem Thema äußern. Auf die Frage, er könne doch nun die Sekunden zählen, ehe es Kritik hageln würde, reagierte er unwirsch: „Das weiß ich nicht. Jeder kann seine eigene Meinung haben.“ Er verwies auf Steinmeier, der es „gut dargestellt“ habe. „Es ist nun mal so, dass man im Dialog bleiben muss. Da gehört so etwas mit dazu.“ Er sehe da „kein Problem“. Es sei nur ein weiterer Werbevertrag „im Zuge unserer Internationalisierung“. Mehr gäbe es „nicht zu sagen“.

Die Bayern vertreten die Haltung, ein Boykott würde nichts bewegen und eher das Gegenteil bewirken – eine These, die der Branche nicht fremd ist, übrigens. „Man wird die Einhaltung von Menschenrechten nicht dadurch erreichen, indem man bestimmte Länder ignoriert und nicht mehr besucht“, sagt etwa Liga-Chef Reinhard Rauball, selbst Sylvia Schenk von „Transparency International“ meinte auf einer Podiumsdiskussion dieser Tage, „allein durch die Vergabe der WM 2022 werde ja auf die Lage hingewiesen, die sonst wohl nie die breite Masse interessiert hätte“. Katar „bewege sich langsam“, so ihr Fazit.

Fanclub „Nummer 12“ wünscht fundierte und sachliche Debatte

Die Außenwelt wird dieser Deal sicher spalten. In den sozialen Netzwerken wurde dem Unmut freier Lauf gelassen, das war vorhersehbar. Doch es gab differenzierte Reaktionen. Bayerns Fan-Vereinigung „Club Nummer 12“ tat in einer Erklärung zwar auch „seine Verwunderung über die neue Partnerschaft“ kund. Das Schreiben sei aber noch nicht als kategorische Protestnote zu verstehen, so die Anhänger. Man werde sich bis zu einem Treffen im März ausführlich mit der genauen Nachrichtenlage auseinandersetzen, hieß es, um dann „die Debatte auf eine sachlichere und fundiertere Ebene zu verschieben“. Es sei „unstrittig, dass für den FC Bayern bei der Wahl seiner Partner nicht ausschließlich wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen dürfen.“ Man sei „jedoch überzeugt, dass diese Haltung auch in der Vereinsführung so geteilt“ werde.

Das Statement der Fans ist – mit Blick auf die Frage, ob der FC Bayern mit dem Deal endgültig abgehoben ist – jedenfalls mal wohltuend geerdet.

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