Vorbereitung in der Wüste

Vor FCB-Trainingslager: Menschenrechts-Verletzungen? Rummenigge: „Katar hat sich verbessert“

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Das Ras-Abu-Aboud-Stadion reiht sich in die Skyline von Doha ein.     

Karl-Heinz Rummenigge spricht exklusiv über die positive Entwicklung in Katar, dem Gastgeber-Land des Trainingslagers des FC Bayern. Ein Menschenrechts-Experte teilt die Einschätzung der FCB-Bosse.

Sechs Nächte – so lange hält sich der FC Bayern auch heuer wieder im Winter-Trainingslager in Katar auf. Wie schon im vergangenen Jahr wird der Wüsten-Trip also erneut zum Vorbereitungsquickie. Kritik ist trotz der Kürze der Zeit programmiert. Die Vorwürfe: Der FCB unterstützt mit seinem Trainingslager und der Sponsoring-Partnerschaft einen Staat, der Menschenrechte verletzt. Trotz aller berechtigten Einwände gibt es im Wüstenstaat aber positive Entwicklungen.

Die Kataris sind stolz auf ihre Partnerschaft mit dem FCB und stellen das zur Schau.

Unter anderem unterzeichnete Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al Thani im September ein Dekret, wodurch Gastarbeiter aus dem Land ohne Ausreisevisa in ihre Heimatländer zurückkehren können. Bisher mussten ausländische Arbeitskräfte ihre Pässe beim Arbeitgeber abgeben und durften nur mit deren Einverständnis in die Heimat reisen. Die angekündigte Reform des kritisierten Arbeitsrechts, Kafala genannt, nimmt also Form an.

„Dieser Tag markiert einen gewaltig großen Schritt zur Verbesserung der Gastarbeiterrechte und das Ende des Kafala-Systems“, sagte damals Sharan Burrow, Vorsitzende des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Katar ist damit der erste Golfstaat, der diese Restriktionen aufhebt.

Karl-Heinz Rummenigge: „Wir beteiligen uns an einem Dialog am Golf“

Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagt dazu gegenüber der tz: „Vor etwas mehr als drei Monaten hat Angela Merkel das Deutsch-Katarische Wirtschaftsforum in Berlin eröffnet. Sie hat dabei den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen beider Länder als Chance beschrieben und das Interesse Deutschlands an einer noch engeren Zusammenarbeit mit Katar hinterlegt. Der FC Bayern ist eines von vielen deutschen Mittelstandsunternehmen, die mit einem Partner aus Doha kooperieren. Wie andere Fußballvereine und Sportfachverbände auch beteiligen wir uns dabei an einem Dialog in der Golf-Region. Wir stehen mit unseren Partnern in Katar in regelmäßigem Austausch über Entwicklungen in unseren Gesellschaften, der das Thema der Menschenrechte und die Rechte von Arbeitern beziehungsweise Arbeitnehmern einschließt.“ Rummenigge weiter: „Die Menschenrechtsorganisation der UN, internationale Gewerkschaften und NGOs attestieren heute, dass Katar auf öffentliche Kritik reagiert und Änderungen realisiert hat. Dazu zählen die positive Entwicklung der Rechtslage für Wanderarbeiter und Verbesserungen der Arbeitsrechte in Katar.“

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Dass sich in Katar etwas tut, ist auch Wenzel Michalski von Human Rights Watch (HRW) nicht entgangen: „Man kann sagen: Katar ist auf dem richtigen Weg.“ Und da kommt in den Augen des Deutschland-Direktors der Menschenrechtsorganisation der Rekordmeister ins Spiel: „Katar braucht Hilfe, es braucht Schubhilfe. Und der FC Bayern könnte so ein Anschieber sein.“

In Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau haben die Münchner bereits im vergangenen Jahr etwas angeschoben. Damals fand erstmals auch das Trainingslager der Frauen-Mannschaft in Katar statt.

Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sprach mit der tz über die Menschenrechts-Situation in Katar.

Rummenigge erklärt das Engagement uns gegenüber der tz so: „Um den Frauensport in arabischen Gesellschaften zu fördern, hat der FC Bayern im Januar 2018 ein Trainingslager seiner Bundesliga-Frauenmannschaft in Katar organisiert und wurde dabei mit besonderem Engagement vom Qatar Women’s Sport Committee unterstützt. Es hat gute und sichtbare Begegnungen mit katarischen Fußballerinnen und weiblichen Vertretern der katarischen Gesellschaft gegeben.“ 2019 sind erneut Begegnungen mit weiblichen Vertretern der katarischen Gesellschaft geplant. Michalski meint dazu: „Das sind begrüßenswerte Aktionen. Natürlich sind die symbolisch, aber Symbolik in dem Sinne ist durchaus positiv. Das kann ja das Bewusstsein von Gleichberechtigung fördern. Ich will gar nicht sagen, dass Bayern München da überhaupt nicht hinfahren soll, aber sie sollen die Chance nicht verfehlen, dort Missstände anzusprechen. Das ist ihre moralische Pflicht. Sportvereine haben eine Vorbildfunktion und einen bestimmten Wertekatalog. Und diese Ansprüche sollen sie stellen. Ich bin mir sicher, dass der FCB Interesse daran hat, dass sich Katar zu einer modernen Demokratie entwickelt.“

Der FCB und die Pflicht, Menschenrechtsverletzungen öffentlich anzuprangern

Was der Menschenrechtler trotzdem von den FCB-Verantwortlichen fordert: „Die Bayern haben als Empfänger eines Sponsorings aus Katar die Pflicht, Menschenrechtsverletzungen öffentlich anzusprechen und anzuprangern. Wer das nicht tut, der verletzt die Pflicht, die jedes Land hat, das in einem Land tätig ist, in dem es fragwürdige Menschenrechtssituationen gibt. Hier und da gibt es einige Verbesserungen, aber es ist noch nicht vollständig umgesetzt.“

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Der 56-Jährige fordert, „dass die Reformen, die auf dem Papier stehen, zügig umgesetzt werden – es hängen davon Menschenleben ab! Die Kataris sagen immer: Gebt uns Zeit, gebt uns Zeit – das tun sie seit vielen Jahren. Und sie sagen: Auf WM-Baustellen ist die Situation klasse und dann liefern sie Beispiele. Das stimmt ja zum großen Teil, aber was ist mit der Infrastruktur, ohne die das Turnier nicht stattfinden kann? Da gibt es nach wie vor Missstände auf dem Bau! Bei allen Verbesserungen gibt es immer noch großen Rückstand – da muss Katar aufholen“.

Trotz dieser Kritik ist Michalski froh, dass sich in den vergangenen Jahren etwas getan hat. „Es ist schön, dass wir merken, dass die Kritik gehört wird. Sie prallt an Bayern München nicht ab und das ist sehr positiv zu bewerten. In Katar sind auch wirklich Verbesserungen feststellbar. Aber man kann es noch weiter bringen, das Land und die Leute dort. Weil wir sehen, dass Katar das Potenzial hat zu einer positiven Entwicklung, das sieht ja auch Bayern München so. Wir bitten den Verein, da wirklich auch immer wieder einen Schritt weiterzugehen, bis dieser Fortschritt erreicht wurde.“ Oder um weiter in Fußball-Sprache zu bleiben: „Es gibt wirklich Grund zum Optimismus – aber nur, wenn man am Ball bleibt.“ 

Manuel Bonke

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