FC Bayern: Müller als Retter in Madrid

Elfmeter von Thomas Müller zum 1:1 war gleich doppelt wichtig: Für die Bayern – und für ihn selbst

Thomas Müller vom FC Bayern hebt jubelnd den Arm und lächelt
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Mal wieder der wichtigste Mann: Thomas Müller machte in Madrid den Unterschied - und das Bayern-Tor.

Dank Thomas Müller ist der Plan von Bayern-Trainer Flick bei Atletico aufgegangen. Stars geschont, Jugend gefördert, keine Niederlage und keine weiteren Verletzten.

  • Thomas Müller hat per Elfmeter zum 1:1 des FC Bayern bei Atletico Madrid getroffen.
  • Damit hat er auch eine persönliche Rechnung beglichen.
  • Das nächste Ziel hat der Matchwinner selbst definiert: „Eine neue Siegesserie starten.“

München – Seit zwölf Jahren, mehr als einem Jahrzehnt, prägt Thomas Müller den FC Bayern, aber so, wie an diesem 3. Mai 2016 hat man ihn nur ein einziges Mal gesehen. Blass und abgekämpft schlich er da durch die Katakomben der Allianz Arena. Die Worte, die von ihm nach diesem Aus im Halbfinale der Champions League gegen Atletico Madrid hängen blieben: „Der Fußball ist manchmal extrem gemein.“ Damals war Müller gegen Atletico der Pechvogel – beim 1:1 vorgestern Abend nun das Gegenteil: Er rettete Bayern als Joker die Bilanz.

Auch vor vier Jahren sprach man nach Spielende von einem Strafstoß, und Müller räumte erst zuletzt ein, an diesem vergebenen Versuch im Rückspiel gegen Madrid noch ein paar Jahre lang geknabbert zu haben. Als er sich also am Dienstag in Abwesenheit des geschonten Stammschützen Robert Lewandowski im Wanda Metropolitano-Stadion den Ball schnappte, konnte er sich gleich im doppelten Sinne mit Madrid versöhnen. Er machte es locker, rechts unten, Jan Oblak streckte sich vergebens. Der erste Königsklassen-Treffer vom Punkt seit 2015 war für ihn persönlich eine Genugtuung – und für die Bayern sowieso. Dank Müller hatte das B-Elf-Experiment von Hansi Flick keine großen Auswirkungen. Vielmehr noch: Der Bayern-Trainer sprach in der lauen spanischen Nacht sogar von einem „gelungenen Abend“.

FC Bayern: Flick lobt Müller - er hat das Spiel belebt

Dieses Fazit ließ sich am Ende gut ziehen, denn tatsächlich war der Plan des 55-Jährigen ja aufgegangen: Der bereits vorher fürs Achtelfinale qualifizierte Titelverteidiger blieb ungeschlagen, während die Stars eine Pause erhielten und Bubis wie Ersatzspieler Praxis auf höchstem Niveau bekamen. Von „neuen Erkenntnissen“ sprach Flick, er habe „Einiges gesehen, das uns für die Zukunft froh macht“. Passable Auftritte der 17 Jahre alten von Jamal Musiala und Bright Arrey-Mbi zum Beispiel, dazu einige taktische Varianten wie Dreier- oder Fünferkette. Die alles überstrahlende Erkenntnis aber war nicht neu. Sie besagte, dass Müller aus allen Lebenslagen den Unterschied machen kann.

„Wir haben mit Thomas ein bisschen mehr Dynamik in unserem Spiel nach vorne gehabt“, lobte Flick. Der 31-Jährige war gemeinsam mit Serge Gnabry eine halbe Stunde vor Schluss aufs Feld geschickt worden, das Duo machte es deutlich besser als Douglas Costa und Leroy Sané. Müller etwa habe laut Flick „die Räume besetzt, das hat uns gutgetan“. Atletico hatte plötzlich Respekt, „wir sind aus dem Druck rausgekommen. Und Thomas war einer, der angetrieben hat.“ Dass der Weltmeister den eigens rausgeholten Elfmeter verwandelte, passte. Am Ende war das 1:1 verdient.

FC Bayern: Keine weiteren Verletzten - das war die Hauptsache

Das sah auch Eric Maxim Choupo-Moting so. Für Lewandowskis Ersatzmann nämlich war es „selbstverständlich, dass bei so vielen Wechseln nicht alles reibungslos funktioniert“. Müllers Treffer habe daher das ganze (B-)Team für „einen harten Kampf“ belohnt. Dass die zuvor 15 Spiele währende Siegesserie in der Königsklasse riss, war nach Abpfiff kein Thema. Vielmehr freute sich Flick „neben dem Ergebnis“ darüber, dass alle die Heimreise gestern „soweit fit und okay“ antreten konnten.

Beim Topspiel am Samstag (18.30 Uhr) gegen RB Leipzig wird der Coach auf seine ausgeruhten Stars setzen. Auch Müller dürfte sich in der Startelf wiederfinden, also da, wo er hingehört. Die 30 Minuten von Madrid hemmen ihn nicht. Mit Blick auf die Vorgeschichte beflügeln sie eher. Noch aus der Kabine schrieb er: „Zeit für eine neue Siegesserie“ – und: „Leipzig schon im Blick.“

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