tz-Interview mit Physiotherapeut Schmidtlein

"Drei Wochen Urlaub sind zu kurz für WM-Fahrer"

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Holger Badstuber und Franck Ribéry im FC-Bayern-Training in den USA.

München - Zur Vorbereitung in die USA – das ist eine Extrabelastung für die Athleten des FC Bayern. Die tz sprach mit dem ehemaligen FCB- und DFB-Physiotherapeut Oliver Schmidtlein darüber.

Zur Vorbereitung in die USA – das ist eine Extrabelastung für die Athleten. Auch wenn die Stimmung im Team bestens ist, geschlaucht sind Ribéry & Co. von dem Trip ganz sicher. Die tz sprach mit dem ehemaligen FCB- und DFB-Physiotherapeut Oliver Schmidtlein darüber.

Herr Schmidtlein, sind drei Wochen Urlaub nach einer WM genug?

Physiotherapeut Oliver Schmidtlein

Schmidtlein: Hier muss man zwischen körperlicher und mentaler Erholung unterscheiden. Für die zweite Art reichen drei Wochen sicher nicht aus. Die physische Erholung kann sich durch chronische Mikroverletzungen, die man aufgrund der Belastung mit sich herumschleppt, auch verlängern. Doktor Müller-Wohlfahrt sprach ja von sechs Wochen, die ausreichen würden. Dem Gedanken stimme ich zu. Aber man kann den Zeitraum nicht ändern.

Worauf kommt es in diesen drei Wochen Urlaub an?

Schmidtlein: Der mentale Aspekt ist fundamental. Der Geist soll und muss sich erholen, und das gelingt ihm durch Abwechslung und Abstand. Es geht darum, nicht zu müssen. Das Leben eines Fußballers wird stets idealisiert, größtenteils, weil sie in Wohlstand leben, aber sie sind ja komplett fremdbestimmt – und zwar das ganze Jahr über. Wenn man ein wenig zwischen den Zeilen gelesen hat, dann konnte man genau diesen Aspekt auch in den Worten Philipp Lahms wiederfinden, als er seinen Rücktritt von der Nationalmannschaft publik gemacht hat. Ich kann das gut nachvollziehen: Man bekommt ja permanent von irgendwem Anweisungen, sei es vom Trainer, vom Arzt oder vom Reha-Coach. Damit die Spieler Abstand gewinnen, wäre es gut, wenn sie mehr Zeit zur Verfügung hätten. Man sieht es ja bei den US-Sportarten: Sie haben bis zu vier Monate Pause zwischen den Wettkampfphasen, das hat sich dort sehr bewährt.

"Knappe drei Wochen Urlaub reichen den WM-Fahrern nicht aus"

Wäre es sinnvoll, die Sommerpause nach einem Turnier zu verlängern?

Schmidtlein: Auf jeden Fall, aber ich kenne auch nicht die organisatorischen Nöte, die hinter so einem Terminplan stecken. Aber klar: Knappe drei Wochen Urlaub reichen den WM-Fahrern nicht aus. Auf der anderen Seite laufen die Klubs auch Gefahr, mit untrainierten und somit auch verletzungsanfälligeren Spielern in die Saison zu starten, wenn sie ihnen Extraurlaub gewähren. Im Endeffekt ist es ein Kompromiss. Es haben alle ein Interesse daran, dass die Spieler gesund bleiben. Über Alternativen nachzudenken, lohnt sich aber immer. Dass Spieler, die an psychischen Problemen leiden, dies öffentlich machen, spricht auch diese Sprache: Der Druck ist in diesem Geschäft enorm, und man kann darüber nachdenken, ihn an der ein oder anderen Stelle zu dämpfen.

Ist der Druck vielleicht zu groß?

Schmidtlein: In den größeren Firmen dieser Welt wird viel in Work-Life-Balance investiert. Wo ist die bei einem Fußballprofi? Klar kann man jetzt sagen: Die verdienen gut, also müssen sie auch auf vieles verzichten. Und ich bin auch ein Verfechter des Leistungsgedankens in unserer Gesellschaft. Aber wenn es um die Gesundheit geht, dann darf man das hinterfragen. Die Kritik an einer Sache ist allerdings immer nur so gut wie die bessere Alternative.

Ist es gesund, dass der erste Termin für die WM-Fahrer ein Trip in die USA ist, wo sie mittags anreisen, abends ein Spiel absolvieren und danach wieder zurückfliegen?

Schmidtlein: Katar, Peking – diese ganzen Reisen sind für die Gesundheit nicht förderlich. Die Frage ist aber: Welche Absicht steckt dahinter? Ein Klub wie Bayern München muss auch Geld verdienen und hat wohl gute Gründe. Aber klar: Wenn eine medizinische Abteilung entscheiden dürfte, wie eine Vorbereitung auszusehen hat, dann wären solche Reisen definitiv nicht dabei.

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