Nationalspielerin beendet Karriere

FCB-Star Simone Laudehr über ihren irren Trikot-Lupfer: „Vielleicht jubele ich zum Abschluss noch mal so“

Simone Laudehr zeigte beim Torjubel ihre Bauchmuskeln.
+
Mit diesem Torjubel wurde Simone Laudehr weltberühmt. Im WM-Finale 2007 köpfte sie das 2:0 gegen Brasilien - und zeigte anschließend ihren Waschbrettbauch.

Simone Laudehr beendet am Sonntag ihre Karriere. Im letzten Spiel mit dem FC Bayern geht‘s um den letzten fehlenden Titel - und einen legendären Torjubel.

  • Simone Laudehr läuft am Sonntag zum letzten Mal für die Frauen des FC Bayern auf.
  • Im letzten Spiel könnte die 34-Jährige zum ersten Mal Deutsche Meisterin werden.
  • Im tz-Interview spricht Laudehr über ihren Abschied und einen kuriosen Torjubel.

München - Jetzt fehlt nur noch das Happy End! Simone Laudehr bestreitet am Sonntag das letzte Spiel ihrer großen Karriere. Die 34-Jährige trifft mit dem FC Bayern am Campus auf Eintracht Frankfurt (14 Uhr, Magenta). Ein Unentschieden reicht, damit Laudehr nach der Weltmeisterschaft (2007), zwei Europameisterschaften (2009, 2013) und der Champions League (2015) auch noch den letzten fehlenden großen Titel gewinnt: die deutsche Meisterschaft. Das tz-Interview.

Frau Laudehr, am Sonntag gegen 15.50 Uhr ist es so weit: Ihre Karriere wird vorbei sein. Wie geht es Ihnen mit diesem Gedanken?
Laudehr: So richtig realisiere ich das wohl erst, wenn es wirklich vorbei ist. Ich war gefühlt 20 Jahre lang nur auf Tour. Seitdem ich 15 Jahre alt bin, bin ich immer unterwegs gewesen – mit dem Verein oder der Nationalmannschaft. Ich habe sehr schöne Momente verbracht, international jeden Titel gewonnen. Jetzt fehlt nur noch die Meisterschaft. Egal, ob ich diesen fehlenden Titel noch gewinne oder nicht, ich werde das alles erst mal in Ruhe verdauen müssen.
Sie sprechen es an: Ausgerechnet der Meistertitel fehlt noch in Ihrer beachtlichen Sammlung. Ein Unentschieden im letzten Spiel gegen Frankfurt würde dafür reichen.
Laudehr: Das wäre die perfekte Story! Aber Fußball bleibt Fußball – und der Fußball kann richtig mies sein. Ich denke ehrlich gesagt noch gar nicht so weit. Es wird ein schweres Spiel gegen Frankfurt, die haben gar nichts mehr zu verlieren. Ich will die verbleibende Zeit mit der Mannschaft einfach genießen. Wenn am Sonntag angepfiffen wird, geben wir 90 Minuten richtig Lack und versuchen, die Meisterschaft zu gewinnen. Völlig unabhängig vom Ausgang dieses Spiels, geht mein Leben danach weiter – mit meiner tollen Familie und einem tollen Job.
Erzählen Sie.
Laudehr: Für mich geht’s ab Juli wieder zum FC-Bayern-Museum in die Allianz Arena, dort habe ich schon mal ein Praktikum absolviert – und freue mich sehr auf meine Rückkehr dorthin. Ich werde mich vor allem um die Bereiche Marketing, Events und Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Ich bin dem Verein sehr dankbar, dass ich dort meine Berufserfahrung sammeln kann. Ich hatte sehr gute Gespräche mit Präsident Herbert Hainer.

FC Bayern: Laudehr erklärt ihr Aus - „Habe teilweise chronische Schmerzen“

Sie haben auch eine Trainerausbildung, zudem erste Erfahrungen in Spielanalyse und Scouting. Ist diese Richtung auch eine Zukunftsoption?
Laudehr: Als Leistungssportlerin bist du jahrelang total auf eine Sache fokussiert, deshalb finde ich es heute ganz schwer zu sagen, was ich wirklich machen will. Ich wäre gerne als Individualtrainerin und Videoanalystin beim Frauenteam geblieben, aber das hat leider nicht geklappt.
Warum haben Sie sich frühzeitig für ein Karriereende nach dieser Saison entschieden?
Laudehr: Aus körperlicher Sicht ist es der perfekte Moment, um aufzuhören. Ich habe teilweise chronische Schmerzen, habe mich nach einigen Verletzungen immer wieder durch die Reha gekämpft. Die Trainingssteuerung in den früheren Jahrzehnten war noch nicht so weit wie jetzt. Vom Kopf hätte ich schon noch ein Jahr spielen können, aber der Körper hätte das wohl nicht mitgemacht.
Der Kopf aber ist noch immer topfit?
Laudehr: In der letzten Woche gab es eine Trainingseinheit, bei der ich beim Aufwärmen gemerkt habe, dass mir alles weh tut. Dann haben wir ein Sieben-gegen-sieben gespielt und ich habe die Mädels mit Tiki-Taka zerlegt (lacht). Wenn es jeden Tag so wäre, würde ich gerne noch weitermachen. Irgendwann ist aber die Zeit gekommen, wo die jüngeren Spielerinnen die Verantwortung übernehmen müssen. Ich merke, dass die Mädels gar nicht wollen, dass ich meinen Spind ausräume und dass sie mich als Ansprechpartnerin behalten wollen.

FC Bayern: Laudehr begann im Dante-Stadion, sie verabschiedet sich am Campus

Schonte sich nie: Simone Laudehr (links) ging immer resolut in die Zweikämpfe.
Sie haben vor 18 Jahren Ihre ersten Schritte als Profi beim FC Bayern gemacht. Was hat sich seither beim Frauenfußball in München getan?
Laudehr: Heute gibt es den Campus, zig Trainingsplätze, Greenkeeper, ein wahnsinnig gutes und auf Leistungssportler abgestimmtes Essen. Wir haben alle Möglichkeiten zur Regeneration, können das Skills-Lab nutzen. Als ich angefangen habe, habe ich mit dem FC Bayern noch im Dante-Stadion trainiert. Da müsste ich im Museumsarchiv mal nachschauen, ob es davon Fotos gibt (lacht). Später in Aschheim hatten wir eine ganz süße Mitarbeiterin, die sich um uns junge Spielerinnen gekümmert und die Wäsche gemacht hat. Die Qualität des Platzes und der Infrastruktur war für damalige Verhältnisse okay, von der heutigen Situation aber Lichtjahre entfernt. Aber es geht immer noch besser. Wenn man sich Olympique Lyon, Paris Saint-Germain oder auch den VfL Wolfsburg anschaut, muss der FC Bayern noch mal nachjustieren – zum Beispiel in den Bereichen Videoanalyse und Physiotherapie. Wenn man die beste Mannschaft in Deutschland und Europa werden will, müssen die Voraussetzungen qualitativ nach oben geschraubt werden.
Der deutsche Frauenfußball hat zuletzt im internationalen Vergleich an Boden verloren. Wie besorgt sind Sie?
Laudehr: Der Frauenfußball in Deutschland hat in den letzten Jahren einen Schritt nach hinten gemacht. Wir haben seit 2016 keine Titel mehr eingefahren, es muss viel passieren in Deutschland – zum Beispiel im Hinblick darauf, dass die Bundesliga einen eigenen Dachverband gründet. Die Spielerinnen müssen viel mehr Möglichkeiten in Sachen Infrastruktur bekommen. Auch die Werbemaßnahmen müssen hochgeschraubt werden, dann ließen sich auch höhere Gehälter zahlen. Der Frauenfußball muss in der Öffentlichkeit präsenter werden. Wie in England sollten die Spielerinnen in Deutschland alle Profis sein und nicht nebenbei noch arbeiten gehen müssen, um ihre Miete zu bezahlen. Um dieses Ziel zu realisieren, müssen in Deutschland irgendwann mal Pläne auf den Tisch. Und da darf es nicht heißen: DFL gegen Vereine, Vereine gegen DFL. Die Beteiligten müssen auf einen Nenner kommen.
Fehlen dem deutschen Frauenfußball heute die Galionsfiguren?
Laudehr: Wenn es um diese Galionsfiguren geht, die hat man im Frauen- und Männerfußball in den letzten Jahren rasiert. Das haben andere Länder nicht gemacht! Silvia Neid hat es als Bundestrainerin immer geschafft, junge Spielerin langsam aufzubauen, indem sie von den Erfahrenen wie Birgit Prinz gelernt haben.

FC Bayern: „Männer ziehen sich ständig Trikots aus“ - Laudehr spricht über berühmten Torjubel

Wie wird es Ihnen ohne Fußball gehen?
Laudehr: Natürlich werde ich anfangs in ein kleines Loch fallen, wenn ich nicht mehr zum Training fahre, sondern ins Büro. Aber die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Es geht mir auch nicht darum, ständig im Rampenlicht zu stehen. Natürlich habe ich berufliche Ziele, aber ich freue mich darauf, mit meiner Familie in den Urlaub zu fahren und keinen Trainingsplan befolgen zu müssen. Vielleicht werde ich den Fußball aber auch so sehr vermissen, dass ich mich freue, wenn Anfragen kommen, ob ich Co-Kommentatorin bei einem Spiel sein möchte. Schaun mer mal.
Haben Sie einen Lebenstraum, den Sie sich in der Zeit nach der Karriere erfüllen wollen?
Laudehr: Ich habe einen großen Lebenstraum, der in eine ganz andere Richtung als Fußball geht. Wenn ich den Euro-Jackpot abräumen würde, würde ich ein riesengroßes Tierheim aufbauen. Das wäre wie ein Rehabilitationszentrum für Katzen, Hunde, Esel aus armen Ländern, in denen sie keine Chance haben und total verwahrlost sind. Ich liebe Tiere einfach über alles, habe selbst einen kleinen Hund zu Hause. Klar wäre eine Weltreise mal ganz cool, aber ich würde mich eher für eine Tierorganisation entscheiden.
Zum Abschluss darf eine Anekdote nicht fehlen. Sie haben im WM-Finale 2007 das 2:0 gegen Brasilien geköpft, beim anschließenden Jubel Ihren Waschbrettbauch und den Sport-BH gezeigt. Ein Foto, das um die Welt ging.
Laudehr: Das Foto darf ich immer noch unterschreiben, aber das habe ich mir selber eingebrockt (lacht). Vielleicht jubele ich gegen Frankfurt zum Abschluss ja noch mal so, wenn ich ein Tor schieße... Nach dem Tor damals ging es zwischendurch auch darum, dass ich mal mehr essen soll. Ich finde die Aktion aber weiterhin überhaupt nicht schlimm. Die Männer ziehen sich ständig die Trikots aus – und ich habe es ja sogar anbehalten. Wenn ich mir heute die Übungen im Morgenprogramm vom BR anschaue, tragen die Frauen dort nur einen Sport-BH.

Interview: Jonas Austermann

Auch interessant

Kommentare