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FC Bayern im Saisonendspurt: Gibt Nagelmsann der Jugend (k)eine Chance?

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Paul Wanner steht beim Spiel des FC Bayern München gegen den FC Köln an der Seitenlinie neben Trainer Julian Nagelsmann.
Kann Top-Talent Paul Wanner in den letzten zwei Saisonspielen auf mehr Einsatzzeit bei den Bayern-Profis hoffen? © Marius Becker/dpa

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann kündigte im Saisonendspurt mehr Spielzeit für die Nachwuchs-Spieler an. Gegen Mainz suchte man Wanner, Tillman und Co. jedoch vergeblich im Kader.

München - Paul Wanner (16) war am vergangenen Freitag schon etwas verdutzt. Um die Mittagszeit teilte ihm Co-Trainer Xaver Zembrod mit, dass er am Wochenende nicht mit der Profi-Mannschaft des FC Bayern nach Mainz fahre. Stattdessen solle er mit der U19 den Saison-Abschluss gegen die Offenbacher Kickers bestreiten. Zu diesem Zeitpunkt weilte das Top-Talent bereits an der Säbener Straße, das Abschlusstraining der A-Jugend fand jedoch am anderen Ende der Stadt eine Stunde später am Bayern-Campus statt.

Wanner hat prinzipiell kein Problem damit, seine U19-Teamkollegen zu unterstützen. Angesichts der Aussagen von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (34) nach dem Spiel gegen Dortmund war er aber freilich verwundert über seinen Nachwuchs-Einsatz. Damals kündigte Nagelsmann an, den Talenten in den kommenden Bundesliga-Partien mehr Spielzeit zu geben. Explizit nannte er neben Wanner auch Gabriel Vidovic (18), Malik Tillman (19) oder Tanguy Nianzou (19), die er als herausragende Talente bezeichnete: „Die Saison ist noch nicht vorbei. Ich sehe für viele junge Talente die Chance, ein bisschen Spielzeit zu kriegen.“

FC Bayern: A-Jugend statt Bundesliga - darf Wanner gegen Stuttgart mit Spielminuten rechnen?

In Mainz kamen lediglich Vidovic (Text rechts) und Nianzou ab der 67. Minute zum Einsatz. Wanner stand 50 Kilometer entfernt in Offenbach 90 Minuten auf dem Platz. Bitter für den Youngster: Bei der 2:3-Pleite seiner Elf vergab er einen Elfmeter, der die zwischenzeitliche 2:0-Führung bedeutet hätte. Kleiner Trost für Wanner: Ihm wurden Bundesliga-Spielminuten am Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Suttgart (17.30 Uhr, DAZN) in Aussicht gestellt. Ob der Mittelfeldspieler letztendlich wirklich zum Einsatz kommt, hat vermutlich auch mit dem Spielverlauf zu tun. Auf mehr Profi-Minuten hofft auch Tillmann nach der Ankündigung von Nagelsmann. Doch gegen Mainz fehlte er ebenfalls im Kader – und war darüber nicht begeistert. Für den Jung-Angreifer war es in jedem Fall ein Wochenende zum Vergessen, weil er nicht einmal im Aufgebot der Regionalliga-Mannschaft stand.

Bisher lässt die von Nagelsmann erwartete Talent-Offensive noch auf sich warten. Dabei wurde der Fußballlehrer auch wegen seiner Fähigkeit Nachwuchskicker zu entwickeln nach München geholt. Nicht umsonst erklärte Sportvorstand Hasan Salihamidzic jüngst im tz-Interview: „Julian hat bei seinen bisherigen Stationen bewiesen, dass er Spieler besser machen kann. Das war ein wichtiges Kriterium für uns. Julian ist ein Cheftrainer, der sich bewusst ist, dass wir aus dem Campus immer wieder gute Spieler entwickeln und an die Profis heranführen müssen.“ Schon damals betonte Salihamidzic, dass man für die Entwicklung junger Spieler jedoch Zeit brauche: „Wenn Sie so wollen, wurde das von uns in seiner Vertragslaufzeit (Anm.d.Red.) ebenfalls berücksichtigt.“

FC Bayern: Bekommen die Youngster ihre Chance? Nagelsmann muss auf Worte Taten folgen lassen

Zur Talente-Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Bayern-Mannschaft in dieser Saison häufig unter ihren Möglichkeiten blieb und der Spielverlauf dementsprechend knapp war. Kann man es Nagelsmann verübeln, in einer solchen Situation einen Teenager nicht zu bringen? Wohl eher nicht.

Trotzdem muss Nagelsmann aufpassen, seinen Worten in den anstehenden beiden Partien gegen Stuttgart und Wolfsburg auch Taten folgen zu lassen. Ansonsten läuft er Gefahr, das Vertrauen des einen oder anderen Bayern-Juwels und der Campus-Verantwortlichen zu verlieren. (Manuel Bonke, Philipp Kessler)

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