Pep rotiert mit Erfolg

Rode zeigt: Der zweite Bayern-Anzug sitzt

Debütanten-Trio: Vidal und Coman (r./M.) schossen ihre ersten Bayern-Tore, Rode traf zum ersten Mal in dieser Saison.dpa

Darmstadt - Pep Guardiola hat vor den schwierigen Spielen in den kommenden Wochen gegen Darmstadt kräftig rotiert. Besonders bei Sebastian Rode hat das gefruchtet.

Sie haben diese wunderbare kleine Reise alle gemeinsam gemacht. Alle bis auf den angeschlagenen Robert Lewandowski waren in Darmstadt gewesen, an diesem Ort, an dem „der Platz, die Kabine, die Atmosphäre einfach Fußball sind“, wie Bayern-Trainer Pep Guardiola nach dem 3:0 gegen den Aufsteiger feststellte. Und trotzdem interessierten nach der Partie nicht die üblichen Verdächtigen. Philipp Lahm, Manuel Neuer, Jerome Boateng – sie alle marschierten aus den Katakomben in Richtung Bus, ohne überhaupt angesprochen worden zu sein. Reden mussten diesmal andere. Die, die sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatten. Aber ab jetzt ganz offiziell „Mentalitäts-Monster“ sind.

Matthias Sammer hatte diesen Begriff, den er selbst „ein bisschen komisch“ fand („oder nein doch nicht, sonst wäre er mir ja nicht eingefallen“), in den Raum geworfen und vor allem den Debütanten Joshua Kimmich sowie Sebastian Rode gemeint, dem neben dem Treffer zum 3:0 auch die Vorlage zum 2:0 gelungen war. Kimmich hatte vor der Abwehr eine solide Partie abgeliefert und nach eigenen Angaben „Gas gegeben, um dem Trainer zu zeigen, dass er auf mich zählen kann“. Rode hingegen, der bis dato in der laufenden Saison gerade mal acht Minuten auf dem Platz gestanden hatte, war gleich zum Mann des Tages avanciert. Sammer verglich ihn noch vor Ort mit „Spielern wie Hasan Salihamidzic und Jens Jeremies. Ein Verein braucht diese Profis. Ich freue mich, dass er diese Tradition fortführt. Er ist ein Element, das alles zusammenhält.“

Es war durchaus passend, dass Rode erst vergangene Woche zugegeben hatte, sich mangels Perspektive im Sommer zumindest kurzzeitig mit einem Abgang beschäftigt zu haben – und sich nun auf diese Weise zurückmeldete. Erstmals war der 24-Jährige, der zwei Jahre in der Darmstädter Jugend gespielt hatte, an zwei Toren der Bayern beteiligt. „Auf so eine Chance musste ich warten. Und ich habe heute gezeigt, dass ich es auch kann“, sagte er. Zwar habe sich „noch kein Frust angesammelt“, es sei aber doch „schön, dass sich die Geduld nun augezahlt hat“. Wie sehr sich die Mannschaft und auch Guardiola mit ihm freute, hatte man schon gesehen, nachdem er das 2:0 für Kingsley Coman (ein weiteres Premieren-Tor eines Startelf-Debütanten) aufgelegt hatte. Als Rode dann eine Minute später selbst traf, wurde er „von allen geherzt“. Und die Monster-Ansage war perfekt.

Vier Zweier, eine Vier: Bilder und Noten zum Bayern-Sieg bei Darmstadt

Der Sieg in Darmstadt war verdient, weil die Bayern ihr Spiel komplett anders aufzogen als noch vor zwei Wochen beim glücklichen 1:0 gegen Augsburg. Arturo Vidal gelang schnell das 1:0 (noch ein Premieren-Tor, 98-Trainer Dirk Schuster: „Sonntagsschuss“), danach spielte Darmstadt gut mit, Bayern aber ließ nicht locker. Weil eben Spieler in der Startelf standen, die sich unbedingt beweisen wollten. Für die kommenden harten Wochen könnte das der Schlüssel zum Erfolg sein.

Auf fünf Positionen hatte Guardiola sein Team im Vergleich zum Sieg in Piräus verändert. Neben Lewandowski (am Montag wieder im Mannschaftstraining) durften Lahm, Xabi Alonso, Thiago (Sammer: völlig entkräftet) und Thomas Müller pausieren. Dass er dabei schon an das am Dienstag anstehende Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg gedacht habe, bestritt der Coach. „Keine Sekunde!“, sagte er. Er sei einfach der Meinung gewesen, „dass wir rotieren müssen. Ich vertraue allen Spielern, deshalb ist das kein Problem für mich.“ Das Experiment war ja auch gelungen.

Vidal, Coman, Rode in der Liste der Torschützen, dafür aber kein Müller – das las sich ungewöhnlich. „Wir wussten aber schon vorher, dass auch andere treffen können“, sagte der bisher beste Torschütze. Eine Pause sei für ihn an diesem Tag besser gewesen als ein weiteres Tor. „Und wir müssen ja auch schauen, dass jeder Spieler den Spaß behält. Egal wer bei uns reinkommt, der gibt immer alles“, sagte Müller anerkennend.

Bewährt hatten sich übrigens alle Edel-Reservisten – außer Mario Götze. Der machte eine vergleichsweise schwache Partie. Aber er hatte Glück, dass auch er nicht sprechen musste. Es gab andere Figuren, die diese kleine wunderbare Reise in die Fußball-Vergangenheit geprägt hatten. Als Sebastian Rode endlich am Bus ankam, war sein Mund nahezu ausgetrocknet.

Das Spiel Darmstadt gegen FC Bayern im Live-Ticker zum Nachlesen.

von Hanna Schmalenbach

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