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„Keine alte Sau“: Schiri Aytekin schildert kuriosen VAR-Vorfall beim FC-Bayern-Spiel

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Von: Patrick Freiwah

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Bundesliga: Schiedsrichter Deniz Aytekin im Rededuell mit Thomas Müller vom FC Bayern
Bundesliga: Schiedsrichter Deniz Aytekin im Rededuell mit Thomas Müller vom FC Bayern. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik

Das Thema VAR bietet Anlass für hitzige Debatten, auch bei Julian Nagelsmann. Schiri Deniz Aytekin erzählt von einem FC-Bayern-Spiel, wo er die Wartezeit mit einem Trick verkürzte.

Frankfurt/München – Seitdem der Videobeweis VAR in den Bundesliga-Stadien Einzug erhalten hat, wird die Geduld von Fans und neutralen Zuschauern öfter auf die Probe gestellt: Beinahe in jedem Spiel gibt es knifflige Entscheidungen, welche die Videoassistenten im „Kölner Keller“ der DFL auf den Plan rufen.

Bei prüfbaren Szenen erfolgt dann eine längere Pause, in der während des Spiels getroffene Schiedsrichter-Entscheidungen überprüft werden. Das sorgt für eine Unterbrechung des Spielflusses auf dem Rasen, darüber hinaus werden auch die Anhänger auf den Rängen unruhig.

FC Bayern: VAR erhitzt Gemüter – Aytekin mit Anekdote aus Frankfurt-Spiel

Auch beim Heimspiel des FC Bayern gegen Wolfsburg sorgte der VAR für Tumulte – es ging um ein vermeintliches Tor von Sadio Mané. Darüber echauffierte sich Münchens Trainer Julian Nagelsmann im Nachgang, weil die Entscheidungsfindung „5:34 Stunden“ gedauert habe:

Beim Bundesliga-Auftaktspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München eine Woche zuvor kam es ebenfalls zu einer außergewöhnlichen VAR-Begebenheit, wie Deniz Aytekin im Video-Podcast „kicker meets DAZN“ verrät. Der Unparteiische erzählt, wie er eine VAR-Untersuchung geheimhielt, um „Spielfluss und Atmosphäre“ nicht zu gefährden. Und so erklärt der Schiedsrichter die Szene: „Es gab eine Situation kurz nach der Halbzeit, in der gecheckt wurde, ob es Elfmeter gibt. Ich gebe Eckball und der Videoassistent sagt: Warte mal kurz, wir checken gerade, ob es ein potenzielles Foul war“, so Aytekin über die Situation beim Stande von 0:4 für die Gäste (Endstand 1:6).

VAR in der Bundesliga: Aytekin wendet Trick an – „Keine alte Sau gecheckt“

Wie hat es der 44-Jährige hinbekommen, dass kaum einer im Stadion davon Wind bekam, dass im Hintergrund eine Szene geprüft wird? Aytekin hatte sich vor Ausführung des Standards mehr Zeit als sonst gelassen. Er hielt sich nicht demonstrativ am Ohr - die übliche Geste, wenn eine Spielszene überprüft wird – sondern wendete sich an den versammelten Spieler-Pulk, der sich auf den Eckball bereitmachte.

„Ich bin zu den Spielern hin und habe zu Upamecano gesagt, dass er aufhören soll. Er hat mich entgeistert angeguckt und gesagt: ‚Ich habe doch nichts gemacht.‘ Dann habe ich gesagt: ‚Ja, ich weiß. Aber ich brauche Zeit.‘ Dann bin ich wieder ein paar Schritte zurückgegangen. Diese Zeitspanne hat mir geholfen, dass – auf gut Deutsch – keine alte Sau gecheckt hat, dass wir etwas überprüfen“, resümiert Deutschlands Schiedsrichter der Saison 2019/20.

Jedoch erklärt Deniz Aytekin, dass dieser „Trick“ bei einem Fußballspiel „natürlich nicht immer die Lösung“ sei und generell eher „Sicherheit vor Schnelligkeit“ zähle, um einer Fehlentscheidung möglichst vorzugreifen. „Lieber habe ich die richtige Entscheidung, statt mit aller Gewalt schnell eine Entscheidung herbeizurufen und am Ende ist sie falsch“, führt der Hobby-DJ aus.

In einem Interview mit unserer Zeitung hat der verheiratete Referee Aytekin kürzlich auch über den VAR gesprochen – sowie sein Privatleben.

VAR in der Bundesliga: Wie lautet eigentlich die Regelauslegung?

Fans der Bundesliga und anderer Topligen müssen also auch künftig Geduld mitbringen, wenn die Protagonisten auf dem Rasen das Spiel unterbrechen, bis eine Klärung der zu bewertenden Spielszene stattgefunden hat. Zumindest seien Zuschauer der deutschen Partien im Vorteil: „In anderen Nationen ist die durchschnittliche Zeit 15 bis 20 Sekunden länger.“

Für welche Spielsituationen steht der Videoassistent, der bereits seit fünf Jahren zum Einsatz kommt, eigentlich parat? Ein VAR-Eingriff ist bei vier verschiedenen Fällen vorgesehen, in denen es zu klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen kommt:

Derweil hat Freiburg-Trainer Christian Streich darüber gesprochen, ob Videobeweis-Bilder künftig auch Zuschauern in den Bundesliga-Stadien gezeigt werden sollten. (PF)

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