Nationalelf mit FCB-Grundgerüst

Bayern-Stars sind Jogis rote Takt(ik)-Geber

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Jerome Boateng bereitete gegen Dortmund zwei Bayern-Tore vor.

München - Auch in der Nationalmannschaft bilden die Bayern-Stützen das Grundgerüst. Gut möglich, dass Bundestrainer Joachim Löw das von Jerome Boateng bestens praktizierte Stilmittel "Langer Ball" auch übernimmt.

Es war ein schnelles Wiedersehen. Die Stars des FC Bayern und von Borussia Dortmund hatten nicht einmal 24 Stunden Zeit, um getrennt voneinander dieses deutliche 5:1 vom Sonntagabend zu genießen – beziehungsweise zu verdauen. Montag Nachmittag kamen die Nationalspieler in Frankfurt zusammen, in bemerkenswert ausgeglichener Anzahl: vier Spieler der Roten, vier von Schwarz-Gelb. Dieses Verhältnis sah schon mal anders aus, deutlich mehr zugunsten des Rekordmeisters. Das Entscheidende im Herbst 2015: Die vier Stars des FCB sind diejenigen, die bei Jogi den Takt vorgeben und die Taktik vorleben!

Manuel Neuer, Jerome Boateng, Thomas Müller und Mario Götze bilden das Gerüst in einem DFB-Team, das sich immer mehr die Eigenheiten des FCB annimmt. Absolute Ballkontrolle über 90 Minuten, flexibles Spiel mit vollem Augenmerk auf die Ausrichtung des Gegners, rotierendes Positionsspiel in der Offensive. Vieles bei Löw erinnert an die Ideen von Guardiola, da hilft es natürlich, wenn die wichtigsten Stützen in der Mannschaft diese Anforderungen verinnerlicht haben. Mit Bastian Schweinsteiger (jetzt Manchester United) und Toni Kroos (Real Madrid) sind zudem zwei weitere Stars durch die tägliche Pep-Schule gegangen.

Müller: "Der Pass von Jerome war spitze"

Spannend nun der nächste Schritt: Werden nach dem Duell Bayern gegen Dortmund nun auch für Jogi Löw die langen Bälle attraktiv? Bislang hielt der Bundestrainer nicht viel von dieser Art des Spielaufbaus. Bei Mats Hummels soll er mitunter sogar recht verärgert gewesen sein, als der Dortmunder wiederholt von hinten heraus über das Mittelfeld gepasst hatte. Die herausragenden Bälle von DFB-Abwehrkollege Jerome Boateng könnten diese Einstellung verändern.

„Es ist etwas, das ich oft trainiere, genauso wie kurze Pässe. Ich bin einfach glücklich, dass es zu den Toren geführt hat“, sagte Boateng nach dem Spiel zu den langen Pässen auf Müller und Lewandowski. Kollege Müller erklärte auch sogleich die taktische Notwendigkeit, die dahinter steckte. Er sagte: „Dortmund stand sehr hoch, dadurch waren aber Räume in der Tiefe da. Der Pass von Jerome war spitze, dann bin ich durchgestartet. Das Timing hat gestimmt, so konnten wir die Abwehr aushebeln.“ Nebenbei verlieh er seinem Vorbereiter noch den Beinamen „Kaiser“, in Anlehnung an die herausragenden langen Bälle der FCB-Ikone.

Beckenbauer selbst lobte: „In den letzten zwei Jahren spielt Boateng auf absolutem Weltklasseniveau. Er spielt seine Schnelligkeit und Geschmeidigkeit gar nicht aus, weil er selten gefordert wird. Er wirkt pomadig, aber das ist er nicht. Er ist einer der besten Innenverteidiger der Welt.“ Genau diese Stärke könnte auch Jogi Löw gut gebrauchen. Und viel deutet daraufhin, dass auch beim DFB demnächst ab und an mit längeren Bällen operiert wird.

Schon gegen Irland könnte dieses Mittel interessant werden. Die Iren greifen in dieser Woche zum letzten Strohhalm auf Platz zwei, ein Sieg gegen Deutschland ist Pflicht. Gut möglich also, dass sie zumindest zwischendurch höher verteidigen, den Abwehrriegel weiter vom Tor wegschieben. Es wäre die Chance, die Verteidigung zu überspielen.

In Marco Reus gäbe es dann zum Beispiel auch einen Dortmunder, der mal von einem langen Bayern-Pass profitieren würde.

mic, lop, thi

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