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Salihamidzic im Interview: Nachwuchs-Strategie des FC Bayern? „Mehr Straßenfußball, weniger Playstation“

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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FC Bayern München - Hasan Salihamidzic
Sportvorstand beim FC Bayern München: Hasan Salihamidzic. © Tom Weller/dpa/Archivbild

Hasan Salihamidzic, der Sportvorstand des FC Bayern, spricht im Interview über die Nachwuchs-Strategie des FC Bayern München.

München – Die Fußballwelt im Umbruch. In England und Europas Süden verändern Oligarchen und Schuldenbarone mit Milliardeninvestitionen die Spielregeln. In Europas Spitzenfußball gibt es nur noch eine Konstante, die sich von diesem Geschäftsgebaren distanziert – und trotzdem herausragende Erfolge feiert: den FC Bayern. In unserer Serie blicken wir hinter die Kulissen und zeichnen nach, wie die Münchner auch in Zukunft bestehen können.

Mit den Fußball-Profis, den Basketballern oder als Eigentümer der Allianz Arena. Heute: Sportvorstand Hasan Salihamidzic, 45, über Scouting und Talente.

Salihamidzic: Deutschland hat noch ausreichend Talente

Mit Blick auf die Pandemie: Wie wird sich das Scouting in Zukunft verändern?

Sagen wir mal so: Man reiste weniger, hat aber das Live-Scouting vermisst und durch noch mehr Videosichtung ersetzen müssen. Die Mischung macht es. Notgedrungen haben wir also Erfahrungen gesammelt, wie wir den Sichtungs-Prozess effektiver gestalten können.

Sind Transfers von Jugendspielern aus dem Ausland angesichts mangelnder nationaler Alternativen zwingend notwendig?

Deutschland hat noch ausreichend Talente, und die schauen wir uns an. Der FC Bayern legt Wert auf eine starke deutsche Kabine. Das ist Teil unserer Stärke und Identität. Deshalb haben wir den deutschen Markt genau im Blick. Allerdings ist der Fußball heute internationalisiert. Fußball ist ein Global Player, darauf muss auch der FC Bayern reagieren. Und natürlich spielt eine Rolle, dass unsere Mannschaft seit zehn Jahren nahezu konstant zu den drei, vier besten Teams im europäischen Vereinsfußball zählt. Das Niveau wollen wir halten, und dafür brauchen wir auch internationale Talente, die wir entwickeln können.

„Jamal Musiala ist mit 17 zu uns gekommen und heute deutscher Nationalspieler“

Wie viele Spieler pro Jahr möchten die Campus-Verantwortlichen an die Profis oder andere Bundesligisten liefern?

Der Campus ist keine Fabrik, da geht es um junge Menschen, es geht also um viel Verantwortung, die wir tragen. Wir wollen begabte junge Spieler ausbilden, und natürlich wünschen wir uns, dass der eine oder andere den Sprung in unseren Profikader schafft wie Josip Stanisic oder Paul Wanner. Aber das ist ein gewaltiger Sprung, wir entwickeln deshalb individuelle Pläne für unsere Jungs. Für den einen kann eine Leihe der richtige Weg sein, für den anderen, bei unseren Profis zu trainieren und am Wochenende in der Regionalliga zu spielen. Und richtig ist, dass wir in der Summe dabei mehr Bundesligaspieler herangezogen haben als andere.

Techniktraining auf höchstem Niveau: Die digitale Plattform „SkillsLab“ schult die Bayern-Talente zusätzlich.
Techniktraining auf höchstem Niveau: Die digitale Plattform „SkillsLab“ schult die Bayern-Talente zusätzlich. © FCB

Kann man den Transfer von Alphonso Davies als größten Scouting-Coup des FC Bayern bezeichnen?

Das ist immer eine Frage der Perspektive. Natürlich ist Alphonso das Musterbeispiel eines Talente-Transfers. Man könnte es sich als Verein nicht besser malen: aus der kanadischen Liga in die Weltspitze. Jamal Musiala ist mit 17 zu uns gekommen und heute deutscher Nationalspieler, auch Joshua Zirkzee würde ich hier nennen, er macht das in Anderlecht sehr gut.

Wie ändert sich die Art und Weise, wie Fußball gespielt wird?

Ich weiß nicht, ob man das so generell auf eine Formel bringen könnte. Beim FC Bayern achten wir allerdings darauf, dass wir Spieler im Team haben, die verschiedene Positionen spielen können. Das liegt daran, dass unser Kader im Vergleich zu anderen Spitzenclubs in Europa kleiner ist. Das heißt, wir brauchen dafür mehr Flexibilität, um Positionen doppelt zu besetzen. Natürlich wird ein Spieler immer seine Lieblingsposition haben. Aber wenn er eine andere Position auch auf Niveau bekleiden kann, ist er für uns sehr interessant.

Vor welchen Herausforderungen steht der leistungsorientierte Nachwuchsfußball?

Wir brauchen mehr Straßenfußball und weniger FIFA-Playstation. Die Ausbildung in den Zentren der Bundesligaklubs ist sehr gut, trotzdem müssen wir immer besser werden, und wir müssen in Deutschland alles dafür tun, dass die Jungs und die Mädchen in ihrer Freizeit kicken und sich nicht zu sehr in den digitalen Medien aufhalten. Nur dann schafft es eine ausreichende Anzahl an Talenten in die Internate der Clubs und Stützpunkte der Verbände. Der Fußball konkurriert heute mit vielen anderen Freizeitangeboten. Es ist eine wichtige Aufgabe von uns allen – damit meine ich DFB, DFL, die Clubs –, dafür zu sorgen, dass der Fußball für Kinder und Jugendliche attraktiv bleibt oder wieder wird.

„Für die Entwicklung von Spielern braucht man Zeit“

Wie sehr beeinflusst das Thema Technik in Zukunft die Talententwicklung? Stichwort „SkillsLab“.

Das SkillsLab ist eine Plattform, auf der individuelle technische Fähigkeiten messbar und vergleichbar werden. Außerdem schult es trainingsmethodisch. Keine Frage, digitaler Fortschritt bereichert auch den Fußball.

Und welche Rolle spielt Julian Nagelsmann, der einen Fünfjahresvertrag erhalten hat, beim Thema Talent-Entwicklung?

Julian hat bei seinen bisherigen Stationen bewiesen, dass er Spieler besser machen kann. Das war ein wichtiges Kriterium für uns. Julian ist ein Cheftrainer, der sich bewusst ist, dass wir aus dem Campus immer wieder gute Spieler entwickeln und an die Profis heranführen müssen. Er bringt sich hier sehr ein, kommuniziert mit den Trainern der Amateure und U 19-, U 17-Teams. Für die Entwicklung von Spielern braucht man Zeit. Wenn Sie so wollen, wurde das von uns in seiner Vertragslaufzeit ebenfalls berücksichtigt. Interview: Manuel Bonke und Philipp Kessler

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