Nach Besuch bei den Flüchtlingen

FCB-Star Martinez: "Wir alle sollten jetzt helfen!"

Javi Martinez gibt Flüchtlingskinder Bälle zum Spielen.

München - Tausende Flüchtlinge erreichen jeden Tag den Münchner Hauptbahnhof. Viele Freiwillige heißen sie Willkommen. Auch ein FCB-Star hilft fleißig und schildert der tz seine Erlebnisse.

Die Welt schaut auf München. Täglich ­fahren neue Züge mit Tausenden von Flüchtlingen am Hauptbahnhof ein, täglich werden sie von Hunderten von freiwilligen Helfern in Empfang genommen. Trauer, Fassungslosigkeit, aber auch Mitgefühl und Solidarität – das zeigen diese Bilder. Menschen aus Krisengebieten, die nicht wie anderorts auf dieser Welt verschmäht und misshandelt werden, sondern mit offenen Armen empfangen werden. Auch Javi Martínez hilft. Dem Spanier in Diensten des FCB ging das Schicksal dieser Menschen so nahe, dass er selbst mit anpackt. In der tz erzählt Javi von einem Tag, der ihn geprägt hat.

Javis Bericht von den Flüchtlingen

"Ich bin Donnerstagmorgen aufgewacht und habe in der Zeitung gelesen, dass München ein zentraler Ort in der Aufnahme von Flüchtlingen ist und großartige Hilfe leistet. Nun lebe ich schon eine Zeit lang hier und fühle mich auch ein wenig als Münchner, weswegen ich das getan habe, was auch jeder andere Mensch getan hätte, der ein wenig Solidarität besitzt: helfen! Diese Menschen kommen aus Ländern, in denen Bayern, Real und Barça ein Begriff sind, daher war ich mir sicher, dass ich vor allem den Jüngsten unter ihnen eine Freude machen würde, wenn ich nicht nur Jacken spende, sondern auch mit ihnen kicke. Also habe ich bei mir daheim Klamotten eingepackt und vom Klub weitere 300 Jacken bekommen, die ich mit ein paar Bällen aus dem Fanshop zum Hauptbahnhof gebracht habe.

Dort angekommen habe ich diese harte Realität vor Augen geführt bekommen. All diese Leute, die nicht wissen, wo sie hinfahren oder wo sie ankommen. Sie haben nur das Nötigste dabei, einen Rucksack vielleicht, viele auch gar nichts. Aber ich habe auch die Welle der Solidarität unter den Münchnern gesehen, was mich sehr beeindruckt hat. Die wahren Helden sind sie. Viele warten dort bis zu zehn Stunden auf die Züge ohne zu wissen, wann sie ankommen. Sie haben mir gezeigt, wie alles funktioniert und organisiert ist – einfach nur lobenswert.

Mit dem Ball am Fuß wirken die Flüchtlingskinder glücklich

Meine Familie und vor allem meine Mutter haben stets versucht, mir diese Werte mitzugeben. Man soll immer denjenigen helfen, die es am nötigsten haben. Denn wer weiß, wann wir selbst mal auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Viele dieser Menschen haben mir dann Geschichten erzählt, die einfach nur unfassbar hart sind und mich an den Rand der Tränen getrieben haben. Gott sei Dank haben sich nicht nur Deutschland, sondern viele Länder solidarisiert und leisten Hilfe. Als die Kinder hier ankamen, dann schien es so, als würden sie alles um sie herum vergessen und 10, 15 Minuten mit dem Ball am Fuß einfach nur glücklich sein und lachen. Allein deswegen war es jede Sekunde wert, die ich auf sie gewartet habe.

Einige haben mir erzählt, dass sie ihr Land auf einer Luftmatratze verließen und damit Seen überquerten. Viele davon gingen aber kaputt und die Leute starben. Allein das führt einem traurigerweise vor Augen, wie verzweifelt die Menschen sein müssen, um so ein Wagnis einzugehen. Und wenn sie dann einmal Land erreicht haben, wissen sie nicht, wohin sie gebracht werden, in welche Züge sie müssen und was ihr Schicksal ist. Sich in diese Menschen hineinzuversetzen, ist wahnsinnig hart.

Diese Hilfe ist immer noch zu wenig

Mein Bruder ist momentan im Gespräch mit einer Organisation, die sich um diese Dinge kümmert (Eine Familie in seinem spanischen Heimatdorf Ayegui aufzunehmen, d. Red.). Das ist die Idee, aber wir müssen erst mal sehen, wo wir sie unterbringen wollen, denn wir haben dort ja kein Haus, das wir ihnen zur Verfügung stellen könnten. Daher sind wir momentan mit dem Rathaus im Gespräch und schauen, ob wir etwas anmieten können. Aber all diese Hilfe ist immer noch zu wenig.

Am Dienstag habe ich gelesen, dass am Wochenende 30 000 Menschen in München angekommen sind. Ihnen allen zu helfen, ist unmöglich. Ich glaube, dass wir alle, nicht nur die Münchner, sondern die Einwohner aller Städte versuchen sollten, ihnen zu helfen und das Leben zumindest ein Stück leichter zu machen.

Letzten Endes führt München selbst dazu, dass man sich so willkommen fühlt. Es ist eine warmherzige und großzügige Stadt, meine ganzen Freunde und ich fühlen uns hier sehr wohl. Oft wie zuhause. Klar, wie daheim ist es nirgendwo auf der Welt und das erste Jahr hier war sehr schwer, aber jetzt fühle ich mich hier zuhause und hoffe, das auch noch viele weitere Jahre zu tun. Heimat ist dort, wo man sich wohl fühlt. Ich habe das Glück gehabt, die tollsten Ecken der Welt besucht zu haben, aber letzten Endes ist es dann doch nirgends so toll wie daheim."

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