Sportvorstand mit Plädoyer zum Doha-Start

Sammer: "Triple-Pflicht? Schwachsinn!"

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Matthias Sammer schwört den Verein auf die Rückrunde ein.

Doha - Sportvorstand Matthias Sammer schwört den FC Bayern auf die Rückrunde ein. Er baut Druck auf, will aber von einer Triple-Pflicht nichts wissen.

Matthias Sammer ist ein privilegierter Mensch, ohne Frage, einen lichtresistentesten Hauttyp hat der Herrgott ihm jedoch nicht gegönnt. Sei’s drum. „50 plus“, sagt der Sportvorstand des FC Bayern, der der aggressiven Mittagssonne in Doha aktuell mit langärmligen Trainingsanzügen zu trotzen versucht. „Ich hoffe, dass es keine Spätfolgen gibt“, fügt er an. Dann ist der Spaß vorbei. Sammer hat nicht auf dem butterweichen Samtsofa im Mediensaal des noblen Grand Heritage Hotels Platz genommen, um über Sonnenbrand zu reden. „Ich bin für die Botschaft verantwortlich“, sagt er. Und legt los.

„Wir müssen schnellstmöglich in die bestmögliche Verfassung kommen“, sagt Sammer, um den Satz im späteren Gesprächsverlauf noch ein halbes Dutzend Mal zu wiederholen. Es ist ihm ernst, sehr sogar, das merkt die geübte Sammer-Audienz schon an der Wortwahl des Münchner Sportvorstands. Der 48-Jährige gebraucht Begriffe wie „Belastungssteuerung“, „Ablenkungspotenzial“ und malt sich „Konstellationen“ aus, die es zu verhindern gilt. „Auf dem Level, auf dem wir uns bewegen, kann nur ein Prozent falsches Denken schon katastrophale Konsequenzen haben“, sagt Sammer, um darauf seinen bekannten Zeigefinger zu heben: „Ich will das Gefühl haben, dass jeder das Leistungspotenzial anstrebt und erreicht, zu dem er in der Lage ist.“

FC Bayern im Trainingslager in Doha: Wolfsburg als Warnung

Sammer weiß um die Bedeutung der sechs Tage im Wüstenemirat. Er rutscht auf dem Sofa hin und her, lehnt sich vor und erhebt die Stimme. „Von den ersten zehn Pflichtspielen haben wir sieben auswärts. Da spielen wir gegen so leichte Gegner wie Juventus Turin, Leverkusen oder Dortmund“, sagt er und erinnert zugleich an das erste Rückrundenspiel aus dem vergangenen Jahr, als die Bayern 1:4 in Wolfsburg untergingen. „Der Kopf muss hundertprozentig konzentriert und klar sein.“

Zwischendrin schneidet der Sportvorstand auch diverse andere Themen an, den „Führungsspieler“ Thomas Müller, die „Leistungssubstanz“ von Douglas Costa oder die „konstitutionellen Voraussetzungen“ des erst 15-jährigen Torwarts Christian Früchtl, tief drin in seinem Zeigefinger geht es aber um etwas anderes. Mahnen, nein. Einschwören und heißmachen, ja. Auf das „Momentum“, das es laut Sammer braucht, um am Ende auch den großen, silbernen Pokal mit den beiden Henkeln zu holen. „Die Champions League kommt zu dir, wenn du sie verdient hast. Du gewinnst sie, wenn du im richtigen Moment die beste Verfassung, den Teamgeist und alle Spieler zur Verfügung hast“, unterstreicht er.

Sammer im Trainingslager in Doha: "Sie bekommen das, was sie verdient haben"

Vielleicht sogar das Triple? So wie 2013 unter Jupp Heynckes? „So ein Schwachsinn“, ruft Sammer in einer Lautstärke, die wohl auch noch im Physiobereich im ersten Stock zu hören sein dürfte. „Haben Sie von mir schon einmal gehört, dass wir das Triple holen müssen? In 115 Jahren Bayern München klappte das einmal, und jetzt wollen wir es drei Jahre später wiederholen? Sie bekommen am Ende das, was sie verdient haben. Die Ziele beim FC Bayern sind die allerhöchsten. Im Sommer können wir Bilanz ziehen.“

Fotos vom Bayern-Trainingslager: Götze begehrt

Im Sommer, dann, wenn die Tage des Pep Guardiola gezählt sind und Carlo Ancelotti das Ruder beim FC Bayern übernimmt. Mit dem Italiener will sich Sammer aber erst gar nicht auseinandersetzen, aus „Prinzip und Respekt“, über den Spanier hat er aber schon etwas zu sagen. Dass er die Bundesliga am Ende des Jahres für die Premier League umtausche, verstehe er, das sei „eine Lebenseinstellung“. Warum die Bekanntgabe von Guardiolas Abschied jedoch negative Konsequenzen für die restliche Spielzeit in München haben soll, will Sammer nicht so recht verstehen. „Unter Jupp Heynckes haben wir bereits mit so einer Situation gute Erfahrungen gemacht. Ich wüsste nicht, warum sich im täglichen Umgang etwas ändern sollte“, so der Sportvorstand. „Der Trainer ist ehrgeizig, er hat es auf der Pressekonferenz glänzend erklärt und damit auch einen Cut gemacht. Auch die Spieler haben sehr gut erklärt, dass sie weiter diesen Hunger haben.“

Alle Informationen vom zweiten Tag des FC-Bayern-Trainingslagers in Doha 2016 finden Sie in unserem Ticker.

Den größten Hunger hat aber immer noch er selbst. Juve hat er sich neulich angeschaut, Barcelona auch. Beide in „Top-Verfassung“. Das gleiche Level gelte es nun für seine Bayern zu erreichen, und den Grundstein dafür könnten jetzt alle gemeinsam in Doha legen. Die Spieler in kurzen Hosen auf dem Platz, Sammer im langen Trainingsanzug und mit 50er-Sonnencreme unter dem Pavillon.

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