Preis-Irrsinn

Anders als Barca oder Real: So kämpft Bayern um die Top-Talente Europas

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Ansu Fati (r.) ist Barcas neues Wunderkind.

Der FC Bayern geht in Sachen Talententwicklung andere Wege als Real Madrid oder der FC Barcelona. Der Preis-Irrsinn führt zum Umdenken bei den Klub.

München - Barca und Real haben es verstanden: Bei den derzeitigen Mondpreisen auf dem Transfermarkt lohnt es sich nicht mehr, sein Geld für fertige Stars auszugeben. 

Investiert wird in Top-Talente, wie den 17-jährigen Ex-Hachinger Karim Adeyemi, der auf Barças Einkaufsliste steht. Spieler wie Adeyemi sind noch vergleichsweise billig zu haben, entwickeln sich in den meisten Fällen noch weiter und halten im Verkaufsfall attraktive Renditen parat.

Jüngstes Beispiel: Ansu Fati! Das 16 Jahre alte Supertalent aus Guinea stellt in Barcelona bereits Stammelf­ansprüche und wurde für die spanische Nationalelf auch noch express-eingebürgert.

FC Bayern: So kämpft der FCB um die Top-Talente in Europa

Auch die Bayern haben erkannt, dass der Markt von Jahr zu Jahr teurer wird, und legen ihr Augenmerk nun verstärkt auf junges Blut – wenngleich der Erfolg dieser Strategie im Vergleich zu Klubs wie Barça oder Real noch überschaubar ist. Wenn Spieler wie Alphonso Davies für Schlagzeilen sorgen, dann meistens im Dress ihrer Nationalteams. 

Der 18 Jahre alte Kanadier schoss am Dienstag das erste Tor beim 2:0-Erfolg gegen die USA. In der Bundesliga kommt er (98 Minuten Einsatzzeit diese Saison) – so wie Lars-Lukas Mai (0) und Fiete Arp (0) auch – nur selten zum Zug.

Der FCB setzt derweil auf Spielzeit in der 3. Liga bei den Amateuren. Dort stehen die Nachwuchstalente des Rekordmeisters regelmäßig auf dem Rasen, um in Ruhe zu reifen. „Für uns ist es wichtig, dass sie mit einer gewissen Kontinuität spielen. Nur so können sie sich entwickeln“, sagt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. 

FC Bayern: Rekordmeister geht andere Wege als Real oder Barca

Diese Strategie geht aber nur bedingt auf, schließlich ist das Niveau in der 3. Liga nicht mit dem der Bundesliga oder der Königsklasse zu vergleichen. Dass David Alaba 2011 das letzte Eigengewächs war, das sich oben etabliert hat, spricht für sich.

Bei der internationalen Konkurrenz sieht es da schon anders aus. Real Madrid hat zwar immer noch über 100 Millionen Euro für einen Eden Hazard übrig, der Kern der Transferstrategie ist aber schon seit geraumer Zeit auf Teenager ausgerichtet. So kommen Kicker wie Vinicius Jr. (19), Rodrygo (18) oder Federico Valverde (21) schon jetzt des Öfteren im Bernabéu zum Zug. Und wer noch nicht reif für das weiße Ballett ist, muss eben nicht bei den Amateuren in der dritten spanischen Liga ran – sondern wird an Erstligisten verliehen. Auch beim Blick auf die 20 verbliebenen Aspiranten auf den Golden-Boy-Preis 2019, der den besten U 21-Spieler Europas auszeichnet, wird klar: Kicker wie Jadon Sancho, Joao Felix oder Matthijs de Ligt sind absolute Stammspieler – nur der Münchner Davies kommt verstärkt bei den Amateuren zum Einsatz. Übrigens: Vor drei Jahren wurde ein gewisser Renato Sanches zum Goldburschen gekürt. Auch er galt als der Überflieger schlechthin, stürzte aber hernach böse ab.

Real Madrid borgt seine Supertalente aus – jedoch nur an Erstligisten

Toni Kroos, Karim Benzema, Luka Modric – sieht auf den ersten Blick nicht so aus, als würde Real Madrid großartig auf die Jugend setzen. Anders als der FCB, der seine Talente verstärkt bei den Amateuren zum Einsatz kommen lässt, setzen die Königlichen aber auf eine andere Strategie: Leihgeschäfte – und zwar zu anderen Erstligisten. Dort sollen die Juwele, für die bei Real (noch) kein Platz ist, auf Top-Niveau heranreifen.

Eine Strategie, die die Spanier mittlerweile im ganz großen Stil betreiben. Real hat nämlich nicht nur ein oder zwei Jungspunde an die Konkurrenz verliehen, sondern gleich eine ganze Mannschaft. Lunin, Sanchez, Frutos (alle Valladolid), Zidane (Santander), Vallejo (Wolverhampton), Reguilon (Sevilla), Hakimi (Dortmund), Ceballos (Arsenal), Ödegaard (Real Sociedad), Rodriguez (Leganes), Kubo (Mallorca), Soro (Zaragoza), und Borja (Levante) wurden mal eben europaweit ausgeborgt.

Was auffällt: Bis auf Zaragoza und Santander handelt es sich bei allen Teams um Erstligisten. Nur so können sich die Real-Spieler bestmöglich weiterentwickeln – und die Strategie der Königlichen geht auf. Akteure wie Ödegaard, Hakimi, Reguilon oder Ceballos zählen zu den Leistungsträgern in ihren Mannschaften und erhöhen damit nicht nur ihren eigenen Marktwert, sondern natürlich auch die Chancen auf eine Rückkehr nach Madrid. Darum geht es ja schließlich…

lop

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