Schwankender Münchner Patron?

FC Bayern schlingert seit der Hoeneß-Rückkehr: Der Kurs zeigt nach unten

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Darf sich Uli Hoeneß auf eine hitzige Jahreshauptversammlung des FC Bayern gefasst machen? Die sportliche Situation ist nicht gerade berauschend.

Die Verdienste von Uli Hoeneß für den FC Bayern? Unbezahlbar! Allerdings: Vor der Jahreshauptversammlung am Freitag gibt es aus Fan-Reihen so viele Anti-Hoeneß-Stimmen wie wohl nie zuvor.

Update vom 30. November 2018: Die JHV findet ohne Trainer und Spieler statt. Warum Niko Kovac und die Mannschaft nicht im Audi Dome sind, erfahren Sie im Live-Ticker zur Jahreshauptversammlung 2018 des FC Bayern München.

München - Vor allem in den sozialen Medien ist eine Tendenz zu erkennen: Die Fans kritisieren das Tun und Handeln von FC Bayern-Patron Uli Hoeneß scharf. Kommt es am Freitag also zur Hoeneß-Revolte im Audi Dome? Oder darf sich der polarisierende FCB-Boss einmal mehr unter Jubel-Arien feiern lassen? Wir beleuchten die Hoeneß-Auftritte und Aktionen seit seiner Rückkehr als Präsident im November 2016. Fest steht: Der Kurs zeigt nach unten – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung und bei einigen Fans. Wir zeigen, warum:

Der FC Bayern seit der Rückkehr von Uli Hoeneß

25. November 2016: Uli Hoeneß wird nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung unter tosendem Applaus zum Präsidenten wiedergewählt. Bei seiner Antrittsrede sagt er unter anderem zu den Fans: „Ich bitte Sie um eine zweite Chance. Ich verspreche, ich werde Sie nicht enttäuschen. Die Fähigkeit, Probleme anzusprechen, sie schläft nicht, sie ruht und sie kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen.“ Der erste Warnschuss der Abteilung Attacke folgte umgehend, als Hoeneß RB Leipzig neben Dortmund als „Feind“ bezeichnete.

27. November 2016: Hoeneß rudert nach seiner Feind-Aussage zurück: „Das Wort würde ich auch nie mehr benutzen. Feinde gibt es nur im Irak oder Syrien, aber nicht im Fußball.“ In seiner Euphorie hab der FCB-Präsident „natürlich ein völlig falsches Wort gesagt.“ Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass Hoeneß eine Aussage bereut...

Februar 2017: Hoeneß wird als Vorsitzender des Aufsichtsrats wiedergewählt – und hat nun seine komplette Macht zurück. Umgehend legt der Präsident sein Veto ein, Philipp Lahm als Sportvorstand nach der Saison zu installieren. Der sagt daraufhin auch als Sportdirektor ab.

Uli wollte Kalle die Kugeln zum Schießen reichen - aktuell schießt nur Hoeneß.

März 2017: Im Gespräch mit der tz spricht Hoeneß vielenFans aus der Seele, kündigt an, Transfers reduzieren und künftig wieder eigene Spieler entwickeln zu wollen. Zur damals vakanten Sportdirektoren-Position hält er sich bedeckt.

Mai 2017: Hoeneß erklärt die Lahm-Posse. Danach sickerte durch: Rummenigge wollte Lahm unbedingt, Hoeneß lieber Max Eberl. Am Ende wurde es bekanntlich Hasan Salihamidzic als kleinster gemeinsamer Nenner.

Mehr zum Thema: So sehen Sie die JHV 2018 beim FC Bayern München im Live-Stream

Juli 2017: Im Rahmen der Asien-Reise verbiet Hoeneß Ex-FCB-Vorstand Matthias Sammer den Mund. Der hatte in seiner Rolle als Eurosport-Experte unter anderem Carlo Ancelotti für dessen Umgang mit Thomas Müller kritisiert: „Ich würde dem Matthias dringend raten, in seinem neuen Job relativ wenig über den FC Bayern zu reden.“

September 2017: Ancelotti muss gehen, Hoeneß tritt regelmäßig nach. Sagt unter anderem: „Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben. Ich habe in meinem Leben einen Spruch kennengelernt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste. Deswegen mussten wir handeln.“ Carletto verabschiedete sich stilvoll via Twitter: „Es war eine Ehre, Teil der Geschichte der Bayern zu sein. Danke an den Klub, die Spieler und die grandiosen Fans. Ciao.“

Oktober 2017: Jupp Heynckes übernimmt wieder in München – auch dank seiner innigen Freundschaft zu Uli Hoeneß. Der Präsident weiß, dass ihm mit dem Jupp-Comeback ein absoluter Coup gelungen ist.

November 2017: Uli und Kalle demonstrieren auf der JHV die große Harmonie der FCB-Alphatiere. Hoeneß kündigt an: „Im Moment schießt nur eine Kanone –und die heißt Karl-Heinz Rummenigge. Hasan und ich stehe voll hinter ihm und reichen ihm die Kugeln.“ Ein Jahr später wirken diese Worte wie eine Farce. Hoeneß ist wieder der alleinige Lautsprecher des Klubs.

Trainerfrage beim FC Bayern: Uli Hoeneß verliert eine Menge Zeit

Dezember 2017: Hoeneß kämpft um einen Heynckes-Verbleib, sogar Jupp ist das unangenehm. Die Bosse verlieren so wichtige Zeit, um eine große Trainerlösung zu finden. Unter anderem will Hoeneß Thomas Tuchel nicht.

Seit der Rückkehr von Uli Hoeneß auf den FC Bayern-Thron ist die Aktie des Vereins am Sinken.

April 2017: Die Bosse einigen sich auf Niko Kovac als neuen FCB-Trainer.

Juni 2017: Hoeneß findet es angemessen, DFB-Direktor Oliver Bierhoff während der WM anzurufen, um Einfluss auf die Aufstellung zu nehmen.

Juli 2017: In Deutschland flammt wegen Özil eine Rassismus-Debatte auf. Hoeneß möchte diese auf seine ganz eigene Art und Weise entschärfen und sagt: „Özil hat seit Jahren einen Dreck gespielt.“ Ein paar Monate später gesteht der Bayern-Patron ein: „Ich hätte nicht Dreck, sondern Mist sagen sollen.“

Oktober 2018: Mittlerweile befindet sich der FC Bayern in der Krise und Niko Kovac unter Beschuss. Hoeneß schützt seinen Trainer, will ihn „bis aufs Blut verteidigen“.

Oktober 2018: Die legendäre Wut-PK findet auf Initiative von Hoeneß statt. Der schimpft nicht nur auf die Medien, sondern auch auf Ex-Spieler Juan Bernat. Der sei in Sevilla fast alleine dafür verantwortlich gewesen, dass der Klub aus der CL ausgeschieden sei. Einige Wochen später bereut Uli auch diese Aussage: „Es hat mir sehr leidgetan, Juan Bernat beleidigt zu haben, seine Spielweise, das würde ich so nicht mehr machen.“

November 2018: Hoeneß rückt nach dem 3:3-Remis von Kovac ab, sagt: „Wir müssen alles hinterfragen.“

November 2018: Hoeneß lässt Paul Breitner nach dessen Kritik an der Wut-PK beide Dauerkarten entziehen. Kurz darauf lässt der Klub via Spiegel und Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen mitteilen, dass das der gesamte Verein wollte – nicht nur Hoeneß. Die Fans gehen trotzdem auf die Barrikaden.

Uli Hoeneß lieferte bei der JHV 2007 des FC Bayern München eine legendäre Wutrede. Wir zeigen die Rede bei der Jahreshauptversammlung in Text und Video.

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