tz-Interview

ten Hag: "Das ist keine Micky-Maus-Liga"

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tz-Bayern-Reporter Sven Westerschulze (r.) im Gespräch mit Erik ten Hag.

München - Während die DFB-Elf am Sonntag in Rio um den WM-Titel kämpft, beginnt für den FCB IIam Freitag gegen Würzburg (19 Uhr) die Regionalliga-Saison. Das tz-Interview mit Trainer Erik ten Hag (44).

Herr ten Hag, haben Sie eigentlich ein gutes Verhältnis zu ihrem Landsmann Arjen Robben?

ten Hag:  Ja, ein ziemlich gutes sogar. Wir unterhalten uns häufig. Wieso?

Einer muss ihn doch trösten, nachdem er das WM-Finale gegen Deutschland verpasst hat.

ten Hag:  Das muss ich nicht. Dass das kleine Holland schon wieder unter den besten Vier der Welt steht, ist doch super. Da können alle Holländer stolz drauf sein. Und Arjen hat das wunderbar gemacht in Brasilien. Er ist der Leader der Mannschaft.

Haben Sie Zeit, die WM zu verfolgen? Sie stecken in der Vorbereitung…

ten Hag: Ich konnte mir trotzdem viele Spiele anschauen. Im Trainingslager in der vergangenen Woche haben wir abends gemeinsam die Partien verfolgt. Wir haben viele Spieler mit unterschiedlichen Nationalitäten im Kader, da war bei manchen Begegnungen ein bisschen Rivalität dabei, aber so kommt Leben rein. Also war die WM ein gutes Mittel, um uns untereinander besser kennenzulernen.

Jetzt beginnt die Saison. Wie groß ist die Vorfreude?

ten Hag:  Wenn ich ehrlich bin, ist die Situation im Moment etwas kompliziert. Wir haben die Hälfte des Kaders ausgetauscht, es braucht noch Zeit, bis sich die Mannschaft gefunden hat. Wir müssen die neuen Spieler erst mal integrieren. Und sie müssen lernen, wie uns die Gegner gegenübertreten. Normal hat man in der Vorbereitung fünf oder sechs Wochen Zeit, wir haben nur drei.

Und es gab gerade mal drei Wochen Urlaub nach dem bitteren Verpassen des Aufstiegs. Können die jungen Spieler so was in so kurzer Zeit überhaupt verdauen?

ten Hag:  Das ist ziemlich schwer, das stimmt. Aber das müssen wir, wir haben keine andere Wahl. In der Hinsicht ist es ein Vorteil, dass jetzt nur noch 50 Prozent der Spieler zum Kader gehören. Wir haben beim Trainingsauftakt über die Relegationsspiele gesprochen und dann einen Strich drunter gezogen. Wir müssen die Lehren aus dem Scheitern ziehen, das kann uns dieses Jahr weiterhelfen.

Haben Sie das Scheitern analysiert oder war es einfach nur Pech?

ten Hag:  Wir analysieren ständig. Wenn wir um jeden Preis hätten aufsteigen wollen, dann hätten wir uns im Winter noch weiter verstärkt. Das haben wir nicht gemacht. Wir wollten mit unserem Kader aufsteigen, deshalb haben wir auch darauf verzichtet, in den Relegationsspielen noch Profis herunterzuziehen. Ich glaube, das ist der richtige Weg.

Ist es fair, als Meister nicht aufsteigen zu dürfen?

ten Hag: Nein, fair ist das sicher nicht.

Wie weit hemmt ein weiteres Jahr Regionalliga die Entwicklung Ihrer jungen Spieler?

ten Hag: Für die Entwicklung wäre die 3. Liga besser gewesen. Es ist auch wissenschaftlich bewiesen, dass sich die Entwicklung auf höchstem Niveau beschleunigt. Aber die Regionalliga ist auch keine Micky-Maus-Liga. Wir werden in jedem Spiel gefordert sein. Für die mentale Stärke der jungen Spieler ist sie vielleicht sogar besser, weil jeder von uns jedes Wochenende einen Sieg erwartet. Bei den Profis ist das nicht anders. Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich wollen wir aufsteigen. Das ist das Beste für den FC Bayern.

Mit dem vorhandenen Kader? Oder kommt noch ein Spieler?

ten Hag:  Ich schließe nichts aus. Erst mal starten wir mit dem Kader in die Saison.

Was ist mit Sinan Kurt aus Mönchengladbach?

ten Hag:  Das müssen Sie den Vorstand fragen.

Sie hätten ihn gerne?

ten Hag:  Er ist ein sehr guter Spieler und bringt absolutes Potenzial mit. Ich traue es ihm zu, für den FC Bayern zu spielen. Und ich glaube auch, dass er es nach ganz oben schaffen kann. Aber ob er bald für uns spielt, kann ich nicht sagen.

Während des Trainings soll es die ein oder andere laute Diskussion zwischen Spielern gegeben haben. Stimmt die Chemie noch nicht?

ten Hag:  Nach zwei Wochen funktioniert noch keine Mannschaft perfekt. Diskussionen zwischen den Spielern finde ich prinzipiell gut, das zeigt, dass sie sich mit den an sie gestellten Aufgaben auseinandersetzen. So was fördert den Teamgeist. Und der wird bei uns von Tag zu Tag und von Training zu Training immer besser.

Wie weit ist Ihre Mannschaft denn, wenn es Donnerstagabend losgeht?

ten Hag:  Wir müssen in allen Bereichen noch Fortschritte machen. Wichtig ist, wie wir in die Liga starten. Wenn wir Erfolgserlebnisse feiern können, setzt sich so ein Prozess schneller in Gang. Wenn nicht, dann dauert es länger. Viele Spieler sind die Kultur und die Mentalität des FC Bayern noch gar nicht gewohnt. Da müssen sie erst noch herangeführt werden.

Interview: Sven Westerschulze

 

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