Alzheimerdiagnose beim Bomber der Nation

Maier über Müller: "Ein Hellseher auf dem Platz"

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Freunde fürs Leben: Sepp Maier und Gerd Müller (r.).

München - Die Nachricht von der Alzheimer-Erkrankung Gerd Müllers hat nicht nur die Bayerns-Fans schockiert, sondern auch seine ehemaligen Mitspieler. Sepp Maier spricht über seinen Freund und langjährigen Teamkollegen.

Es ist genau fünf Jahre her, da sah man Gerd Müller noch einmal in der Rolle, die ihn stets ausgemacht hat. In einem Werbespot schleicht er sich auf stillen Fußballsohlen an einem gewissen Thomas Müller vorbei, gerade WM-Torschützenkönig, aufstrebender Bayernstürmer mit frechem Schnabel. Der Altstar stibitzt dem jungen Wilden seine Schoko-Milch. Motto: Dem Gerd, dem macht keiner was vor. Der Gerd, der kann’s noch immer. Seither ist es ruhig geworden um den Mann, der schon immer lieber seine Ruhe wollte.

„Wir Spieler haben uns nach dem Training noch mal auf ein Bier getroffen, sind mal zum Fasching gegangen oder so. Aber der Gerd war nie dabei. Der hat trainiert, hat seine Aufgabe gemacht, aber dann ist er sofort heim gefahren“, sagt Sepp Maier, langjähriger Teamkollege und Freund des größten, besten, effektivsten deutschen Stürmers. Gemeinsam stehen sie für die glorreichste Zeit des FC Bayern und dominierten mit der Nationalelf den Weltfußball. Diese Generation mit Maier und Beckenbauer, Schwarzenbeck, Hoeneß oder Bulle Roth hat den FC Bayern auf eine höhere Stufe gestellt, sie bildete das Grundgerüst für den heutigen Erfolg. Und doch: Fragt man die Protagonisten von früher, so war es vor allem dieser Müller, dem man heute noch jeden Tag danken sollte. „Ohne Gerd wäre die Säbener Straße jetzt ein öffentlicher Bus-Parkplatz“, sagt Maier. Laut Franz Beckenbauer ist die FCB-Geschäftsstelle mittlerweile ein Palast – und wäre dieser Müller nicht gewesen, stünde da „noch immer eine Holzhütte“. Sie lobten und loben ihren Freund, der selbst nie viel reden wollte. Gerd wollte immer nur Fußball spielen.

Demenz bei Gerd Müller: Das sagen Hoeneß und Beckenbauer

1964 kam er als junger Bub aus Nördlingen zum FCB. Ein Mann mit viel Potenzial, was der damalige Trainer Cik Cajkovski allerdings nicht sofort ausschöpfte. Auf ein wenig Druck von Präsident Wilhelm Neudecker kam Müller schließlich zu seinen Spielanteilen – und wurde zum besten Angreifer, den Deutschland je hatte. Sepp Maier sagt: „Der Gerd hat das Gespür gehabt, er hat Spielsituationen vorausgeahnt. Er war ein Hellseher auf dem Platz.“ Und auch daneben, in kleiner, stiller Runde. Maier: „Er war ein super Kartenspieler! Im Schafkopfen hast du nie gegen ihn gewinnen können. Er hat alle Farben gewusst, alles, was gefallen ist und gespielt wurde.“ Der Torhüter verzweifelte am Kartentisch an diesem Müller, so wie viele andere Torhüter auf dem Feld.

Ende der 70er war für den Stürmer Schluss beim FC Bayern. Er fühlte sich zu wenig wertgeschätzt, ging den Weg in die USA, spielte drei Jahre lang in Florida. Als er wiederkam, schienen die Perspektiven verstrichen. Müller fand keine rechte Aufgabe nach der erfolgreichen Zeit im Strafraum des Gegners, das Nichtstun zermürbte ihn. Ein Ende dieser dunklen Jahre mit Alkoholsucht, Steuerschulden und Eheproblemen gab es erst, als der FC Bayern ihn wieder aufnahm. Müller wurde Torwart- und Stürmertrainer im Nachwuchsbereich, mit dem Erwerb der Trainer-A-Lizenz 1992 Co-Trainer der zweiten Mannschaft. Öffentliche Auftritte blieben selten. Sein Freund Sepp Maier sagt: „Der Gerd war kein Einzelgänger, aber er hat nur für seinen Sport gelebt, alles andere war ihm egal.“ An der Säbener Straße ist diese Zeit zu Ende, seine Freunde des FC Bayern aber werden weiter bei ihm sein.

Gerd Müller hat Alzheimer - Pressemitteilung im Wortlaut

Michael Knippenkötter

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