Erfolg durch Lockerheit

Müller: Warum er grinst, wenn alle anderen erstarren

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Lautsprecher: Thomas Müller ließ den Taten gegen Porto Worte folgen.

München - Mit Optimismus und Lockerheit prägte Thomas Müller die Champions-League-Gala gegen Porto – nun ist er deutscher Rekordschütze.

Er schnappt sich dann also das Megafon, wie sollte es auch anders sein? Das ganze Spiel ist eine einzige Demonstration gewesen, von Dominanz, von Initiative, auch von Spaß. Thomas Müller blickt jetzt zwar ein bisschen wild, wie er da an der Brüstung vor der Südtribüne hängt und den Ton angibt, aber dass die Aktion ihm genauso viel Spaß macht wie den Fans vor ihm und den Mitspielern hinter ihm, das darf man schon glauben. Von der Haupttribüne kann man nur Wortfetzen verstehen, die aus dem Lautsprecher röhren, doch das Procedere ist ja bekannt. Müller gibt die Buchstaben vor, bald singen alle „Humbatätärä“, und der Einheizer tänzelt in einem sehr eigenwilligen Stil zurück auf den Rasen.

Pep: "Diese Mentalität, dieser Optimismus, Thomas Müller"

Nach so einem Ergebnis ist es leicht, sich zu amüsieren und rumzukaspern. Das wirklich Bemerkenswerte an Thomas Müller ist, dass er seine Späßchen auch schon vor dem Spiel treibt, selbst wenn es ein Spiel mit höchstem Einsatz ist wie am Dienstag. Als vor dem Anpfiff die Kamera an den aufgereihten Bayern-Profis entlangschwenkt, sind zehn von elf Gesichtern gezeichnet von der Schwere der Aufgabe und der Anspannung des Augenblicks. Nur ein Gesicht ist für einen kurzen Moment zu einem schiefen Grinsen verzogen. Gerade so lang, wie der Kameramann braucht, um an Müller vorbeizugehen.

Kein Spiel kann so ernst sein, dass man es nicht noch ein bisschen locker nehmen kann. Unter all den Stärken, die dieser Müller in sich vereint, ist Lockerheit nicht die unwichtigste. Es hatte seine Gründe, dass er als einer von zwei Spielern am Montag zur Pressekonferenz in der Arena erschien (neben Philipp Lahm). Und Müller lieferte prompt. Er machte ein paar Sprüche und transportierte das gute Gefühl in die Runde, dass der FC Bayern sich seiner Aufgabe ohne verzagtes Bedenkenträgertum stellen würde. Mit dem Rücken zur Wand zu stehen, stellte er nach dem Lösen der Aufgabe klar, könne ja „auch mal etwas Schönes sein. Weil wir dann einmal im Jahr ein Spiel auch gewinnen können, nicht nur nicht verlieren.“

Für Pep Guardiola gehörten am Dienstag drei Begriffe untrennbar zusammen: „Diese Mentalität, dieser Optimismus, Thomas Müller.“ Der Hochgelobte stürzte sich in diese Partie, als wolle er es allein mit elf Gegnern aufnehmen, und manchmal hatte man auf der Tribüne den Eindruck, er hätte selbst dann eine reelle Chance. Vor dem 3:0 leitete er freistehend den Ball volley auf Robert Lewandowski weiter, als wäre er beim Fußballtennis. Vor Lewandowskis 5:0 schüttelte er Gegenspieler Casemiro, der klettengleich an ihm hing, einfach ab und passte auf den späteren Torschützen. Und beim 4:0 fälschte Abwehrmann Martins Indi dankenswerterweise die von Müller getretene Kugel gerade so weit ab, dass sein Schlussmann ins Leere hechtete.

Manchmal versteht auch Thomas Müller keinen Spaß

Dieses Tor wurde dennoch Müller gutgeschrieben, womit er seit Dienstagabend mit 27 Treffern deutscher Rekordtorschütze in der Champions League ist, einen vor Mario Gomez. Ihm war zwar bewusst, „dass ich noch 50 Tore bis zum Führenden habe“, woran man sehe, „was in anderen Vereinen los ist“. Aber freuen tut er sich schon über die Marke, für sich selbst und „weil ich der Mannschaft geholfen habe“. Ein Ende der Hilfsdienste ist nicht abzusehen, weder beim FC Bayern noch in der Nationalmannschaft, wo er mit ebenfalls 27 Toren auch schon seine Spuren hinterlassen hat und im zarten Alter von 25 Jahren bereits zehn WM-Treffer auf dem Konto.

Dass ausgerechnet „der Thomas als Offensivspieler“ nur auf ein 2:0 getippt hatte, fand Lahm in gespieltem Ärger nach der Partie zwar „enttäuschend“. Aber ein 2:0 hätte ja auch schon gereicht, und allein darum ging es Müller. Hätte der ein 6:1 orakelt, wäre es dem Kapitän bei allem Optimismus womöglich zu nassforsch gewesen.

Unter den vielen Fragen, die einer wie er nach einem Spiel wie diesem zu beantworten hat, war auch eine nach dem Gegner. Ob er überrascht gewesen sei, dass die Portugiesen auf den frühen Rückstand so zaghaft und verängstigt reagiert hätten, wollte einer wissen. Darin schwang, zumindest in Müllers Ohren, das Urteil mit, dass Porto an diesem Abend kein großkalibriger Gegner gewesen sei. Wortlos drehte er sich um und verschwand. Es gibt Momente, da versteht selbst Thomas Müller keinen Spaß mehr.

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Marc Beyer

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