Bayern-Star bei Topklubs heiß begehrt

Alle wollen Thomas Müller - warum eigentlich?

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Thomas Müller zählt zu den begehrtesten Spielern auf dem internationalen Transfermarkt - und zwar aus gutem Grund.

München - Thomas Müller ist so wertvoll, dass er nicht mal ein Preisschild trägt. Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete den Weltmeister als unverkäuflich. Trotzdem ist halb Europa scharf auf das FCB-Urgestein - warum eigentlich?

Irgendwann wurde es Karl-Heinz Rummenigge zu bunt. Da die Gerüchte um Thomas Müller kein Ende zu nehmen schienen, sah sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern gezwungen, eine Sache klarzustellen: "Thomas ist unverkäuflich!"

Angeblich hatte Manchester United sogar die Wahnsinnssumme von 100 Millionen Euro geboten, um Müller nach England zu locken. Für Rummenigge lediglich "eine Ente, die im Pazifik untergegangen sein muss". Unmissverständlich machte der Bayern-Boss deutlich: "Wir wären von allen guten Geistern verlassen, wenn wir ihn abgeben würden."

Ein Fanaufstand wäre dem Vorstandsvorsitzenden gewiss, wenn er nach Bastian Schweinsteiger den zweiten Liebling der roten Anhänger verkaufen würde. Doch warum sind die europäischen Topklubs, allen voran die englischen, so scharf auf unseren Müller? Nach Manchester United soll auch der FC Liverpool sein Interesse geäußert haben. Es kann nicht nur daran liegen, dass "getting mullered" in englischer Umgangssprache so viel heißt wie sich zu besaufen.

Müllers Spielweise passt in kein Schema

An erster Stelle wäre natürlich die fußballerische Qualität zu nennen. Mit seiner, sagen wir: unkonventionellen Spielweise passt Müller nicht in die üblichen Schemata. Er ist weder Turbodribbler noch Supersprinter noch eiskalter Strafraum-Knipser. Aber er kann: Gegenspieler ausspielen, laufen wie ein junger Gott und verfügt über einen nicht lernbaren, sondern angeborenen Torriecher. Wie kein Zweiter erkennt der Offensivmann auf dem Spielfeld die sich öffnenden Räume, taucht gefühlt auf jedem Quadratzentimeter des Spielfeldes auf und ist so für gegnerische Abwehrspieler und Trainer kaum zu bändigen. "Ich habe selten einen so komischen Spieler wie mich selbst gesehen", sagt Müller über Müller: "Aber ich habe Erfolg, und Spaß macht es auch."

Druck kennt der geerdete Ur-Bayer nicht. Seit 15 Jahren spielt der in Weilheim geborene und beim TSV Pähl erste Fußballluft schnuppernde an der Säbener Straße - und bekam das "Mia san mia" von Beginn an eingeimpft. Während andere Spieler mental einknicken, wenn es in den großen Finals drauf ankommt, geht Müller voran. Er findet Situationen, in denen es fußballerisch um Alles oder Nichts geht, "besonders reizvoll" - eine mentale Verfassung, die wohl jeder Trainer gerne bei seinen Spielern sieht. "Bei Müller wundere ich mich immer wieder, mit welcher Frechheit und Lockerheit er spielt", charakterisierte Bundestrainer Jogi Löw mal diese Qualitäten. Aufgrund seiner psychischen Stabilität ist Müller bei Bayern auch Elfmeterschütze Nummer eins - eine Eigenschaft, die vermutlich besonders die Klubs von der Insel so heiß macht auf den Angreifer.

Jung, erfahren und eifriger Titelsammler

Darüberhinaus ist Müller gerade mal 25 Jahre alt - und verfügt über eine immens große Erfahrung und eine noch größere Titelsammlung. Weltmeister, Champions-League-Sieger, mehrfacher Deutscher Meister und Pokalsieger, zudem WM-Torschützenkönig und bester junger WM-Spieler bei der Endrunde 2010 in Südafrika. 197 Bundesliga-Spiele (71 Tore) hat Müller schon auf dem noch jungen Buckel, hinzu kommen 31 Pokalbegegnungen (19 Treffer), 70 Partien (28 Tore) im Europapokal und 27 Buden in 63 Länderspielen.

Ein weiterer Pluspunkt Müllers: Der Angreifer ist so gut wie nie verletzt. "Wo keine Muskeln sind, kannst Du Dir auch nicht wehtun! Meine Waden sind so dünn, da kann kein Gegner die Knochen treffen, weil man sie so schlecht sieht", beschreibt sich der 1,86 Meter große und nur 75 Kilogramm schwere Müller selbst.

Müller ist die Stimmungskanone

Abseits aller sportlichen Qualität verfügt Müller aber noch über weitere Vorzüge, die ihn schnell zu einem Liebling der Fans aufsteigen ließen. Müller ist geerdet - seine Jugendfreundin Lisa heiratete er bereits im Alter von 20 Jahren - , freundlich, authentisch, heimatverbunden und immer für einen lockeren Spruch gut. Beispiel gefällig? Als er bei der WM 2010 einen kometenhaften Aufstieg zum WM-Torschützenkönig hinlegte - ein Jahr zuvor hatte Müller noch in der Regionalliga für Bayern II gekickt - , war es ihm ein besonderes Anliegen, via TV-Kamera einen Gruß an die Familie in der Heimat zu schicken: "So, ich wollte nur einmal meine beiden Omas und meinen Opa grüßen, das ist schon lange mal überfällig."

Thomas Müller und seine Ehefrau Lisa: Bilder des Traumpaars

Müller ist für die Stimmung im Team zuständig, reißt den ganzen Tag lang Witze und spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. FCB-Kapitän Philipp Lahm kann das bestätigen. Gefragt nach den Konsequenzen eines möglichen Abgangs von Müller, antwortete er mit einem Augenzwinkern, eine Titelfeier würde man auch ohne die Stimmungskanone gut hinbekommen, „aber wer quatscht den ganzen Tag? Das ist das andere Problem“.

Die Qualitäten Müllers und sein Stellenwert bei Mitspielern und Anhängern sind selbstverständlich auch den Bayern-Bossen bewusst. Der Offensivstar hat bei den Münchnern noch einen Vertrag bis 2019. Und wenn es nach Rummenigge geht, müssen sich die FCB-Fans auch darüber hinaus keine Sorgen um einen Verbleib ihres Lieblings machen. „Ich habe das Gefühl, dass Thomas den FC Bayern nie verlassen wird. Er fühlt sich total wohl“, sagte der 59-Jährige und stellte Müller gleich noch einen Job in Aussicht. "Ich weiß, dass Bastian Schweinsteiger ein extrem verdienter Spieler war, der von den Fans diesen Kosenamen Fußballgott hatte. Vielleicht übernimmt jetzt Thomas Müller diesen Namen, das kann ich mir durchaus vorstellen. Da kommt der nächste, der in diese Rolle hineinwachsen kann."

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