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Laufen leicht gemacht: Wie die Uni Louis hilft!

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Jede Bewegung der Spieler wird erfasst und weitergeleitet. © Sampics

München - Louis van Gaal überlässt nichts dem Zufall. Bei der Arbeit mit seiner Mannschaft kooperiert der Bayern-Trainer jetzt sogar mit der Technischen Universität München.

Wenn die Bayern den Computer hochfahren, dann geht es um die sportliche Zukunft – und zwar ganz real! Während andere Vereine lediglich virtuell ihre Erfolge durchspielen bis die Playstation glüht, ist man beim Rekordmeister einen Schritt weiter. Video- und Datenanalyst Max ­Reckers hat dafür ein ausgeklügeltes Programm vor sich, mit dem er jede Bewegung der Profis überwacht. Dabei ist dieses System so ausgefeilt, dass nun sogar die Wissenschaft zu Gast ist an der Säbener Straße! Genauer gesagt: die Sportinformatiker der TU München.

„Das Modell der Bayern ist überaus beeindruckend, auch aus trainingswissenschaftlicher Sicht“, sagt dazu Professor Dr. Martin Lames. Gemeinsam mit einem kleinen Stab von Doktoranden schaut er Reckers, dem Kopf von van Gaals Team, über die Schulter. Lamers: „Bei den Bayern passiert die physische Vorbereitung im Wesentlichen in den Spielformen – Waldläufe gibt es hier nicht. Das ist ziemlich revolutionär!“

Wie Louis van Gaal trainieren lässt

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Zur Erklärung: Während einige Bundesliga-Trainer in der Vorbereitung vor allem auf Ausdauerläufe und Treppensprints setzen, schafft der Trainerstab des Generals vor allem spielerisch die Grundlagen für die Saison. Dazu ist meist ein Ball im Spiel. „Das Problem dabei ist: Wie kontrolliert man die Intensität? Werden die Spieler zu wenig belastet oder gar zu viel? Diese Fragen der Trainingssteuerung gilt es zu klären“, sagt Dr. Lames. Und genau da kommt die Technik ins Spiel! Jeder Spieler trägt einen Gürtel mit einem Messgerät, das Daten auffängt und über eine Radarstation vermittelt. „Die Daten laufen schließlich bei Max Reckers in seiner kleinen Hütte zusammen. Uns geht es nun darum, Auswertungsformen zu finden. Das aktuelle Projekt ist dabei die Ermüdungsschätzung“, erläutert Lames der tz. „Wir wollen aus den Positions- und Herzfrequenzdaten Modelle entwickeln, wie wir die Ermüdung der Spieler schätzen und noch präziser sagen können, welche Intensität sie in den Spielen anschlagen sollen.“

Die Ergebnisse wiederum können auch dem FC Bayern helfen – letztlich profitieren also beide Seiten! Und die Experten der TU München sind glücklich: „Das wird nur von ganz wenigen Spitzenvereinen auf der Welt so gemacht, bei anderen Klubs in der Bundesliga gibt es das gar nicht!“ Insgesamt besteht der Kontakt zwischen Uni und Verein seit einem Jahr – und es soll noch lange nicht Schluss sein. „Von unserer Seite aus ist die Zusammenarbeit unbegrenzt, wir sehen es als unsere Aufgabe, den lokalen Spitzensport zu unterstützen. Die Frage ist, ob das Interesse auch auf der anderen Seite besteht. Solange Herr van Gaal im Amt ist, wird es aber sicher weiter gut laufen. Was dann kommt, wissen wir noch nicht“, sagt der Professor.

In jedem Fall möchte der Wissenschaftler seine Erkenntnisse noch lange an seine Studenten weitergeben. Er schätzt die professionelle Zusammenarbeit mit den Münchnern. Auf die Frage, ob er auch außerhalb jeder Technikstunde die Daumen für den Rekordmeister drückt, gönnt er sich aber eine kurze Pause. „Wir sind alle Bayern-Fans“, sagt er dann knapp. Es klingt nach einer wissenschaftlich korrekten Aussage, völlig ohne Spekulations-Spielraum. So soll es schließlich sein bei den Analytikern von der Universität…

Michael Knippenkötter

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