Früherer Löwe bei Fohlen eine große Nummer

Einstiger Bayern-Star ist jetzt bei Gladbach - Er weiß, warum jeder Florian Neuhaus haben will

Beim Gastspiel des FC Bayern bei Borussia Mönchengladbach werden sich auch beim Rekordmeister viele Blicke auf Florian Neuhaus richten. Das dürfte auch Alexander Zickler nicht überraschen.

München - Alexander Zickler stürmte von 1993 an zwölf Jahre lang für den FC Bayern und gewann mit den Münchnern unter anderem 2001 die Champions League. Mittlerweile ist der 46-jährige Co-Trainer von Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach. Das tz-Interview. 

Herr Zickler, werden wir einen offenen Schlagabtausch zwischen Gladbach und Bayern sehen?
Zickler: Die Bayern werden versuchen, dominant aufzutreten. So wie in der zweiten Halbzeit gegen Mainz. Das war das wahre Gesicht dieser Mannschaft. Da müssen wir mutig dagegenhalten und versuchen, unser Spiel durchzuziehen. Es könnte also schon ein Spektakel werden.
Die Bayern mussten in der Anfangsphase häufig Gegentreffer hinnehmen.
Zickler: Ich glaube nicht, dass die Bayern gegen uns so auftreten werden wie gegen Mainz in der ersten Hälfte. Darum dürfen wir uns nicht auf diese vermeintliche Schwäche verlassen. Wir müssen uns auf uns konzentrieren. Wir wollen ab der ersten Minute da sein, aufmerksam sein und ihnen wehtun, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Welche Aufgaben kommen Ihnen als Co-Trainer in diesem Zusammenhang genau zu?
Zickler: Im Team analysieren wir vorm Spiel den Gegner und nach der Partie unser eigenes Spiel. Mein Schwerpunkt liegt auch auf Standardsituationen: offensiv, defensiv, Ecken, Freistöße - alles durch die Bank. Zudem habe ich ein großes Augenmerk auf unsere Offensivspieler: Wie waren die Laufwege? Was kann man noch anders machen? Was kann man besser machen? Zusammen mit Oliver Neuville arbeiten wir an solchen Dingen.
Welche Rolle spielen Standards im heutigen Fußball? Sind sie nur Mittel zum Zweck?
Zickler: Absolut nicht! Schauen Sie sich mal die Entwicklung der Standards an: Viele große Mannschaften und Trainer legen extrem viel Wert darauf. Standards können Spiele entscheiden oder eine Mannschaft in ein Spiel zurückbringen. Wenn du gute Schützen oder gute Kopfballspieler bei ruhenden Bällen hast, ist das eine absolute Waffe!
Obenauf: Florian Neuhaus gehört aktuell zu den begehrtesten deutschen Fußballern.
Was ist das Erfolgsgeheimnis von Borussia Mönchengladbach?
Zickler: Es sind viele Faktoren, die hier ineinandergreifen. Was mich von Anfang an sehr beeindruckt hat, ist das familiäre Umfeld. Du fühlst dich vom ersten Tag an sehr gut aufgenommen. Das Miteinander ist top, was für das Arbeitsklima extrem wichtig ist. Trotzdem muss man Dinge, die nicht gut gelaufen sind, offen ansprechen. Auch das ist hier überhaupt kein Problem. Es versucht jeder, sich in seinen Bereichen zu entwickeln. Das ist wichtig, um am Ende des Tages gute Leistungen zu bringen und nicht stehen zu bleiben. Das Umfeld ist dafür wie geschaffen!
Ist es Fluch und Segen zugleich, dass sich Spieler in Gladbach so gut weiterentwickeln können?
Zickler: Das ist mit Sicherheit ein Thema, mit dem ein Verein wie Mönchengladbach zu kämpfen hat. Andererseits ist es auch wieder eine Auszeichnung, dass du die Spieler begleitet hast, damit sie den nächsten Schritt gehen. Unsere Aufgabe ist es, den Spielern, die sich so stark entwickeln, aufzuzeigen, was für sie der beste Weg ist. Warum sollen sie gehen? Sie können ja auch hierbleiben! Hier spielen sie auch mal Champions League und werden Nationalspieler. Da müssen wir versuchen, uns Schritt für Schritt den Top-Mannschaften der Liga anzunähern.
Was zeichnet Florian Neuhaus aus?
Zickler: Er spielt auf einer Position, wo du eine gute Orientierung auf dem Platz brauchst und auch ein gewisses Risiko gehen musst, den Gegner anzulocken und Räume für andere Spieler aufzuziehen. Flo erkennt Situationen sofort und schaltet sich dementsprechend mit nach vorne ein oder sichert lieber hinten ab. Seine Pässe in die Tiefe sind brandgefährlich. Was er auch gut macht: Als Sechser kommt er häufig zum Abschluss und ist im gegnerischen Strafraum zu finden. Er hat viele Dinge, die du als moderner Sechser brauchst. Außerdem ist Flo flexibel: Er kann nicht nur auf der Sechs spielen, sondern auch auf der Acht und der Zehn.
Und wann ist er so weit, den nächsten Schritt zu machen?
Zickler (lacht): Ich hoffe, das dauert noch eine ganze Weile. Aber wie gesagt: Man kann einem Florian Neuhaus auch nicht böse sein, wenn es dann doch etwas schneller passiert. Er weiß, dass er als junger Spieler die Einsatzminuten und die Regelmäßigkeit braucht. Wir hoffen alle, dass er noch einige Zeit in Gladbach bleibt.
Wie sehr fehlt Ihnen persönlich eigentlich Max Eberl?
Zickler: Einerseits kann ich es nachvollziehen und verstehe auch die Beweggründe für Max’ Auszeit. Aber natürlich merkt man, dass er nicht da ist! Trotzdem ist ein regelmäßiger Austausch da, es gibt ja Handys. Es ist ja nicht so, dass er vier Wochen weg ist und wir nix voneinander hören. Max hat nach dem Sieg gegen Bielefeld auch gratuliert. Er ist ein sehr angenehmer Mensch und die tägliche Arbeit mit ihm macht einfach Spaß - weil es auch einfach lustig mit ihm ist.

Interview: Manuel Bonke

Rubriklistenbild: © David Inderlied/dpa

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