Sie bleiben im Bayern-Aufsichtsrat

Trotz Haftbefehl und U-Haft: Hoeneß hält (vorerst) an Winterkorn und Stadler fest

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Bleibt weiter im Aufsichtsrat des FC Bayern: Martin Winterkorn (l.) neben Uli Hoeneß.

Gegen Ex-VW-Manager Martin Winterkorn liegt ein Haftbefehl aus den USA vor, Audi-Boss Rupert Stadler sitzt in Untersuchungshaft. Trotzdem hält der FC Bayern München an beiden im Aufsichtsrat fest. Uli Hoeneß erklärt, warum.

München – Mit Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und dem beurlaubten Audi-Boss Rupert Stadler sitzen zwei Mitglieder im Aufsichtsrat des FC Bayern München, gegen die im Zuge der Dieselaffäre in Deutschland und in den USA ermittelt wird. Uli Hoeneß hat sich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nun erstmals zu diesem Thema geäußert und erklärt, warum der deutsche Rekordmeister ungeachtet aller Vorwürfe weiter an den Beschuldigten festhält.

Für Hoeneß haben die beiden lediglich den Status als „Beschuldigte“. „Solange das bei Martin Winterkorn und Rupert Stadler so ist, muss ich nicht hergehen und alles vergessen, was sie in vielen Jahren für den FC Bayern getan haben“, sagte der 66-Jährige und fügte an: "In schwierigen Zeiten zeigt sich, wer wo steht und was eine Freundschaft wert ist." Der Bayern-Präsident machte zudem deutlich, dass auch ein Schuldspruch seine persönliche Beziehung zu Winterkorn nicht verändern würde: „Martin Winterkorn bleibt mein Freund.“

Hoeneß: Wenn die Vorwürfe stimmen, wird es Konsequenzen geben

Allerdings könnte sich im Falle einer Verurteilung die Sachlage für die FC Bayern AG ändern. "Wir sind hier keine Richter. Ich plädiere auch nicht dafür, ihn von allem freizusprechen", sagte Hoeneß im Bezug auf Winterkorn, stellt aber klar: "Im Fall einer Anklage hätten wir eine andere juristische Situation. Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten, wird das Konsequenzen haben."

Winterkorn war 2015, kurz nachdem der Abgasskandal mit weltweit Millionen manipulierter Dieselautos von Forschern aufgedeckt worden war, als VW-Chef zurückgetreten. Mittlerweile ist der 71-Jährige in den USA wegen Betrugs und Mittäterschaft in der Affäre angeklagt. Ihm drohen einem Gerichtssprecher zufolge im Fall einer Verurteilung bis zu 25 Jahre Haft und und eine Geldstrafe von 275.000 Dollar.

Stadler sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II hatte den Audi-Chef im Juni verhaftet, weil er neben der Verwicklung in den Dieselbetrug auch versucht haben soll, Zeugen zu beeinflussen. Der Automobilhersteller hatte den 55-Jährigen daraufhin auf eigenen Wunsch vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden.

FC Bayern AG: 33% des Aufsichtsrates mit Vorstrafen, aktuellem Haftbefehl oder in Untersuchungshaft

Hoeneß war 2014 selbst wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden, von der er die Hälfte absaß. Die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Im November 2016 wurde er wieder zum Präsidenten der „Roten“ gewählt, im Februar 2017 erneut zum Chef des Aufsichtsrates der FC Bayern AG.

Aktuell gehören dem Gremium neben Hoeneß, Winterkorn und Stadler sechs weitere Mitglieder an: Herbert Hainer, Werner Zedelius, Timotheus Höttges, Dieter Mayer, Edmund Stoiber und Theodor Weimer.

tlm

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